In Bari wird Benedikt XVI. dem Ruf der Märtyrer von Abitene seine Stimme leihen

"Ohne Sonntag können wir nicht leben!"

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ROM/BARI, 11. Mai 2005 (ZENIT.org).- Bei seinem ersten offiziellen Besuch außerhalb von Rom wird Papst Benedikt XVI. am 29. Mai in Bari den Ruf der Märtyrer von Abitene, "Ohne Sonntag können wir nicht leben", neu erschallen lassen.



Dieser Ruf ist das Motto des nationalen Eucharistischen Kongresses, der von 21. bis 29. Mai zum insgesamt 24. Mal in Italien abgehalten wird. Den festlichen Abschlussgottesdienst wird der Heilige Vater in der Kathedrale der italienischen Stadt Bari selbst feiern.

Die Märtyrer, die die Veranstaltung inspirieren, lebten in Abitene, einer Stadt in der damaligen römischen Provinz "Africa Proconsularis", dem heutigen Tunis. Sie fielen der Verfolgung des römischen Kaisers Diokletian zum Opfer und erlitten im Jahr 303 den Märtyrertod.

Der Kaiser hatte angeordnet, alle Kirchen niederzureißen und alle heiligen Texte ausfindig zu machen, damit sie verbrannt würden. Alle religiösen Feiern und Treffen hatte er strengstens verboten. Eine Schar von 49 Christen aus Abitene – unter ihnen befanden sich Senator Dativus, der Priester Saturninus, eine Jungfrau namens Victoria und der Lektor Emeritus – verweigerten Diokletian den Gehorsam und trafen sich jede Woche in einem ihrer Häuser, um die Heilige Messe zu feiern.

Bei einem solchen Treffen, das gerade im Haus des Ottavio Felice stattgefunden hatte, wurden sie von römischen Soldaten überrascht, festgenommen und zum Verhör nach Karthago gebracht.

Auf die Frage des damaligen Prokonsuls Anulinus, ob sie in ihren Häusern die Heilige Schrift aufbewahren würden, erklärten sie gemäß den Märtyrerakten voller Mut, sie würden sie "in ihren Herzen tragen". Damit gaben sie auch zu verstehen, dass sie nicht daran dachten, eine Trennlinie zwischen ihrem Leben und ihrem Glauben zu ziehen.

Während sie gefoltert wurden, riefen die Märtyrer laut auf: "Ich rufe dich an, Christus, erhöre mich", "Ich danke dir, o mein Gott", "Ich rufe dich an, Christus, erbarme dich." Mit ihren Gebeten brachten sie Gott ihr ganzes Leben dar und baten zugleich für ihre Peiniger um göttliche Vergebung.

Unter den verschiedenen Zeugnissen dieser Ereignisse ist das von Emeritus besonders eindrucksvoll. Ohne jede Angst gab er zu, dass er Christen bei sich aufgenommen habe, um mit ihnen die Heilige Messe zu feiern. Der Prokonsul stellte ihm daraufhin die Frage, weshalb er das getan habe, wenn eine solche Handlung doch die Übertretung der kaiserlichen Gesetze bedeuten würde.

"Sine dominico non possumus" ("Ohne Sonntag können wir nicht leben"), soll Emeritus da geantwortet haben.

Gemäß den Organisatoren des bevorstehenden Eucharistischen Kongresses in Bari hat dieser vom heiligen Märtyrer verwendete "Begriff 'dominicum' eine dreifache Bedeutung. Er bezeichnet den Tag des Herrn, weist aber zugleich auf das hin, was diesen Tag ausmacht, nämlich auf die Auferstehung des Herrn und seine Gegenwart in dem eucharistischen Geschehen."

Das Motiv für das Martyrium der Märtyrer von Abitene "darf nicht in der bloßen Befolgung eines 'Gebots' gesehen werden, denn zu dieser Zeit hat es in der Kirche noch kein formales Sonntagsgebot gegeben", erklärte dazu Msgr. Vito Angiuli, Provikar der Erzdiözese von Bari-Bitonto, in der italienischen Ausgabe des "Osservatore Romano" vom vergangenen Sonntag.

Vielmehr "tiefe Überzeugung vorhanden, dass die Sonntagsmesse ein grundlegendes Element der eigenen christlichen Identität ist und dass es ohne Sonntag und ohne Eucharistie kein christliches Leben geben kann", betonte er.

Das zeige sich auch ganz deutlich im Kommentar, "den der Verfasser der Märtyrerakten zur Frage des Prokonsuls macht". Der Prokonsul habe zu Felice, einem der Märtyrer, gesagt: "Ich frage dich nicht, ob du ein Christ bist, sondern ob du an der Versammlung teilgenommen hast oder ob du eine Bibel besitzt." Und der dazugehörige Kommentar lautet: "O welch dumme und lächerliche Frage des Richters! Als ob ein Christ ohne der sonntäglichen Eucharistie leben oder als ob diese ohne einem Christen gefeiert werden könnte! Weißt du nicht, Satan, dass es die Sonntagseucharistie ist, die den Christen macht, und dass die Christen die sonntägliche Eucharistie machen, so dass keiner ohne das andere existieren kann und umgekehrt?

Wenn du jemanden hörst, wenn er "Christ" sagt, dann wisse, dass es eine Versammlung gibt, die den Herrn feiert; und wenn du jemanden 'Versammlung' sagen hörst, dann wisse, dass dort ein Christ ist", endet der im "Osservatore" zitierte Kommentar des Verfassers der Akten über die Märtyrer von Abitene.