In Bethlehem ein Studium abzuschließen, ist alles andere als einfach

Zeugnis aus dem Westjordanland

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BETHLEHEM, 7. November 2007 (ZENIT.org).- Die erste Absolventin des Masters in Internationaler Zusammenarbeit und Entwicklung (Masters of International Cooperation and Development, MICAD) an der Universität Bethlehem hat während der Abschlussfeier auf ihrem Campus darauf hingewiesen, dass enorme Willensstärke erforderlich gewesen sei, um die tägliche Demütigung beim Passieren der Kontrollpunkte in den besetzten Gebieten zu ertragen.



Lubna Iskander und ihre Kollegen aus der Abschlussklasse des bisher einzigen Master-Lehrgangs an der genannten Universität kamen am 27. Oktober in traditionellen Gewändern zusammen und gaben Anlass zur Hoffnung, dass sie in Zukunft zur Verbesserung der Lage im Heiligen Land beitragen werden. Unter den Absolventen befanden sich der Regionaldirektor der Päpstlichen Mission für Palästina, Angehörige katholischer Hilfsorganisationen und kirchlicher Gruppen sowie Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen und staatlichen Entwicklungsagenturen.

In ihrer Ansprache beschrieb Iskander, was der Studienabschluss für sie persönlich bedeute: „Vor Anfang der Intifada suchte ich zwei Jahre lang nach einem Stipendium, um meine Ausbildung im Ausland fortzusetzen. Zusammen mit 15 anderen Studenten aus der ganzen Welt wurde ich an der Universität London angenommen. Aber da die Intifada begann, war es mir nicht möglich hinzugehen. Danach bekam ich Kinder, die ich nicht zurücklassen konnte, und mir meine Träume zu erfüllen. Als ich dann vom MICAD-Studium erfuhr, dachte ich, dass es ein Gottes Geschenk für mich sei.“

Bei jedem Anblick der Trennmauer, bei den Demütigungen an den Kontrollpunkten und bei so mancherlei später Rückkehr nach Hause sei sie „frustriert“ gewesen. „Ich habe mir manchmal gewünscht, einen Zauberstab zu haben, der die Mauer und die Kontrollpunkte verschwinden lässt. Schließlich stellte ich aber fest, dass dieser Zauberstab aus den Märchen auch im wahren Leben existiert: Er ist der Wille – der Wille zu überleben, weiterzumachen und das Ziel zu erreichen, ganz gleich, auf welche Hindernisse man auch stoßen mag. Der Besatzungsmacht ist es nicht gelungen, uns in die Knie zu zwingen oder unsere Träume zu zerschlagen. Sie hat uns stattdessen nur noch stärker gemacht.“

Die Universität Bethlehem wurde 1973 auf gemeinsame Initiative des Vatikans, des internationalen Ordens der De La Salle Schulbrüder, einheimischer palästinensischer Pädagogen sowie kirchlicher und ziviler Führungskräfte gegründet. Sie ist eine katholische Einrichtung, die den Anhängern aller Religionen offen steht.

Gegenwärtig sind 2.788 Studenten in den verschiedenen Studiengängen eingeschrieben. Weitere 1.200 Studenten nehmen an den Fortbildungs- und Fachdiplomkursen des Instituts für Gemeinschaftliche Partnerschaft (Institute for Community Partnership) teil.