Impuls zum Hochfest Erscheinung des Herrn

Seine Wonne ist es, unter den Menschen zu sein

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 1537 klicks

In den Anfängen der Christenheit gab es zunächst das uns so teure Weihnachtsfest nicht. Aber man feierte die Epiphanie, die Erscheinung des Herrn.

Die ersten Christen empfanden es – gerade auch in ihrer heidnischen Umwelt – als etwas Ungeheuerliches, dass der Allmächtige Gott ein Mensch geworden und als Mensch unter den Menschen erschienen ist. Ähnliches kannten die Heiden auch, aber eben ganz anders. Wenn ein Gott unter den Menschen erschien, dann immer in seiner übermenschlichen Macht und Majestät. Meistens, um die Verwirrung, die die Menschen unter sich gestiftet hatten, wieder zu lösen, als der „Deus ex Machina“. Wobei der Gedanke richtig ist, dass wir Menschen gerne die Dinge durcheinander bringen, und dass ein Höherer kommen muss, der das Unlösbare löst. Übrigens ein schönes Beispiel dafür, dass die Heiden die Wahrheit teilweise erkannten, aber eben nicht die volle Wahrheit hatten, die nur Christus gibt.

Sie konnten nicht darauf kommen – und auch wir würden nicht darauf kommen, wenn es uns nicht offenbart worden wäre – dass Gott leibhaftig unter den Menschen leben wollte, und das viele Jahre lang. Und darüber hinaus, dass der Allmächtige sich tief demütigt und in Einfachheit und Armut unter den Menschen wandelt.

Die Demut Gottes ist für uns Menschen tatsächlich eine Zumutung. Sie scheint die Ordnung zu stören, die Ordnung, die darin besteht, dass der Große oben und der Geringe unten steht. Die ersten Christen haben auch, als sie dieses Geschehen in liturgischen Festen zum Ausdruck bringen wollten, in erster Linie das „Was“, und nicht so sehr das „Wie“ betont.

Das Fest Epiphanie, Erscheinung des Herrn, umfasst drei markante Ereignisse des Auftretens Jesu vor den Menschen: die Erscheinung vor den israelitischen Hirten und kurz darauf auch vor den Heiden, repräsentiert durch die Drei Weisen aus dem Morgenland. Dann – Jahre später – zum ersten Mal das öffentliche Auftreten des Herrn bei seiner Taufe im Jordan und schließlich das Ereignis, bei dem der Herr zum ersten Mal seine göttliche Macht durch ein Wunder zeigt, die Hochzeit zu Kana. Drei Begebenheiten, die alle das „Erste Mal“ betonen, ohne Näheres über das „Wie“ auszusagen. Vielleicht bedurfte es einiger Jahrhunderte christlicher Frömmigkeit und Innerlichkeit, um das im eigenen Herzen wahrzunehmen, wie sehr der Herr sich immerzu „unter Wert verkauft“. Auch uns tut es gut, wenigstens ab und zu zu betrachten, was die Menschwerdung für Ihn bedeutet. Was sie für uns bedeutet, ist uns klar: sie ist unsere Erlösung und unser Zugang zur ewigen Herrlichkeit. Was sie aber für Christus bedeutet, führen wir uns selten vor Augen. Zwar lässt der Heilige Geist in der Schrift sagen: „Meine Wonne ist es, unter den Menschenkindern zu sein“ (Spr. 8,31). Aber zunächst ist es keine Wonne, in einer harten, mit etwas Stroh ausstaffierten Futterkrippe in einem übel riechenden Stall hilflos da zu liegen. Sich am Jordan unter eine reuige Menge von Übeltätern und Ehebrechern zu mischen, und bei einer lärmenden Bauernhochzeit durch ein Wunder einen Mangel zu beheben, der auch „nicht die Welt ist“. Musste man denn unbedingt den Alkoholkonsum der Menschen auch noch fördern?

In der Tat, wenn wir diese Ereignisse nur mit unserem nüchternen, an Effizienz ausgerichteten Verstand betrachten, können wir ihnen nicht gerecht werden. Das eben zitierte Wort aus dem Buch der Sprüche aber ist der Schlüssel. Der Gottessohn ist gerne bei den Menschen, nicht weil wir so großartig sind, sondern weil er ganz einfach nur liebt, selbstlos liebt. Papst Benedikt hat einmal gesagt: „Gott liebt uns nicht, weil wir gut sind, sondern weil er gut ist“.

„Gott ist die Liebe“ – das ist nicht nur ein schönes Wort, es ist vielmehr der Schlüssel zum Verständnis dessen, was Gott mit den Menschen macht. Dass er permanent von uns enttäuscht wird, hindert ihn nicht daran, uns immer wieder aufzusuchen und uns eine Rettung anzubieten, die wir oft gar nicht zu würdigen wissen. Nur einmal hat Gott gezeigt, dass er auch anders könnte. Als sein Knecht Mose von der Halsstarrigkeit des Gottesvolkes enttäuscht ist, bietet Gott ihm an, dieses Volk zu vernichten und ihm ein neues zu erschaffen. Aber da erhebt sich dieser große Prophet zu einer moralischen Größe, die ihn geradezu gottähnlich macht: er tritt für das sündige Volk ein und bittet um Schonung.

Im Stall von Bethlehem empfinden Maria und Josef diese Wendung der Dinge durch Gottes Liebe: all die Mühsal und der Ärger über die Hartherzigkeit der Menschen in Bethlehem ist in dem Augenblick verflogen und vergessen, als das unendlich liebenswerte Kind vor ihnen auf dem Boden des Stalls liegt und den unsäglichen Raum in einen Himmel verwandelt. Ist es angemessen, wenn wir sagen, dass Christus selber sich in diesem Augenblick auch gefreut hat? Gewiss, sich an Maria und Josef, diesen vollkommenen Menschen, zu erfreuen, ist nicht schwer. Aber später, mit Zöllnern und Sündern noch diese Wonne zu empfinden, das ist wahrhaft göttlich.

Und so geht der Mensch gewordene Gott über drei Jahrzehnte lang durch die Unzulänglichkeit der Menschen hindurch und heilt sie. Der Preis, den er selber dafür bezahlt, ist unvorstellbar groß, wenngleich er nicht darauf besteht, dass wir das sehen.

Es genügt ihm, dass wir seine Geschenke annehmen und uns retten lassen.