Impuls zum Fest Taufe des Herrn

Demut

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 1287 klicks

Die Epiphanie, die Erscheinung des Herrn, zeigt sich – wir sahen es am vergangenen Sonntag – in drei markanten Ereignissen im Leben Jesu. Er „erscheint“ bei seiner Geburt vor den Einfachen und vor den Gebildeten in Bethlehem, nämlich den Hirten und den drei Weisen. Dreißig Jahre später erfolgt sein Erscheinen vor der Öffentlichkeit. Bis dahin hatte er nur im Verborgenen in Nazareth gelebt. Nun beginnt seine „Öffentlichkeitsarbeit“. Die Taufe des Herrn, die hier liturgisch gemeint ist, gehört zum dreifachen Festgeheimnis der Epiphanie, hat dann aber, aufgrund ihrer Bedeutung für den Christen, zusätzlich ein eigenes Fest bekommen, das wir einen Sonntag nach Epiphanie feiern. Merkwürdigerweise hat es bei dem dritten Epiphaniegedanken, der Hochzeit zu Kana, nicht zu einem zusätzlichen eigenen Feiertag gereicht. Mit dem heutigen Fest machen wir einen großen Zeitsprung in das Erwachsenenleben des Herrn. Zwar nennt das Evangelium nie das genaue Lebensalter Jesu, wie es auch nicht festlegt, ob das öffentliche Wirken Jesu drei oder vier Jahre gedauert hat. Dennoch ist das allgemein angenommene Lebensalter Jesu von dreiunddreißig Jahren in der Tradition fest verankert.

Wenn uns beim Betrachten des ersten Festgeheimnisses aufgefallen ist, wie die „Empfänger“ der Erscheinung, die Hirten und die Weisen, sich so auffallend schlicht und demütig verhalten haben, so ist es jetzt der Erscheinende selbst, der ein besonderes Beispiel der Demut gibt. Jesus, der ganz Sündenlose, ist natürlich derjenige, der die Bußtaufe des Johannes absolut nicht nötig hat. Johannes wird sich dessen bewusst, als er sagt: „Es müsste umgekehrt sein, ich sollte von dir getauft werden“. Ähnlich wie, Jahre zuvor, Jesus und Maria bei der Darstellung des Kindes im Tempel, ebenfalls alle Vorschriften des Gesetzes gehorsam erfüllt haben, obwohl sie für sie eigentlich nicht galten (denn wieso sollte Maria, die  ganz Reine, sich einer „Reinigung“ unterziehen, und wie sollte der wesensgleiche Sohn vom Himmlischen Vater „losgekauft“ werden?).

Jesus und die Seinen legen eben keinen Wert auf eine Sonderbehandlung aufgrund ihrer besonderen Bedeutung. Und wie elegant geht Jesus mit den Erfordernissen der Demut um! Als es darum geht, die Tempelsteuer zu bezahlen und sie kein Geld haben, sagt er zu Petrus: „Steuer zahlen eigentlich nur die Fremden, die Kinder sind im Haus ihres Vaters frei und davon ausgenommen“. Dann aber lässt er Petrus die Doppeldrachme doch bezahlen, aber er zeigt, dass er ganz souverän damit umgehen kann, indem er Petrus bittet, im See Genesareth einen Fisch zu fangen, der in seinem Maul „zufällig“ die geforderte Doppeldrachme trägt. Sicher auch ein hübsches Beispiel für den Humor Jesu (vgl. Matth. 17,27).

Nun aber, am Jordan, sagt er zu Johannes: „Lass es ruhig geschehen!“ Nicht nur, weil die Dinge nach dem Willen der Vorsehung ihren Lauf gehen sollen, sondern weil die Leute ja darauf achten, wie Jesus sich verhält.

Dass auch wir die Tugend der Demut leben sollen, ist uns wohl klar. Aber oft genug steht uns ein falscher Begriff von Demut im Weg. Viele denken, Demut würde das Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Oder man verwechselt eine demütige Haltung mit einer servilen Neigung des Kopfes. Eine solche falsche Demut ist oft nur ein Vorwand, um Verantwortung zu vermeiden.

Die hl. Theredsia von Avila sagt: „Demut ist die Wahrheit“. Wenn wir uns erkennen, wie wir wirklich sind, nicht wie wir gerne sein möchten, dann muss eigentlich bei jedem von uns die Erkenntnis dämmern: Worauf sollte ich stolz sein; auf meine Fehler sicher nicht, aber auf das, was ich  gut mache auch nicht, denn alles Gute habe ich doch von Gott bekommen. Ja, mich selber habe ich von Gott bekommen.

Das Gegenstück zu dieser Tugend, der Stolz, muss auch von uns wahrgenommen werden: unsere Neigung, dass wir vor den Leuten gut da stehen wollen, ist in der Regel vom Stolz diktiert. Oft geht es nach dem Motto: mehr scheinen als sein. Vor Gott aber – und nur der ist wichtig – müssen wir keine gute Figur machen. Er kennt uns wie wir sind. Aber dann geschieht das Merkwürdige: Gott liebt uns ja nicht weniger, wenn wir nicht perfekt sind. Im Gegenteil. Also mehr Gelassenheit!

Sicherlich ist die Demut nicht die wichtigste Tugend. Das ist die Liebe. Aber die Demut ist sozusagen die Tugend „sine qua non”: Ohne Demut sind die anderen Tugenden nicht wirkliche Tugenden. So ist der Starkmut ohne die Demut nur Angeberei. Die Hilfsbereitschaft nur der Wunsch, anderen zu zeigen, was man kann. Die Dienstbereitschaft nur ein Mittel, um die eigene Unentbehrlichkeit zu demonstrieren. Ja, sogar die Nächstenliebe wäre ohne die Demut nur Philanthropie oder aber das mehr oder weniger unabsichtliche Bestreben, den anderen zu beherrschen.

Von der Gottesmutter lernen wir, dass die Demut den Menschen nicht erniedrigt, sondern ihn im Gegenteil erhöht. Und die Demut zieht Gott an: „Er hat herabgesehen auf die Demut seiner Magd” (Magnifikat).

Wer in diesem Leben gelernt hat, wirklich demütig zu sein, wird im anderen Leben herrschen. Maria ist hier Magd, dort ist sie Königin.