In dieser Fastenzeit 2012 sei uns der Papst willkommen!

Die aktuelle Lage in Kuba, dem Land, das Benedikt XVI. empfängt

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Von Félix Sautié Mederos

MADRID, 16. März 2012 (ZENIT.org). - Während die Vorbereitungen für die Reise Benedikts XVI. nach Lateinamerika in vollem Gang sind, publizieren wir einen Artikel von Félix Sautié Mederos, einem katholischen Journalisten aus Kuba, der über das Land schreibt, das die Ankunft des Papstes erwartet.

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Inmitten der Wechselfälle, Gegensätze und großen Ängste, die das kubanische Volk innerhalb und außerhalb unserer Landesgrenzen durchlebt, hat mich wieder einmal die Folge von Ereignissen überrascht, die in diesem gerade begonnenen Jahr 2012 sozusagen auf uns eingestürmt sind. Je älter ich werde, desto schneller scheint mir die Zeit zu vergehen, so also ob mein inneres Wesen die Ankunft des endgültigen Übergangs herbeisehnen würde; nichtsdestotrotz strenge ich mich nachhaltig an, um im Rahmen meiner Möglichkeiten zur Versöhnung und zum Dialog unter den Kubanern beizutragen, ohne mich jedoch von den Ermahnungen, Beschimpfungen und versteckten Drohungen zermürben zu lassen, die mir gewisse Leute unter vergeblicher Aufwendung ihrer Zeit zukommen lassen.

Das beschreibt meine gefühlsmäßige innere Verfassung, in der ich mich bei der Feier der Aschermittwochsliturgie 2012, der ich in der Kathedrale von Havanna beiwohnte, befand, eine Verfassung, die durch das sakramentale Gedenken an die Tatsache ausgelöst wurde, dass wir Staub sind und zu Staub zurückkehren. So haben die von Kardinal Jaime Ortega, dem Erzbischof von Havanna, gesegnete Asche und das lebendige Wasser von Schöpfung und Natur, das uns reinigen wird, die Bußperiode der Fastenzeit eingeläutet, mit der wir uns auf die Karwoche und auf das Osterfest vorbereiten. Im christlichen Kalender sind dies Etappen von tiefer mystischer Bedeutung und in die Tage dieser Vorbereitungsphase fällt der Besuch Papst Benedikts XVI. in Kuba.

Ich beziehe mich auf zwei Tatsachen von tiefer geistlicher Tragweite, die sich sehr zum Trotz jener offenbaren werden, die ihren Hass auf die Kirche nicht verbergen können sowie zum Trotz anderer Nörgler, die immer nur über ein Thema zu reden verstehen und die Dinge nur akzeptieren, wenn sie in jene einzige, vorgefertigte Richtung weisen, die mit ihren Ideen übereinstimmt. Es sind dies Stimmen, die im Übrigen das kubanische Volk und dessen Recht, sich durch seine Frömmigkeit und spirituelle Tätigkeit geistig zu erquicken, einfach beiseiteschieben. Demgegenüber halte ich es für unerlässlich, sich dessen höchst bewusst zu sein, dass die Teilnahme an religiösen Gedächtnisfeiern ein unveräußerliches Recht jener Menschen darstellt, die dies aus freien Stücken tun. Als Nachfolger Petri ist es daher Papst Benedikts XVI. gutes Recht, den historischen Besuch zu verwirklichen, den er im Rahmen seiner Pilgerreise anlässlich des 400. Jubiläums der Auffindung des Bildes der Jungfrau von der Nächstenliebe, der Schutzpatronin und der Königin von Kuba, dem Land abstatten wird und so ist es auch das Recht des kubanischen Volkes, ob gläubig oder nicht, ihn mit Freude, Respekt und Würde zu empfangen.

