In der Fastenzeit kritisch den Umgang mit Suchtmitteln beleuchten

Präventionsangebote ausbauen

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 317 klicks

Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, forderte dazu auf, in der Fastenzeit den eigenen Umgang mit Suchtmitteln kritisch zu beleuchten: „Wer für sich ganz bewusst entscheidet, in der Fastenzeit beispielsweise auf Alkohol und Tabak komplett zu verzichten, kann ein ganz neues Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil entwickeln. Mir geht es darum, dass sich die Menschen bewusst mit diesen Themen auseinandersetzen und eigenständig entscheiden. Als Drogenbeauftragte möchte ich nicht mit erhobenem Zeigefinger durch die Republik reisen. Aber ich sehe es als meine Aufgabe an, darauf hinzuweisen, dass ein riskanter Alkoholkonsum ebenso wie der Konsum von Tabak zu schweren gesundheitlichen Schädigungen führen kann.“

Rund ein Viertel aller Erwachsenen im Alter von 18 bis 64 Jahren hat bereits illegale Drogen, in der Regel Cannabisprodukte, konsumiert. 7,4 Prozent der Erwachsenen probierten andere illegale Substanzen wie Kokain, Heroin oder Amphetamine. 7,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren konsumierten bereits illegale Drogen. Jeder hundertste Jugendliche greift regelmäßig zu illegalen Drogen; auch hier handelt es sich häufig um Cannabisprodukte. Eine große Gefahr für Kinder und Jugendliche stellen neben dem Konsum illegaler Drogen legale Suchtmittel wie Alkohol und Zigaretten dar.

Marlene Mortler betont: „Wir müssen beim Thema Alkoholmissbrauch zielgerichtete Präventionsangebote betreiben, damit ein Verständnis für einen gesunden Umgang mit dem eigenen Körper entsteht. Als Schirmherrin unterstütze ich daher zum Beispiel den Wettbewerb ‚Bunt statt blau – Kunst gegen Komasaufen‘. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung leistet zielgerichtete Aufklärungsarbeit, wie etwa mit der Kampagne ‚Alkohol? Kenn dein Limit!‘. Die Fastenzeit ist ein guter Anlass, sich über die zahlreichen Angebote zu informieren.“

In Deutschland liegt der durchschnittliche Alkoholkonsum pro Jahr bei 10 Litern reinen Alkohols, fast doppelt so viel wie in anderen europäischen Ländern, so kenn-dein-limit.de. Um Kinder und Jugendliche vor Alkoholmissbrauch zu schützen, müssen Eltern einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol vorleben. Alkohol ist ein Genussmittel, das in Maßen konsumiert werden darf. Kinder und Jugendliche dürfen nicht der Illusion erliegen, Alkohol bringe Entspannung, löse Probleme und verbessere die Stimmung.

Rund 1,7 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Alkoholsucht. Bei weiteren 1,6 Millionen im Alter von 16 bis 64 Jahren liegt Alkoholmissbrauch vor. 7,4 Millionen nehmen Alkohol in gesundheitsgefährdenden Dosen zu sich.  

Wie wichtig es ist, dass wir Menschen mit Suchtproblemen unsere Hand reichen und sie nicht ausgrenzen, betonte Papst Franziskus in seiner Ansprache, die er während seiner Brasilienreise im Sankt-Franziskus-Hospital für Suchtkranke in Rio de Janeiro am 24. Juli 2013 hielt. In seiner Ansprache, die Papst Franziskus an die Patienten, ihre Angehörigen und das Krankenhauspersonal richtete, betonte er, dass man die Probleme an der Wurzel angehen, den Jugendlichen eine gerechtere Welt schaffen und sie an die wahren Werte des Lebens heranführen müsse: „Umarmen, umarmen. Wir alle müssen lernen, die Notleidenden zu umarmen, wie es der heilige Franziskus getan hat… Das Übel des Drogenhandels, das die Gewalt fördert und Schmerz und Tod sät, erfordert ein mutiges Handeln der gesamten Gesellschaft. Nicht die Liberalisierung des Drogenkonsums, wie sie in verschiedenen Teilen Lateinamerikas diskutiert wird, ist das Mittel, um die Ausbreitung der chemischen Abhängigkeit einzuschränken und ihren Einfluss zu verringern. Es ist notwendig, die Probleme anzugehen, die diesem Konsum zugrunde liegen, indem man sich für mehr Gerechtigkeit einsetzt, die jungen Menschen an die Werte heranführt, die das Gemeinschaftsleben aufbauen, diejenigen begleitet, die in Not sind, und Zukunftshoffnung schenkt. Wir alle müssen den anderen mit den liebevollen Augen Christi sehen und lernen, Notleidende zu umarmen, um Nähe, Zuneigung und Liebe zum Ausdruck zu bringen. Doch umarmen genügt nicht. Reichen wir dem, der in Not ist, dem, der ins Dunkel der Abhängigkeit gefallen ist – vielleicht ohne zu wissen wie –, die Hand und sagen zu ihm: Du kannst wieder aufstehen, kannst wieder hochkommen – es ist mühsam, aber möglich, wenn du es nur willst… Euch allen möchte ich noch einmal sagen: Lasst euch nicht die Hoffnung rauben! Lasst euch nicht die Hoffnung rauben! Aber ich möchte auch sagen: Rauben wir nicht die Hoffnung, sondern lasst uns vielmehr alle zu Hoffnungsbringern werden!“