Impuls zum 28. Sonntag im Jahreskreis

Jahr des Glaubens es eilt!

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 14. Oktober 2012 (ZENIT.org). - „Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ Jemand stellt Jesus diese Frage, und wir können ihn nur dazu beglückwünschen. Wer aber fragt sich heute, wie er das ewige Leben gewinnen kann? Manchmal hat man tatsächlich den Eindruck, dass das keinen mehr interessiert. Vordergründig interessiert sich der Mensch für tausend Sachen, nur nicht für die wichtigste.

Der Heilige Vater steht manchmal wie allein auf weiter Flur. Soeben hat er das Jahr des Glaubens eröffnet. In seiner kurzen Analyse der heutigen Situation klingen die Worte des Papstes fast pessimistisch:

„In diesen Jahrzehnten ist eine geistliche ‚Verwüstung‘ vorangeschritten. Was ein Leben, eine Welt ohne Gott bedeutet, konnte man zur Zeit des Konzils bereits aus einigen tragischen Vorfällen der Geschichte entnehmen, heute aber sehen wir es leider tagtäglich in unserer Umgebung. Es ist die Leere, die sich ausgebreitet hat.“

Hier heißt es, nun nicht in Trübsal zu verfallen, aber andererseits ist auch das Eintreten für ein „Christentum light“ oder für die bei vielen anzutreffende Tendenz zur „Wellness-Kirche“ keine Lösung. Nachdem die Kirchensteuer weiter fort besteht, mit allen Vor- und Nachteilen, dürfen wir uns nicht damit begnügen, dass in der Kirche das Organisatorische weiterhin gut funktionieren wird. Mehr denn je geht es jetzt darum, die Christen zum Glauben zurückzuführen. Jawohl, die Christen, nicht nur die sog. Fernstehenden.

Wo hapert es denn bei den Christen?

Ohne hier die einschlägigen Statistiken zu bemühen, genügt ein kurzer Blick auf die Jugendlichen:

Fast drei Viertel der katholischen Jugendlichen wollen einer Studie zufolge nichts mir "ihrer" Kirche zu tun haben. Sie betrachten sie als ein „Reservat Zu-Kurz-Gekommener. Sie bringt ihnen nichts und hat ein schlechtes Image“, erläuterte Professor Michael N. Ebertz von der Katholischen Fachhochschule in Freiburg.

Jugendliche habe natürlich den Vorzug, dass sie nicht für alle Zeiten festgelegt sind. Sie können ihre Meinung verhältnismäßig rasch ändern, wenn jemand ihnen die Dinge plausibel erklärt. Das Wort von der „Neu-Evangelisierung“, das schon der sel. Johannes Paul II. gebrauchte, schlägt bei ihnen am ehesten zu Buche. Man denke in diesem Zusammenhang an die Begeisterung, die die Weltjugendtage auslösen.

An dieser Stelle muss aber auch den verantwortlichen Eltern und Erziehern ins Gewissen geredet werden. Wieso geben sie den Glauben an die jüngere Generation nicht weiter? Auf diese einfache Frage gibt es keine einfache Antwort. Sie gehören ja zu der Generation der 68er beziehungsweise der 68er-Geschädigten. In ihrer Jugend ist vieles zu Bruch gegangen. Auch in der Kirche haben manche unerleuchtete Geister gemeint, das Konzil hätte einen totalen Umbruch aller Werte gebracht. Wie oft wurden in jenen Jahren vom „Geist des Konzils“ gesprochen, der aber mit dem, was das Konzil gesagt hat, durchaus nichts zu tun hatte. Dazu ein Kommentar aus dem Volk: „Man kann ja mal über die Stränge schlagen, aber doch nicht fünfzig Jahre an einem Stück“.

Das Zweite Vatikanische Konzil wurde am 11. Oktober 1962 eröffnet. Genau fünfzig Jahre später ruft nun Papst Benedikt, der als junger Theologe Joseph Ratzinger maßgeblich am Konzil beteiligt war, das Jahr des Glaubens aus. Damit sagt er ganz deutlich, dass die nicht zu leugnende „geistliche Verwüstung“ nicht wegen des Konzils, sondern trotz des Konzils entstanden ist. Jetzt geht es darum, die Ursachen dieses Kahlschlags zu entdecken und vor allem sie zu bekämpfen. Mit den Mitteln, die das Konzil bereitstellt. Da muss sicher von vielen Verantwortlichen endlich einmal Tacheles geredet werden, vor allem von den Bischöfen. Gar zu lange hat man sich dem Zeitgeist gegenüber willfährig verhalten.

Jetzt wäre es an der Zeit, eine ganze Reihe verschütteter Wahrheiten aus Lehre und Moral eindringlich in Erinnerung zu rufen, aber auch mit möglichen Konsequenzen zu versehen. Wer es will, kann da alles nachlesen im Katechismus der Katholischen Kirche, der – ebenfalls ein Jubiläum – vor genau zwanzig Jahren vorgestellt wurde. Aber wahrscheinlich muss man ein Übriges tun.

Im Gleichnis von reichen Prasser sagt Abraham, die Verirrten brauchen kein Wunder, denn „sie haben Moses und die Propheten“, (vgl. Lk 16,19 ff) d.h. sie können alles in der Schrift nachlesen, wenn sie die Wahrheit wissen wollen. Aber damals wie heute scheint das nicht zu genügen. Es muss also noch einiges Zusätzliche geschehen, damit die Christen wach werden. Papst Benedikt ist da unermüdlich tätig, aber er kann nicht alles alleine tun. So eine großartige Möglichkeit wie das Jahr des Glaubens sollte sich die Kirche in Deutschland nicht entgehen lassen.

Bitten wir gemeinsam den Heiligen Geist, dass das Notwendige getan, nicht nur gesagt wird. Dann wird auch das geschehen, worauf der Papst vertraut:

„Doch gerade von der Erfahrung der Wüste her, von dieser Leere her können wir erneut die Freude entdecken, die im Glauben liegt, seine lebensnotwendige Bedeutung für uns Menschen.“

Bitten wir Maria, die Mutter der Glaubenden, um ihre Fürsprache, dass das „Jahr des Glaubens“ endlich im allgemeinen Bewusstsein der Christen jene lebensnotwendige Erneuerung hervorbringt, die der Heilige Vater meint.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“. Im katholischen Fernsehsender EWTN ist er montags um 17.30 Uhr mit der wöchentlichen Sendereihe „Schöpfung und Erlösung”, die beiden großen Werke Gottes und die Mitwirkung des Menschen, zu sehen.