Impuls zum Fest Unserer Lieben Frau in Lourdes

Brigitte oder die Tugend der Reinheit

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 1093 klicks

Ausgerechnet auf den Rosenmontag fällt in diesem Jahr das liebenswerte Fest Unserer Lieben Frau in Lourdes. Kein unpassendes Zusammentreffen, denn Lourdes und die Erscheinung der Unbefleckten Jungfrau hat wahrhaftig mit Freude zu tun.

Und es hat zu tun mit der Tugend der heiligen Reinheit. Auf die Frage des Mädchens Bernadette Soubirous, wer sie sei, sagte die „schöne Dame” am letzten Tag ihres Erscheinens mit großer Feierlichkeit in der Stimme und in der Haltung: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis”. Die Tugend der Reinheit steht nicht unbedingt heute überall hoch im Kurs. Die gegenteilige Haltung umso mehr. Aber es lohnt nicht, über die Unreinheit zu klagen. Besser ist es, die heilige Reinheit zu preisen, denn sie ist der menschlichen Natur nicht nur nicht abträglich, sondern im Gegenteil, sie veredelt sie. In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sah die Gemütslage der Deutschen in vielen Dingen noch anders aus als heute. Aber was mit der 11-jährigen Brigitte Irrgang geschah, muss damals wie heute die Menschen erschüttern.

Brigitte war mit ihrer Familie nach dem Krieg aus Krickerhau, einer Stadt der Karpatendeutschen in der heutigen Slowakei, nach Loitze in der damaligen DDR gezogen. Im Herbst 1954 bereitete sie sich mit anderen Jugendlichen auf die Firmung vor. Als Firmheilige hatte sie sich Maria Goretti ausgesucht. Am 29. September kam das Kind aus der Stadt, wo sie einige Einkäufe für den Haushalt gemacht hatte. Zum Abendbrot hätte sie längst zuhause sein sollen. Beunruhigt suchen die Brüder nach ihr. Und voller Entsetzen findet einer von ihnen nacheinander Einkaufstasche, Schuhe, Söckchen, Kleidung des Mädchens. Voller Grauen sieht der Bruder seine Schwester tot unter einem Strauch liegen, ihre linke Schläfe blutig und am Hals Würgemale. Da „kommt der Vater hinzu (so der Bericht im Martyriologium von Helmut Moll), nimmt das Mädchen auf seine Arme und trägt es ins Haus. Noch wähnt er, eine nur Bewusstlose zu tragen, bis ihm dann beim Ersteigen der Treppe die schreckliche Gewissheit wird: Du trägst eine Tote”.

Der Täter wird schnell ergriffen, er leugnet, muss aber angesichts der Beweise seine Tat zugeben. Er hatte dem Kind aufgelauert, ins Gebüsch gezerrt und sich an ihm vergangen und es brutal umgebracht. Ein blühendes junges Leben einfach ausgelöscht. Das Foto zeigt ein frisches liebenswürdiges Mädchengesicht mit langen blonden Zöpfen. Heute, am 10. Februar, wäre sie siebzig Jahre alt geworden. Eine schreckliche Geschichte, vor allem für die Familie.

„Die Zeit heilt alle Wunden”, sagt der Volksmund. Aber rein menschlich gesehen, heilen manche Wunden nie. Und doch ist für den, der glaubt, in einem höheren Sinne „Heilung” gegeben. Gott selber ist es, der die Wunden heilt. Und die Gnade Gottes tut immer noch ein Übriges. Was sonst eher selten ist, hier kann man es sicher annehmen: Brigitte ist sogleich in die Herrlichkeit des Himmels eingegangen. So sagt es die Kirche von den Märtyrern.

Ist sie aber wirklich eine Märtyrerin? Eigentlich hat sie doch ihr Leben nicht bewusst für den Glauben an Christus hingegeben. Gewiss, aber die Kirche spricht nicht nur vom „martyrium fidei”, als Martyrium um des Glaubens willen, sondern auch vom „martyrium puritatis”, dem Martyrium der Reinheit. Eine sehr große Bedeutung hat diese Tugend. Weiß das heute noch jeder? Oft wissen es die Nicht-Christen besser als die Christen.

Maria, die ganz reine, unbefleckte Jungfrau, hat in Lourdes um Gebet für die Bekehrung der Sünder gefragt und zugleich Heilung an Leib und Seele versprochen. Ohne weitere Worte über die Exaltation der Unkeuschheit in unserer Zeit zu verlieren, sollten wir auf sie und die vielen Blutzeugen der alten und der neuen Zeit schauen, die uns zurufen: die Tugend der heiligen Reinheit, es gibt sie. Sie macht den Menschen tatsächlich froh. Unzählige junge Menschen gibt es auch heute, die sich um diese Tugend bemühen, die sich aber oft nicht trauen, davon zu sprechen.

Zwei der Brüder Brigittes sind später Priester geworden.

Maria, virgo purissima, ora pro nobis!