Impuls zum 5. Fastensonntag 2013

Franziskus einst und jetzt

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 1110 klicks

Im Evangelium des 5. Fastensonntags begegnet uns die feinfühlige Liebe Jesu zu allen Menschen, auch und besonders zu den Sündern. Er will nicht, dass die im Ehebruch ertappte Frau von diesen Heuchlern, den Pharisäern, die selber viel mehr Dreck am Stecken haben, gesteinigt wird.

Dabei ist interessant, was er macht und was er nicht macht. Die Pharisäer hatten sich schon gefreut, weil sie dachten: In seiner Gutmütigkeit wird er ihre Sünde als gering hinstellen, damit sie ungeschoren davon kommt. Aber wenn er das wirklich tut, haben wir ihn gepackt, denn er hätte dann dem göttlichen Gesetz widersprochen.

Wie so oft sind sie aber seiner Klugheit nicht gewachsen. Wie er vorgeht (“Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein”), ist göttlich genial. Er will erreichen und erreicht es auch, dass die Frau nicht öffentlich abgestraft wird, und dass dennoch das Verbot des Ehebruchs nicht angetastet wird.

Und noch ein Drittes will er erreichen: Auch die übelmeinenden Pharisäer werden nicht öffentlich blamiert. Jesus bückt sich und schreibt mit dem Finger irgendetwas in den Sand, was den Effekt hat, dass die Pharisäer sich still zurückziehen können, ohne dass sie dem Blick des Herrn ausgesetzt sind.

Zu allen Zeiten sind die Menschen schwach und bedürfen der Güte – nicht Gutmütigkeit – Gottes.

Noch ganz erfüllt von der Freude über den soeben gewählten Papst, schwant uns schon, dass ihm Ähnliches widerfahren könnte wie damals dem Herrn (was ohnehin im Guten wie im Schlechten zu erwarten ist). Bisher waren die Medien in der Berichterstattung über die Papstwahl – das muss man ihnen lassen – im großen und ganzen freundlich. Aber der künftig zu erwartende Sprengstoff liegt schon bereit: Papst Franziskus hat in Fragen der Moral “konservative Ansichten”.

Aber lassen wir uns dennoch die Freude nicht verderben!

Und vielleicht lassen sich auch die Medien tatsächlich von der Bescheidenheit und der Demut des Papstes Franziskus beeindrucken. Wenn der Hl. Vater sich den Heiligen von Assisi zum Vorbild nimmt, wird das sicher auch seine Auffassung vom Dialog prägen, ob das nun das Gespräch mit den Bischöfen, mit Andersgläubigen oder auch den Medien ist.

Bevor Franziskus zum Sultan ging – so heißt es in einer Lebensbeschreibung des heiligen Franz von Assisi –, betete er um Kraft und Vertrauen. Die Begegnung endete tatsächlich auf überraschende Weise, denn der Sultan bat Franziskus: „Bete für mich, dass Gott mir das Gesetz und den Glauben, der ihm mehr gefällt, offenbaren möge“ (J. von Vitry). Das Herz des Franziskus muss bei dieser Bitte mit Freude erfüllt gewesen sein. Sie erinnerte ihn gewiss an die eigene Gotteserfahrung bei seiner ersten Bekehrung, als auch er „Gott bat, ihm seinen Weg zu zeigen und ihn zu lehren, seinen Willen zu tun.“

Man mag einwenden, dass Franz von Assisi damals nicht viel erreicht hat. Weder hat er selbst das erwünschte Martyrium erlebt, noch hat der Sultan sich zu Christus bekehrt. Und doch hat er in der Kraft und Demut seines göttlichen Meisters inmitten der Schrecknisse der Kreuzzüge den Frieden Christi verbreitet.

In den geistigen Auseinandersetzungen der heutigen Zeit gibt uns der Heilige Geist durch diesen Papst vielleicht eine neue Hilfestellung in dieser Richtung. Die Irrtümer und Verunglimpfungen nicht frontal bekämpfen (denn keiner Partei fehlt es an schlagenden Argumenten), sondern im Geist des hl. Franziskus sie in Liebe auflösen. Liebe öffnet die Herzen, jene absichtslose und souveräne Freundlichkeit, wie sie den Heiligen Eigen ist.

Papst Franziskus wird am kommenden Dienstag, am Hochfest des hl. Josef in sein Amt eingeführt. Sein erstes öffentliches Auftreten nach seiner Wahl war ein Besuch bei der Muttergottes in S. Maria Maggiore, der er sein Pontifikat anvertraute.

Auch das eine Botschaft: Jesus, Maria, Josef und die Heiligen – das sind die Kraftquellen, aus denen die Kirche auch heute leben kann.

Beten wir also mit dem hl. Franziskus:

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,

dass ich Liebe übe, wo man hasst;

dass ich verzeihe, wo man beleidigt;

dass ich verbinde, wo Streit ist;

dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht;

dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt;

dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;

dass ich Licht entzünde, wo die Finsternis regiert;

dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten: nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;

nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;

nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer da hingibt, der empfängt;

wer sich selbst vergisst, der findet;

wer verzeiht, dem wird verziehen,

und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. Amen.