Impuls zum 33. Sonntag im Jahreskreis

Das Ende der Welt

| 1386 klicks

Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, 16. November 2012 (ZENIT.org). - Es geht auf das Ende zu. Im Kirchenjahr und in der Welt. Das Kirchenjahr, das ja bekanntlich alle Ereignisse des Heilsgeschehens im Rhythmus eines Jahres rekapituliert, zitiert die Endzeitreden des Herrn: „In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden“ (Mk 13,24 ff). Am Ende wird Christus wieder kommen in Herrlichkeit. Dieses zukünftige Ereignis spiegelt sich im Christkönigssonntag am nächsten Wochenende.

Wird also der Wiederkunft Christi eine Serie von Katastrophen vorangehen oder gar das Ende der Welt? Genaues hat der Herr nicht enthüllt, und er legt auch Wert auf die Feststellung, dass keiner den Tag weiß. Immer wieder hört man von mehr oder weniger erleuchteten Propheten, dass das Ende dann und dann bevorsteht. In diesem Jahr ist es der 21.12.2012, wo nach dem Kalender der Maya die Welt zuende geht. Man könnte sich über die zahlreichen bereits vorhergesagten und nicht eingetroffenen Weltuntergänge lustig machen. Das ändert aber nichts daran, dass er irgendwann einmal tatsächlich stattfindet.

Ganz sicher aber ist es passender, nicht an den Untergang zu denken, sondern an das Allgemeine Gericht, auch Jüngstes Gericht genannt, das zu einem neuen Anfang überleiten wird. „Ein neuer Himmel und eine neue Erde“ (Off. 21,1). Welch herrliche Perspektive!

Der Gedanke an ein Universalgericht ist, wenn man so will, einer der Archetypen des menschlichen Denkens. So wie jeder Mensch tief in seinem Innern eine Vorstellung vom Paradies hat, so auch vom Jüngsten Gericht, dass nämlich irgendwann einmal durch einen wirklich dazu Berufenen abgerechnet werden muss, und zwar nicht nur die Taten der anderen, sondern auch die eigenen.

Spätestens hier zeigt sich der Segen, der in dem Wort von der Gotteskindschaft liegt. Wenn ich mich wirklich davon durchdringen lasse, dass ich ein Kind Gottes bin – ich bin es geworden durch die Taufe, aber ich muss es mir auch immer wieder bewusst machen –, dann hat das Jüngste Gericht seinen Schrecken verloren. Zwar werde ich damit rechnen müssen, dass auch meine Schulden und Fehler zur Sprache kommen, aber ich bin mir ganz sicher, dass der gerechte Richter ein barmherziger Richter ist.

Der sel. Johannes Paul II. hat die Barmherzigkeit Gottes außerordentlich stark betont, sogar ein neues Fest eingerichtet, den Barmherzigkeitssonntag, eine Woche nach Ostern. Natürlich sollen wir nicht den falschen Schluss ziehen, es käme wohl nicht mehr darauf an, was man tut. Gott wird schon verzeihen. Die Gefahr der Heilsvermessenheit hat der Herr sicherlich vor Augen gehabt. Aber sie hat ihn nicht davon abgehalten, uns so grenzenlos barmherzig entgegen zu kommen.

Wenn wir an den Weltenrichter denken, mag uns das berühmte Kirchenlied von Paul Gerhardt (1607-1676) in den Sinn kommen: "Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut das große Weltgerichte, wie bist du so bespeit, wie bist du so erbleichet, wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht mehr gleichet, so schändlich zugericht?"

Christus, der Richter, hat in seinem irdischen Leben unsagbares Leid und einen schimpflichen Tod erfahren. Gerade daran aber erkennen wir die unendliche Liebe Gottes, dass er selber es ist, der alles Leid und alle Schuld der Menschen auf sich nimmt, damit wir im Gericht bestehen können.

Wir sollen also verständig genug ein, auf seine barmherzige Liebe zu vertrauen, aber gleichzeitig anständig genug, sie nicht zu missbrauchen.

Die Heiligen beten: „Jesu, Jesu, esto mihi semper Jesus!“

Wenn wir im Leben uns um ein freundschaftliches Verhältnis zu Jesus bemühen, dann wird er auch uns nicht Richter, sondern einfach Jesus sein.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“.