Impuls zum 3. Sonntag im Jahreskreis

Lassen wir uns von Jesus provozieren!

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 1479 klicks

Mit dem 3. Sonntag im Jahreskreis wird uns das öffentliche Auftreten Jesu nach seiner Taufe im Jordan vor Augen geführt. Und es fängt zunächst ganz gut an. Er kehrt in seine Heimatstadt Nazareth zurück. In der kurzen Zeit hat er schon einen relativ großen Bekanntheitsgrad erreicht. Er hat in den Synagogen gepredigt und „wurde von allen gepriesen“ (Lk 4,15).

Jetzt, in der Synagoge von Nazareth, spürt man geradezu die Spannung, die alle Zuhörer beherrscht: „Was wird er sagen? Er, den wir ja von Kindesbeinen an kennen?” Jesus liest aus dem Propheten Jesaja. Er findet genau die Stelle, die sich prophetisch auf ihn selbst bezieht. Denn er ist es ja nach dem Zeugnis des Johannes, „auf dem der Geist des Herrn ruht”. Er ist derjenige, der die Kranken heilt und die Zerschlagenen in Freiheit setzt. Bis dahin können sie ihm noch folgen, aber als sie sagen: „Ist das nicht der Sohn Josephs?”, lassen sie erkennen, dass sie nichts weiter von ihm erwarten als ein gutes Vortragen der Hl. Schrift. Mehr erwarten sie nicht, denn sie meinen ihn zu kennen. Übrigens ein Fehler, den auch wir manchmal machen. Wir sehen oft nur den Menschen Jesus und übersehen, dass er Gott ist, und dass deshalb alles, was er sagt, eine göttliche und damit verbindliche Dimension hat.

Um sie aus ihrer konventionellen Enge herauszuholen, benutzt er ein „Stilmittel”, das er in der Folge noch des Öfteren anwenden wird: er provoziert. „Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt” (Lk 4,24). Und um das zu belegen, spricht er von dem Propheten Elija, der in Israel kein Wunder wirkte, sondern nur bei einer Witwe in Sarepta. Und von dem Propheten Elischah, der keinen Aussätzigen in Israel heilte, sondern nur den Syrer Naaman.

Die Leute in der Synagoge geraten in Wut. Man könnte sagen, verständlicherweise, warum sagt er das auch?

Für uns in unserer heutigen Wellness-Religiosität eine gute Lehre. Wie oft gehen wir Konflikten aus dem Weg nur um des lieben Friedens willen. Eine solche Haltung wird als Irenismus bezeichnet, eine „Grundhaltung , die in geistigen Auseinandersetzungen, aber nicht in der Politik, im Übermaß das Gemeinsame herausstellt und klare Abgrenzungen vermissen lässt“ (kathpedia). Natürlich geht es um das rechte Maß. Der hl. Paulus, der uns nach Beendigung der Weltgebetsoktav für die Einheit der Christen noch lebhaft vor Augen steht (die Oktav mündet bezeichnenderweise in das Fest der Bekehrung des hl. Paulus ein), gibt da ein beredtes Beispiel. Genau wie der Herr selbst nennt er die Dinge beim Namen, ohne aber die Liebe zu verletzen.

Das wäre auch in unserer heutigen Situation die Aufgabe: die Glaubenswahrheiten deutlich zu sagen, weil wir den Andersgläubigen keinen Gefallen tun, wenn wir sie verschweigen. Dann aber so sprechen und vor allem sich so verhalten, dass der andere sich nicht gekränkt fühlen muss. Im ökumenischen Dialog, der nach wie vor sinnvoll und nötig ist, hilft es nicht, wenn man z.B. das Thema Eucharistie ausklammert oder so tut, als könnte man sich durch Kompromiss irgendwo in der Mitte treffen. Das Brot auf dem Altar ist entweder der Leib Christi oder er ist es nicht. Er kann es nicht „ein bisschen“ sein. Da bedarf es schon des sprachlich spröden Begriffs der „Transsubstantiation“, der dem „Geheimnis des Glaubens“ im Rahmen unserer begrifflichen Beschränktheit einigermaßen nahe kommt. Die Kompromiss-begriffe „Transsignifikation“ und „Transfinalisation“ helfen nicht, weil sie dem Hang des Menschen zu einer bloß subjektiven Erkenntnis zu sehr entgegenkommen. Die konsekrierte Hostie ist objektiv der Leib Christi und der konsekrierte Kelch ist objektiv das Blut Christi, selbst in dem sicher seltenen Fall, dass keiner der Anwesenden das glaubt.

Die eucharistische Rede Jesu in Kapharnaum lässt an Kompromisslosigkeit nichts zu wünschen übrig. „Wer mein Fleisch (durchaus nicht symbolisch gemeint) nicht isst, und mein Blut nicht trinkt, hat das ewige Leben nicht“ (Joh 6,54). Und als einige der Anwesenden – übrigens Jünger Jesu, keine Fremden – sagen: „Diese Rede ist hart, wie kann der uns sein Fleisch zu essen geben?“ ist Jesus zu keinem Einlenken bereit. Kein Symbol, keine Metapher, sondern objektive Wirklichkeit. Ja, er geht soweit, das Weggehen seiner Jünger in Kauf zu nehmen und sagt zu den Zwölfen: „Wollt auch ihr gehen?“ Petrus, der das Geheimnis genauso wenig versteht wie die anderen, weiß sich angesichts der göttlichen Argumentation richtig zu verhalten: „Herr, wohin sollten wir gehen, Du hast Worte ewigen Lebens“ (Joh 6,68).

Im Gespräch mit unseren evangelischen Mitchristen ist immer noch wie seit Jahrhunderten der Hauptstreitpunkt die hl. Eucharistie. Das Problem ist rein menschlich gesehen nicht zu lösen. Die katholische Auffassung ist auch die der Orthodoxen und Altorientalen. Aber es ist natürlich nicht deshalb die Wahrheit, weil die meisten Christen daran glauben. Sagen wir es vielleicht so: es ist gar nicht in erster Linie eine Frage des Verstehens, sondern des Wollens. Und da ist die Gnade Gottes erforderlich, nicht der menschliche Verstand.

Es sei mir gestattet, ganz provokant eine Möglichkeit zur Diskussion zu stellen, die der evangelische Pfarrer Andreas Theuer als Titel für sein programmatisches Buch gewählt hat:

„Warum werden wir nicht katholisch?“