Impuls zum 30. Sonntag im Jahreskreis

Bartimäus der neue Patron der theologischen Fakultäten

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Von Msgr. Dr. Peter v. Steinitz*

MÜNSTER, 26. Oktober 2012 (ZENIT.org). - Seltsames hört man von theologischen Fakultäten. Ein junger Student der Rechtswissenschaft, Ausländer, katholisch, kommt in seiner WG ab und zu ins Gespräch mit Kommilitonen der katholischen theologischen Fakultät. So geschehen an einer nordwestdeutschen Universität. Diese teilen ihm ihre neuesten aus den Vorlesungen gewonnenen Erkenntnisse mit: der hl. Petrus ist nie in Rom gewesen, die ersten Christen glaubten nicht an die Gegenwart Christi im Altarssakrament (keine Dokumente darüber), Josef ist „selbstverständlich“ der leibliche Vater Jesu und ähnliche seltsame Dinge. Der junge Ausländer kann darüber zur Tagesordnung übergehen, denn er weiß, dass die Theologiestudenten ihn nur ärgern und – wie sie selber sagen – seinen naiven Kinderglauben attackieren wollen. Ihn selbst muss es in seinem Fachstudium nicht weiter tangieren.

Was aber ist mit jungen Theologiestudenten aus Afrika, Lateinamerika oder Asien? Sie kommen oft nach Europa mit der Erwartung, katholische Theologie aus berufenem Professorenmund zu hören, zumal die deutsche Theologie einen so guten Ruf hat. Sie wundern sich anfangs, besonders wenn sie sehen, wie „man“ in diesen Kreisen den Papst nicht nur kaum beachtet, sondern sogar bei seiner Erwähnung ein ironisches Lächeln zeigt. Das weiß ja jeder: Lächerlichkeit tötet. Und später erleben sie, wie so manch „gesichertes“ Ergebnis der Exegese ihren Glauben in ernste Gefahr bringen wird. Und das ist nicht erst seit heute oder gestern so.

Ergebnis: viele Bischöfe der dritten Welt schicken ihre Theologiestudenten und Doktoranden nicht mehr an deutsche Hochschulen, weil sie fürchten, sie sonst nicht heil wieder zurück zu bekommen.

Die Professoren und Professorinnen sind natürlich keine schlechten Menschen, die Böses im Schild führen. Aber sie sind oft regelrecht blind, wenn man so will: betriebsblind.

Das heutige Sonntagsevangelium erzählt von einem Blinden, der Jesus leidenschaftlich um Hilfe bittet: Bartimäus, der blinde Bettler, der gehört hat, dass Jesus in der Nähe ist. Dieser fragt ihn, was er für ihn tun kann. „Rabbuni, ich möchte wieder sehen können!“ (Mk 10,51). Er hat, bei aller Schlichtheit des Gemüts, eines den intellektuell Blinden voraus: er weiß um seinen Mangel. Er möchte sehen.

Bartimäus ist ein einfacher Mensch, eigentlich sogar ein bisschen primitiv. Die Leute sagen, er solle nicht so herumschreien. Er aber schreit umso lauter: „Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Jesus sagt ihm am Schluss bestätigend: „Dein Glaube hat dir geholfen“. Und darum geht es, um den Glauben. Bartimäus zeigt uns: Glaube und Vertrauen sollten nicht durch allzu feines Betragen gehemmt werden. Die Umgangsformen an einem theologischen Lehrstuhl sind sicher viel besser als bei dem blinden Bettler. Aber wie oft wird gerade dort der Glaube durch enorm viele menschliche Rücksichten hintangehalten.

Gebe Gott, dass so mancher Professor, Doktorand und Student zu dieser Einfachheit zurückfindet, die ihn den so genannten theologischen Fortschritt infrage stellen lässt und ihn schließlich dazu veranlasst zu sagen: „Domine, ut videam!“

Herr, lass mich sehen!

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“. Im katholischen Fernsehsender EWTN ist er montags um 17.30 Uhr mit der wöchentlichen Sendereihe „Schöpfung und Erlösung”, die beiden großen Werke Gottes und die Mitwirkung des Menschen, zu sehen.