„In der Schule des einzigen Lehrers leben“: Kardinal Dias bei der Eröffnung des neuen Akademischen Jahres an der Päpstlichen Universität Urbaniana

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ROM, 17. Oktober 2006 (ZENIT.org).- Nicht auf den „flüchtigen Ruhm dieser Welt“ komme es an, sondern darauf, in der Schule des einzigen Lehrers Jesus Christus zu leben und sein Evangelium der Liebe in die Tat umzusetzen, bekräftigte Kardinal Ivan Dias, Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, während des Festgottesdienstes zur Eröffnung des neuen Akademischen Jahres an der Päpstlichen Universität Urbaniana in Rom.



Jesus zeige dem Menschen, dass „der einzige Sieg über das Böse und den Tod der Sieg der Liebe ist“. Allerdings sei die Liebe Christi im Alltag nicht immer das bestimmende Element, fuhr Kardinal Ivan Dias fort, der am vergangenen Donnerstag erstmals öffentlich als Großkanzler der Päpstlichen Universität Urbaniana auftrat. Allzu oft lasse sich sogar der Glaubende von der Furcht leiten, „Reichtum und Wohlbefinden verlieren zu können“. Ja, oft habe es den Anschein, „als ob dem Menschen eine Liebe bis zum Äußersten von etwas ganz Wesentlichem berauben würde. Man hat Angst, sich selbst zu verleugnen und etwas von sich aufzugeben: Gegenstände, Zeit, Gewohnheiten, Gefühle und Gedanken, Überzeugungen.“

Kardinal Dias wies darauf hin, dass in diesem Leben vielfach ein „anderer Ruhm“ angestrebt werde: „möglicherweise eine bestimmte Position, Besitz, Macht über andere, Bedeutung, Ehren“.

Jesus komme unserer Angst, uns hinzugeben und großzügig zu sein, entgegen. „Jesus – selbst arm und leidend – beugt sich über uns, um uns von der Arroganz der Eigenliebe zu reinigen“.

Der Ruhm des Menschen besteht nach dem Präfekten der Kongregation für die Evangelisierung der Völker darin, „wie Jesus und mit Jesus zu sein. Das ist auch unsere große Freude: ein in der Liebe gelebtes Leben.“

Kardinal Dias rief die Gottesdienstteilnehmer dazu auf, sich nicht den falschen Vorstellungen einer Welt hinzugeben, „die uns unaufhörlich sagt: ‚Erlöse dich selbst’. Setzen wir das Evangelium der Liebe, des Wohlwollens und der Teilnahme in die Tat um. Setzen wir unseren Kampf gegen die Mächte des Bösen fort, indem wir das Gute, damit von uns hier an der Universität oder wo immer wir auch sein mögen, Kräfte der Liebe und des Guten ausgehen – zu unserem eigenen Wohl und zum Wohl der ganzen Welt.

Hingabe und Selbstverleugnung bedeuteten keine „Verknechtung“, sondern vielmehr den Weg, um allen Menschen „das Geheimnis des christlichen Lebens“ zu zeigen.

Kardinal Dias wurde am 14. April 1936 in Bombay, Indien, geboren und studierte in seiner Geburtsstadt und in Rom Philosophie und Theologie. An der Päpstlichen Lateranuniversität promovierte er in Kanonischem Recht. Im Jahr 1958 wurde er zum Priester geweiht.

Von 1958 bis 1961 arbeitete er als Pfarrseelsorger in Bombay, ehe ihn weiterführende Studien wieder nach Rom führen sollten. 1964 arbeitete er im Staatssekretariat des Heiligen Stuhls an den Vorbereitungen zum Internationalen Eucharistischen Kongress in Bombay mit, zu dem auch der Papst nach Indien kam. Von 1965 bis 1973 wirkte der Priester in der Funktion des Sekretärs in unterschiedlichen Apostolischen Nuntiaturen in aller Welt.

Von 1973 bis 1982 war er im vatikanischen Staatssekretariat für die Leitung der Abteilung für die Sowjetunion, Polen, China, Vietnam, Laos sowie mehrerer Staaten im südlichen Afrika zuständig. 1982 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularerzbischof von Rusubisir, anschließend zum Pro-Nuntius für die Länder Ghana, Togo und Benin.

Von 1987 bis 1991 wirkte er Erzbischof Dias als Apostolischer Nuntius in Korea, von 1991 bis 1996 bekleidete er dasselbe Amt in Albanien. 1997 ernannte ihn der damalige Papst zum Erzbischof von Bombay, am 21. Februar 2001 erhob er ihn in den Kardinalsrang. Im Mai wurde der Kardinal von Papst Benedikt XVI. zum Präfekten der Kongregation für die Evangelisierung der Völker ernannt.