Impuls zum zweiten Fastensonntag

Cathedra Petri verwaist

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 1275 klicks

Im Evangelium des 2. Fastensonntags wird die Verklärung Christi auf dem Berg geschildert. Der Himmlische Vater weist auf Jesus hin: „Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!“ Das gilt heute wie schon immer auch für die Kirche, denn nach der Himmelfahrt des Herrn ist sie ja der fortlebende Christus auf Erden. In besonderer Weise gilt es für den Stellvertreter Christi, den Nachfolger des hl. Petrus. Aber hören die Menschen auf ihn?

Der Bischofsstuhl des hl. Petrus, dessen die Christenheit seit den ersten Zeiten an diesem Festtag (Cathedra Petri) besonders gedenkt, wird in weniger als einer Woche leer stehen. Viele werden sagen: Kein Grund zur Aufregung, auch Päpste kommen und gehen. Oder salopper: Nach dem Papst ist vor dem Papst. Aber irgendwie hat man das Gefühl (während der Verstand dazu nichts sagen kann), dass es nicht so ist wie sonst.

Ein frommer Mensch sagte neulich: Es ist fast so, als habe nicht der Papst sich zurückgezogen, sondern der, den er vertritt. So als wolle dieser uns sagen: Ich habe euch über hundert Jahre lang hervorragende Päpste geschickt. Aber ihr habt nicht auf sie gehört. Ihr habt ihnen zugejubelt, aber immer wenn es darauf ankam, seid ihr ihnen nicht gefolgt.

Wir Menschen sehen die Dinge immer nur von unserer Warte aus: Was bedeutet der Papst für uns? Wie sehen ihn die Menschen? Aber wir sollten uns doch wenigstens gelegentlich fragen: wie sieht eigentlich der Herr die Dinge? Nicht vergessen: Christus ist Gott, aber er hat auch ein menschliches Herz. „Wer euch hört, der hört mich, wer euch verachtet der verachtet mich“ (Lk 10.16). Wobei Spott und Hohn, den man reichlich über Papst Benedikt und seine Vorgänger ausgegossen hat, noch nicht einmal das Schlimmste ist. Schlimm ist, dass viele, auch führende Persönlichkeiten, die Glaubens- und Sittenlehre Christi aufgeben, mindestens verwässern wollen, eigentlich nur, um dem Zeitgeist hinter her zu laufen. Denn es ist natürlich unangenehm, wenn man als Katholik als Ewig-Gestriger verspottet wird. Lächerlichkeit tötet. Verwundert schauen die Nicht-Christen auf diese Kirchenvertreter, die in Sachen Moral, speziell Sexualmoral, im scharfen Gegensatz zum Papst, eine Bastion nach der anderen schleifen lassen.

Das einzige bedeutende Bollwerk gegen die globale Dekadenz ist heute das Papsttum. Christus hat dem Petrus – und natürlich seinen Nachfolgern auf dem römischen Bischofsstuhl – das Charisma verliehen, in Dingen des Glaubens nicht zu irren. Von den frühen Anfängen der Kirche an, auch zu Zeiten, als der Papst noch keine herausragende Rolle spielte, war es den Christen immer klar, dass der Bischof von Rom in Dingen des Glaubens und der Sitte das letzte Worte hat. Die Dokumente eines Konzils hatten nur Gültigkeit, wenn die beiden Legaten des Bischofs von Rom sie unterschrieben hatten.

Seltsam, dass der Zeitgeist die Dinge so ganz anders sieht. Ein katholischer Journalist, der es immer ganz genau weiß, schreibt in einem Leitartikel: „Nichts zeigt deutlicher als die Karriere der ‚Pille danach‘ (die Anti-Baby-Pille ist ja sowieso schon lange o.k.), was die Gesellschaft von der Morallehre der Kirche erwartet: nichts.“ Natürlich als krönender Abschluss eines Artikels ein wirksamer Gag.

Was die neu aufgeflammte Diskussion um die sogenannte Pille angeht, sollte man in Gedanken fünfundvierzig Jahre Revue passieren lassen. Wenn man unvoreingenommen die inzwischen gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse der Mediziner und Psychologen wertet, müsste man sagen: „Was soll man von einer Gesellschaft erwarten, die die Enzyklika ‚Humanae vitae‘ abgelehnt hat: nichts“.

Damals begann der Abstieg. Und wir steigen weiter – abwärts. Die Kirche ist heute wie damals total überfordert, wenn sie die Erwartungen der Gesellschaft erfüllen soll. Was ist das überhaupt für ein Kirchenbild? Soll es in Zukunft so gehen, dass die Kirche gutheißt, was die Leute sowieso tun? Machen wir uns doch nichts vor: wenn die Kirche mit alle dem einverstanden wäre, was man ihr an sog. Reformen abverlangt (die ja keine Reformen sind, sondern Veränderungen), würde man ihr applaudieren. Aber dann, nur kurze Zeit später, würde man sie verächtlich links liegen lassen.

Gottes Geduld mit uns Menschen ist groß, aber nicht unbegrenzt. Wir kennen Beispiele aus dem Alten Testament. Wenn das Volk Gottes in die Gefangenschaft nach Babylon geführt wurde, dann deswegen, weil es sich lange gegenüber dem Willen Gottes störrisch verhalten hat. In der saturierten jüdischen Gesellschaft zur Zeit des Propheten Jeremia gab es hunderte von Propheten und Priestern, die das unmoralische Verhalten der Gesellschaft mit klugen theologischen Begründungen guthießen. Nur einer war immer wieder anderer Meinung und forderte Buße und Umkehr: der einzig echte Prophet, Jeremia. Er aber wurde verhöhnt, geprügelt und in eine Kloake gesteckt. Immer wieder hat er zur Umkehr aufgerufen mit Hinweis auf die Gefahr aus Babylon.

Einer gegen mehrere Hundert. Aber er war in der Wahrheit.

Wehe, wenn es uns einfällt, die Wahrheiten des Glaubens per Mehrheitsbeschluss zu ermitteln. Seien wir dankbar für das Petrusamt und sein Charisma der Wahrheit. Gebe Gott, dass es uns, auf die Fürsprache der Mutter der Kirche, unbeeinträchtig erhalten bleibt.