Immer wieder verzeihen?

Kommentar zum Sonntagsevangelium am 24. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 9. September 2011 (ZENIT.org). - Was Petrus den Herrn da fragt, ist etwas, das auch uns immer wieder beschäftigt: wenn jemand mich beleidigt, muss ich ihm als Christ verzeihen, o.k. Aber wenn er es dann wieder tut und ein drittes und viertes Mal, darf ich dann nicht sagen: jetzt reicht es? Die Antwort Jesu kennen wir: nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal sollen wir verzeihen.

Der Herr illustriert diese äußerste Anforderung an unsere Geduld mit dem Gleichnis von dem König, der von einem seiner Diener das geschuldete Geld zurückfordert, sich aber, da der Diener es nicht zurückzahlen kann und er ihn so anfleht, erweichen lässt, ihm nicht nur die Schuld zu stunden, sondern sie ihm sogar äußerst großzügig zu erlassen. Der Diener seinerseits aber hat einem seiner Kollegen eine Summe geliehen, die er nun sehr unvermittelt zurückfordert. Da kommt in ihm etwas Erschreckendes zutage. Anstatt die gleiche Barmherzigkeit, die er bei seinem Herrn hoch erfreut erfahren hat, seinerseits ebenso seinem Mitknecht gegenüber, der ihn mit den gleichen Worten anfleht, zu üben, verlangt er in brutaler Weise sein Geld zurück, notfalls sogar, indem er den anderen mitsamt seiner Familie in den Schuldturm wirft. Natürlich bekommt er dafür die verdiente Strafe.

Das Thema Vergebung und Barmherzigkeit ist so alt wie die Menschheit und selbstverständlich auch heute aktuell. Der britische Regisseur Roland Joffé hat verschiedene Spielfilme dazu gedreht, die immer wieder um die Frage von Schuld und Versöhnung kreisen, z.B. „The Killing fields” und „The Mission”. Vor kurzem kam in den Vereinigten Staaten sein neuester Film „There be dragons” in die Kinos. Er handelt von zwei Männern, die als Kinder zusammen im Priesterseminar gewesen sind, deren Lebensläufe dann aber – der Film spielt im spanischen Bürgerkrieg -  sehr verschiedene Wege gegangen sind. Der eine, namens Manolo, lehnt Gott und Christentum ab, sein Leben bewegt sich zwischen den Fronten der Bürgerkriegsparteien, er spielt ein doppeltes Spiel und wird sogar zum Mörder.

Der andere ist Josemaria Escrivá, der Gründer des Opus Dei, der als junger Priester die Grausamkeiten des Bürgerkriegs hautnah erlebt und selber mehr als einmal in Gefahr kommt, umgebracht zu werden, der aber dennoch seine Freunde dazu anhält, nicht nach Rache zu verlangen, sondern dem Feind zu vergeben. Immer wieder versucht er, Manolo, der nichts von ihm wissen will, auf den Weg des Guten zurückzuführen, aber vergeblich. Erst auf dem Totenbett findet dieser das erlösende Wort der Versöhnung und damit den Frieden.

Nehmen wir es ernst, dass es auch uns schlecht ergehen wird, wenn wir nicht unserem „Bruder von ganzem Herzen vergeben”!

 *Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.