In dir in mir

Das heutige Mittwochsgebet stammt von Hilde Domin

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 265 klicks

Hilde Domin gehört zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellerinnen und Lyrikerinnen. Sie wurde am 27. Juli 1909 in Köln als Tochter eines jüdischen Rechtsanwalts geboren und starb am 22. Februar 2006 in Heidelberg. 1931 lernte sie den jüdischen Frankfurter Altphilologie- und Archäologiestudenten Erwin Walter Palm kennen, mit dem sie — seiner Italiensehnsucht folgend — 1932 nach Rom ging, was nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler zur ersten Exilstation wurde. Das Paar lebte und arbeitete zwischen Florenz und Rom, wo es 1936 heiratete. Nachdem sich auch Italien gegen die Juden richtete, gingen sie nach England, von wo aus es sie 1940 in die Dominikanische Republik führte, die ihrem Pseudonym „Domin“ den Namen gab. 1954 kam sie nach Deutschland zurück, und nach einigen Jahren, in denen sie zwischen Deutschland und Spanien pendelte, lebte sie seit 1961 in Heidelberg. Von sich selbst sagte Hilde Domin, sie sei eine „Sterbende, die gegen das Sterben anschrieb“.

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Auf einer Wiese

Fingernagelgroß

Schläft er

Der große Veränderer

Der durch die Erde greift

Wie durch Wasser

Er könnte

Die Waagschalen

Umkippen und mit Wind füllen

Segel

Mit Freude

Tanzschritt

Wenn er aufsteht

Der die Früchte befiedert

Der Neuordner

Er schläft

In dir in mir

Fingernagelgroß