Impuls zum 3. Adventssonntag 2012

..wo die wahren Freuden sind

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 14. Dezember 2012 (ZENIT.org). – „Gaudete – freuet euch!” ruft uns die Liturgie der Kirche an diesem 3. Adventssonntag zu. Wer wird sich dieser Aufforderung verschließen? Die Freude spricht doch jeden Menschen an. Wer möchte sich nicht freuen?

Im Tagesgebet der Hl. Messe heißt es: „Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung, damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde!” Da haben wir den eigentlichen Grund für die adventliche Freude, im Geschenk der Erlösung.

In unserer Erinnerung mag so manche Freude auftauchen, die wir in irgendeinem Zusammenhang erlebt haben, und die uns vielleicht letzten Endes doch nicht mit Zuversicht erfüllt hat. Vielleicht sogar manch eine, die uns nachträglich beschämt hat. Die Freude, die wahre Freude ist ja gerade nicht ein diffuses Sich-wohl-fühlen. Der hl. Josefmaria Escrivá sagt: „Die Freude, die du haben sollst, ist nicht die eines gesunden Tieres, die wir eine physiologische Freude nennen könnten. Sie ist vielmehr eine übernatürliche, die aufkommt, wenn man alles hingibt und sich ganz den liebenden Armen Gottes, unseres Vaters, überlässt“ (Der Weg 659).

Gerade die Weihnachtsfreude, auf die wir zugehen, zeigt uns am Beispiel der drei Hauptpersonen, Jesus, Maria und Josef, dass die wahre Freude nur übernatürlich zu begreifen ist. Eine bloß natürliche „Spaß an der Freud“ ist durchaus nichts Verwerfliches, aber mit der „Freude im Herrn” nicht zu vergleichen. In dieser zeigt sich auch das, was uns so oft im christlichen Leben begegnet: jenes scheinbare Paradoxon, das uns immer wieder z.B. an der Bergpredigt – im guten Sinne – irritiert. Etwas, was auf den ersten Blick unerfreulich ist, wird gepriesen: „Selig, die Verfolgung leiden, selig, wenn ihr um meinetwillen beschimpft werdet” etc.

Was Maria und Josef auf dem Weg nach Bethlehem erleben, ist eine ganze Kette von unangenehmen Erlebnissen. Wie war doch in Nazareth alles so wunderbar für die Geburt des Kindes vorbereitet! Eine warme Stube, ein schöne von Josef gefertigte Wiege, die für das Kind nötigen Tücher und Gegenstände. Das alles musste man zurücklassen und statt dessen in die Stadt der Vorfahren, Bethlehem, ziehen, um sich in die Steuerlisten eintragen zu lassen. Das alles nur aufgrund einer Laune des Kaisers in Rom, der sich über die Zahl seiner Untertanen erkundigen wollte, um von ihnen anschließend mehr Steuern eintreiben zu können. Maria und Josef müssen einen unwahrscheinlich starken Glauben gehabt haben, dass sie hinter diesen vordergründigen Zusammenhängen die Hand Gottes sahen.

Und schließlich die unerquicklichen Erlebnisse in Bethlehem selbst. Die Stadt Davids quoll über von Fremden. Da der König David mehrere Frauen hatte, konnten viele Menschen in Israel ihre Abkunft auf ihn zurückführen. Nachdem alle Herbergen und Privathäuser belegt waren, blieb nur noch als buchstäbliche letzte Bleibe ein Stall, eine für den Aufenthalt von Tieren bestimmte Höhle, die wir uns nur als unangenehm vorstellen können. Dort war es schlicht und einfach kalt. Da eine solche Höhle keine Tür hat, zog es fürchterlich. Wo sonst Tiere leben, riecht es außerdem schlecht. Was uns so anmutig als Weihnachtsidylle vorkommt in den unzähligen Krippendarstellungen in aller Welt, war für die Beteiligten eine Zumutung. Josef mag am meisten darunter gelitten haben, dass er seiner Braut, der Jungfrau Maria, nichts Besseres bieten konnte.

Aber dann war das Kind da!

Alles Ungemach war wie weggeblasen. Eine unbeschreibliche Freude muss die beiden erfüllt haben. Eine so tiefe Freude, dass alles Unangenehme schnell vergessen war. Da haben wir die Urgestalt der christlichen Freude. Der hl. Josefmaria sagt, dass die wahre Freude ihre „Wurzeln in Kreuzesform” hat. Die Wurzeln sieht man für gewöhnlich nicht, aber aus ihnen erwächst die Kraft. Und im Kreuz eben ist nicht nur Heil, sondern auch Freude.

Ganz sicher ist es in Ordnung, wenn wir uns über die vorweihnachtliche Atmosphäre in unseren Städten, über die Lichter und die Geschenke, über die strahlenden Kinderaugen am Heiligen Abend freuen. Aber die Hauptsache kann das nicht sein.

Da Maria uns Jesus, „unsere Freude”, geboren hat, nennen wir sie mit Recht in der Lauretanischen Litanei, die „Ursache unserer Freude”, sie die nach der Tradition „Sieben Schmerzen” in ihrem Leben erlitten hat. Wenden wir uns an sie in diesen Tagen, damit unsere Freude eine wirklich übernatürliche werde. Vielleicht wird es auch uns zu einem anderen Zeitpunkt begegnen, dass die wahre Freude uns etwas abverlangt. Aber dann sind wir gewappnet.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.