Meiner Meinung nach bringt ein Ereignis dieser Klasse inmitten des ständig sich wiederholenden Einerleis, so vieler Enttäuschungen und Ernüchterungen, einen Wandel des Lebensrhythmus und einen starken Impuls voller Hoffnungen mit sich, die Kraft für den Lebenskampf verleihen. Unter diesen Umständen und Gegebenheiten halte ich dafür, dass der päpstliche Besuch wichtige positive Folgen für das Selbstwertgefühl des kubanischen Volkes haben wird und zwar sowohl für diejenigen, die innerhalb, als auch für diejenigen, die außerhalb unserer Landesgrenzen leben. Wir sollten in der Tat niemals diejenigen vergessen, die aus unserem Schoß hervorgegangen sind und in der Diaspora leben. Über all das hinaus wird ihre Botschaft einer Liebe zum Ureigensten, welche zur Andacht zur Jungfrau der Nächstenliebe gehört, besondere Bedeutung besitzen und jenseits jeglichen politischen Kalküls Frieden, Dialog, Wiederbegegnung und Versöhnung stiften.

Außerdem feiert man einen 400. Jahrestag nur ein einziges Mal; und wenn es sich um ein strikt religiöses Fest handelt, dann steht es über den jeweiligen wirtschaftlichen, politischen oder historischen Umständen des Augenblicks. Bei diesem Anlass haben die gläubigen Kubaner, vor allem die Katholiken jeder politischer und sozialer Färbung innerhalb und außerhalb unserer Landesgrenzen das unveräußerliche Recht, den Papst als Universalen Hirten unserer Kirche in Empfang zu nehmen und das Recht, dies mit der maximalen Genugtuung tun zu dürfen, ohne jede Einschränkung, ohne dass einige den Karren vor den Wagen spannen und Bedingungen stellen oder urteilen, indem sie sogar schimpfliche bzw. abwertende Maßstäbe auf Andersdenkende, die katholische Kirche in Kuba, die Gläubigen, das kubanische Volk und ganz besonders auf den Hirten der katholischen Kirche in der Welt anwenden.

Die Wahl der Themen, die Papst Benedikt XVI. in Kuba sowohl vor den Obrigkeiten der Regierung wie vor den Katholiken und dem Volk im Allgemeinen ansprechen und ausführen wird, liegt allein in seiner Verantwortung, ist allein seinem Gewissen und seiner hohen religiösen wie auch staatlichen Würde unterstellt. Meiner Meinung nach kann man nur im Nachhinein beurteilen, welche wesentlichen Folgen sich für Kuba durch den Besuch ergeben. Die katholische Bevölkerung und die Anhängerschaft der Jungfrau von der Nächstenliebe wird selbstredend bereichert und mit geistlicher Freude daraus hervorgehen, da es sich um eine Pastoralreise handelt, die aufgrund eines Jubiläums, das für unsere nationale Identität von großer Tragweite ist, mit Fug und Recht anberaumt wurde, denn die Jungfrau von der Nächstenliebe ist ein unumstrittenes Symbol unserer nationalen Identität.

Dennoch gehört es meiner persönlichen Meinung nach zu einer einwandfreien, existentiellen und geschichtlichen logischen Dynamik, die komplexen Umstände eines Augenblicks und des Wendepunktes, an dem wir Kubaner uns befinden, zu bestimmen, anzuerkennen und öffentlich darzulegen wie auch die Ängste, die wir innerhalb und außerhalb des Landes ertragen, also unsere Beschwerden und Probleme in diesem Sinne zur Sprache bringen; das Aufzwingen von Begrifflichkeiten sowie das Aufstellen von Vorbedingungen und Beschimpfungen sind fehl am Platz; sie schaden spürbar der Wiederbegegnung, dem Dialog und der Versöhnung, deren die kubanische Nation heute so sehr bedarf.

Es ist zum Gebrauch von Schimpfworten und zum willkürlichen Aufstellen von Vorbedingungen gekommen, was mit Droh- und Mahngebärden wie auch mit dem Gebrauch von Gewalt und Druck gegen Auffassungen, die nicht linientreu sind, einhergeht. Diese umstrittenen Verhaltensweisen verschlechtern die Atmosphäre und sorgen für komplizierte und unerträgliche Verhältnisse.

Ich meine, dass es unser gutes Recht ist, in dieser Fastenzeit des Jahres 2012 und zum 400. Jubiläum der Auffindung des Bildes der Jungfrau der Nächstenliebe, den Pastoralbesuch von Papst Benedikt XVI. zu empfangen und dass dies unseren dringendsten Bedürfnissen entgegenkommt. Das ist meine Meinung, dies bestätige und verteidige ich. Der Papst sei uns willkommen!

[Übersetzung des spanischen Originals von P. Thomas Fox LC]