Impuls zu Ostern 2012

Wahrhaft auferstanden

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 7. April 2012 (ZENIT.org). - In der Presse war neulich die Rede von einer in der Öffentlichkeit bekannte Persönlichkeit, die sich taufen lassen will, aber nicht an die Auferstehung glaubt.

Das wäre ja der absolute Widersinn.

Paulus sagt es deutlich im ersten Brief an die Korinther: „Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden“ (1 Kor 15,15). Gebe Gott, dass jener Herr seine Meinung ändert.

Allerdings geht es nicht um Meinung. Angesichts dieses zentralen Elementes unseres Glaubens, der Auferstehung, wird uns deutlich, dass Glaube mehr ist als Meinung. Ja, wir haben im Deutschen zwei Bedeutungen des Wortes „glauben“. Einmal sagen wir in der Alltagssprache: ich glaube, morgen wird das Wetter schön. In diesem Sinn genommen heißt „glauben“ „nicht genau wissen“. Der religiöse Glaube ist aber nicht ein vages unsicheres Wissen, es ist etwas anderes, etwas Höheres als Wissen. Die natürliche Erkenntnis erstreckt sich auf die natürlichen Dinge, deren Existenz uns von den Sinnen gemeldet wird. Dadurch wissen wir sie. Die übernatürliche Welt jedoch, die Welt Gottes, der Engel, der Gnade ist uns überhaupt nicht mit den Sinnen, und auch nicht mit den „verlängerten Sinnen“, der Naturwissenschaft, zugänglich. Nur der Glaube öffnet das Tor zu dieser so anderen, aber äußerst realen Welt. Und diese Erkenntnis ist nicht unsicher und subjektiv. Vielmehr sagt uns der Glaube sehr genau und zuverlässig, was es in der übernatürlichen Welt zu erkennen gibt. Ob nun unser Glaube schwach und vage ist, oder fundiert und fest, haben wir selbst in der Hand. Er ist nämlich abhängig von unserem Gebet. Der Glaube ist wie ein lebendiger Organismus, wie eine Pflanze, die blüht und stark ist, wenn sie gepflegt wird, die aber eingeht, wenn sie kein Wasser bekommt. Ebenso wird der Glaube eines Menschen schwach und geht schließlich ein, wenn die Nahrung des Gebets ausbleibt. Eine wichtige Verpflichtung also, unseren Glauben zu pflegen!

Aber wie immer sind wir nicht auf uns allein gestellt. Gott hilft. Wenn nämlich der Glaube einerseits eine „Leistung“ des Menschen ist, so ist er doch andererseits gar nicht möglich, wenn Gott nicht seine Gnade dazu gibt. So war es sehr richtig, wenn jener Mann im Evangelium Jesus bittet: „Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24). Und Jesus antwortet ihm: „Alles vermag derjenige, der glaubt“ (ebda).

Angesichts der Auferstehung des Herrn, die wir nicht nachprüfen, sondern glauben sollen, wird uns vielleicht wieder einmal bewusst, wie schädlich es sein kann, wenn der Mensch, der glauben will, auf halbem Weg stehen bleibt. Wenn es uns schwer fällt zu glauben, bitten wir doch den Herrn, dass er unserem Glauben Klarheit und Kraft verleihe, und verbleiben wir nicht in der Haltung des Zögernden.

Wir werden reich belohnt. Der Glaube an die Auferstehung Jesu schließt ja den Glauben an unsere eigene Auferstehung mit ein. So verstehen wir auch den Jubel, den die Kirche in der Osternacht anstimmt: „Frohlocket, ihr Chöre der Engel, frohlocket, ihr himmlischen Scharen, lasset die Posaune erschallen, preiset den Sieger, den erhabenen König!“ Wir freuen uns nicht nur über den Sieg, den Christus über Satan und Tod errungen hat, das ist ja in erster Linie seine Freude, und wir freuen uns mit ihm, sondern wir haben ganz persönlich allen Grund uns zu freuen, denn unser eigenes Leben führt nicht, wie es zunächst den Anschein hat, direkt in den Tod, sondern auch wir werden ewig leben.

In  seiner Homilie zur Osternacht sagt Felix Genn, der Bischof von Münster: „Diese Nacht ist erfüllt vom Jubel über diese Botschaft. Was bietet die Kirche alles auf, um das zu feiern, um Gott zu loben, dass er das in seinem Christus fertig gebracht hat. Dass der Mensch nicht zerstört werden kann durch die Macht des Todes, sondern dass jeder von uns, der sich diesem Christus öffnet, erfahren darf, dass es die Macht der Auferstehung gibt.“

Christus ist auferstanden – er ist wahrhaft auferstanden!

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.