Impuls zum ersten Fastensonntag

Gescheitert?

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 1741 klicks

Wenige Tage nach Aschermittwoch wird uns am 1. Fastensonntag vor Augen geführt, wie Jesus in der Wüste vom Teufel versucht wird. Es ist erschütternd zu sehen, wie Jesus, der Sohn Gottes, sich fast in die Hand des Satans begibt. Der „Mörder von Anbeginn“ könnte ihn umbringen. Warum lässt Gott das zu?

In diesen Tagen erleben wir, wie Gott in seiner Kirche, dem fortlebenden Christus, ganz gewaltige Versuchungen zulässt. Der Stellvertreter Christi wird seit vielen Jahren bedrängt. Er soll aufgeben, er soll sich zurückziehen. Sein Reden und sein Handeln sind unerwünscht. So wie Jesus in seinem öffentlichen Leben ständig von Pharisäern und Schriftgelehrten begleitet war, die ihn genau beobachteten, um ihn in einem Wort oder in einer Handlung zu überführen, so erlebte Papst Benedikt die ständige Kontrolle und Maßregelung durch die Medien.

Papst Benedikt XVI. hat fast acht Jahre lang die Kirche geleitet und sich mit heroischem Einsatz bemüht, das gesegnete Pontifikat Johannes Pauls II. weiterzuführen. Aber von Anbeginn an wurde er trotz der anfänglichen Begeisterung vieler vom Hass einiger begleitet. Schon wenige Tage nach seiner Wahl hieß es in einer Veröffentlichung der reformierten Kirche in Lausanne: „Das Beste an diesem Papst ist sein Alter.“

Und so ging es in den verschiedensten Varianten während seines ganzen Pontifikats. Er wurde auf eine ganz unverhältnismäßige Weise für alles und jedes getadelt („er hat eigentlich alles falsch gemacht“), ja sogar eine Regierungschefin meinte ihn rüffeln zu müssen für ein Versäumnis, das in Wirklichkeit keines war. Er wurde auf das primitivste verhöhnt und sein weißes Gewand mit Fäkalien beworfen. Die unsäglichen Missbrauchsfälle verirrter Priester wurden ihm zur Last gelegt („er hat sich viel zu spät entschuldigt“). Immer wieder musste er den Kopf hinhalten für Vergehen, die er nicht begangen hatte. Die unglaubliche Holocaust-Leugnung eines törichten Bischofs war plötzlich seine Schuld. Selbst die Falschaussage eines byzantinischen Kaisers vor Jahrhunderten war sein Fehler.

Viele seiner großartigen Anstöße hat man ihm systematisch vermasselt. Die „Reform der Reform” der Liturgie wäre längst unter Dach und Fach. Die Pius-Bruderschaft wäre auch in den Schoß der Kirche zurückgekehrt. Dass das nicht geschah, lag nicht nur an ihr. Dass der Papst ein fühlendes Herz hatte, das über den Vertrauensbruch eines ihm im eigenen Haus verbundenen Mitarbeiters betroffen war, wurde mehr oder weniger ins Lächerliche gezogen.

Man muss den Vertretern aus Politik und den Medien, und leider auch vielen Verantwortlichen innerhalb der Kirche sagen: „Ihr wolltet ihn zur Strecke bringen, und ihr habt es geschafft!“

Die wohlgesetzten Reden, die jetzt “mit tiefem Respekt” die Entscheidung des Papstes kommentieren, sind oft nichts als Heuchelei. Einige sprechen es sogar aus: „Es ist gut, dass er weg ist!“

Hat also der Papst kapituliert? Steht er nicht da wie ein Gescheiterter? Und da wird plötzlich die Analogie sichtbar. Nachdem Christus die drei Versuchungen bestanden hat, kommt der Teufel später noch einmal auf ihn zu. Im Garten Gethsemani, wo er ihn mit der Versuchung konfrontiert, das schmerzliche Werk der Erlösung sein zu lassen.

Da beginnt das Drama, das sich später im Leben vieler, die Christus nahe stehen, wiederholt. Jesus Christus, der Sohn Gottes, wird gefangen genommen, gegeißelt, öffentlich verhöhnt, geohrfeigt. Wie er da mit seinem zerrissenen und beschmutzten Gewand vor Pilatus steht, macht er eine lächerliche Figur. Jesus aber sagt: „Ich bin dazu in die Welt gekommen, um von der Wahrheit Zeugnis abzulegen“ (Joh 18,37). Der weltkluge, aber glaubenslose Pilatus bezweifelt, dass es eine absolute Wahrheit gibt. Benedikt kämpft im Namen seines Herrn gegen die Diktatur des Relativismus. Im deutschen Bundestag sagt er, die Gesetzgebung der Menschen muss sich an einer objektiven Wahrheit orientieren. Aus den Jahren des öffentlichen Lebens Jesu viele weitere Parallelen.

Jesus sagt zu der reuigen Ehebrecherin: „Deine Sünden sind dir vergeben, gehe hin und sündige nicht mehr!“ Von Benedikt hat man immer wieder verlangt, er solle sagen: „Gehe hin, das alles ist doch keine Sünde!“ Wenn man dem Papst die Vergehen anderer aufgeladen hat, so ist er da in guter Gesellschaft.

„Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, / jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn / die Schuld von uns allen“ (Jes 53,6).

Weitere Parallelen?

Während die Schriftgelehrten und Pharisäer (die veröffentlichte Meinung) gegen ihn agitieren und die weltliche Macht, Herodes und die Römer (politische Parteien) ihn verurteilen, ist das Volk von ihm begeistert. So war es auch bis zum Schluss bei Papst Benedikt. Denken wir an den Jubel der Massen bei seinen Auslandsreisen (wurde bei den Medien regelmäßig kleingeredet), an die Begeisterung der Jugendlichen auf den Weltjugendtagen, und auch noch bei seinem Abschied am Aschermittwoch.

Scheinbar steht Christus vor den Menschen da als ein grandios Gescheiterter. Aber das ist, wie sich herausstellt, nur eine Momentaufnahme. Am dritten Tag ist er von seinem schimpflichen Tod auferstanden zu einem unvergänglichen Leben. Benedikt, sein Stellvertreter, auch er ist nur scheinbar gescheitert.

Ganz sicher wird vieles von dem, was zunächst nicht gelungen ist, schließlich doch noch Früchte tragen. Genau wie bei dem sel. Johannes Paul II. war Maria der Stern seines Pontifikats. Sicher wird sie dafür sorgen, dass das bleibt, was bleiben soll. Er ist ja nicht gestorben. Man wird noch von ihm hören.