In Frankreich formt sich zunehmend öffentlicher Protest gegen die Einführung der Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren

Kardinal Vingt-Trois erhält Unterstützung aus allen gesellschaftlichen Bereichen und politischen Richtungen

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ROM, 12. Dezember 2012 (ZENIT.org). – Die von dem sozialistischen französischen Regierungschef Hollande geplante Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe samt Adoptionsrecht ist in Frankreich auf heftigen Protest nicht nur aus kirchlichen Kreisen gestoßen.

Der Erzbischof von Paris, Vorsitzender der französischen Bischofskonferenz und Mitglied im Päpstlichen Rat für die Familie, André Kardinal Vingt-Trois, hatte persönlich bei Staatspräsident François Hollande, bei Premierminister Jean-Marc Ayrault und bei Justizministerin Christiane Taubira protestiert und anschließend veröffentlicht, was er den drei Staatsvertretern dargelegt hatte.

Nur weil Menschen glaubten, sie hätten ein Recht auf Kinder, dürfe man die Rechte der Kinder nicht vernachlässigen, wird der Pariser Erzbischof auf die Ankündigung der Justizministerin zitiert, homosexuellen Paaren eine Adoption unter den gleichen Bedingungen ermöglichen zu wollen wie heterosexuellen Paaren. Die angeblichen Rechte bestimmter Menschen setzten nicht die tatsächlichen, fundamentalen Rechte anderer außer Kraft. Zum Wissen unserer Zivilisation gehöre das Recht auf Leben allen Personen einschließlich menschlicher Embryonen, ebenso das Recht, seine Eltern zu kennen und von ihnen aufgezogen zu werden. Alles andere sei eine Rückkehr in die Barbarei.

Bei der Vollversammlung der französischen Bischofskonferenz in Lourdes am 3. November hatte er erklärt: „Die soziale Funktion der Ehe hängt nicht von einer Religion ab. Hat jemand die Bürger gefragt, ob sie damit einverstanden sind, nicht mehr Vater oder Mutter ihres Kindes zu sein, sondern ein unbestimmtes Elternteil A oder B?“

Die Ministerin hatte dem Erzbischof erklärt, dass es bei der „Zivilisationsreform“ um eine radikale Änderung der menschlichen Natur, der Geschlechter und des Zeugens gehe. Kardinal Vingt-Trois wies darauf hin, es sei untragbar, dass bei einem solch umwälzenden Programm in einem „Überrumpelungsverfahren“ mit einer hauchdünnen Mehrheit von nur 1-2 Prozent eine  Entscheidung herbeigeführt werden solle. Diese Angelegenheit betreffe das Naturrecht, also alle Menschen, nicht nur die Christen.

Am Samstag, dem 17. November, waren in Paris und in einem Dutzend weiterer französischer Städte mehrere hunderttausend Menschen gegen den gesellschaftpolitischen Umbruch der Regierung auf die Straße gegangen. Initiatoren waren die Chefredakteurin einer Satirezeitschrift, Sprecherin des „Collectif pour l’humanité durable (Kollektiv für eine nachhaltige Humanität)“; der Sozialist Laurence Tcheng von der Vereinigung „La gauche pour la mariage republicaine (Die Linke für die republikanische Ehe)“ und Xavier Bongibault, Atheist und Homosexueller sowie Gründer von „Plus gay sans mariage“ (mehr schwul ohne Ehe).

Nur die Erstgenannte ist katholisch. Katholiken und katholische Organisationen haben sich mit offizieller Unterstützung von Kirchenvertretern an den Kundgebungen beteiligt.

Papst Benedikt XVI. hatte den rund 40 französischen Bischöfen, die sich am 17. November zum Ad-limina-Besuch in Rom aufhielten, in seiner Ansprache bei der Audienz eingeschärft, „aufmerksam“ zu sein gegenüber Gesetzentwürfen, mit denen der Schutz der Ehe zwischen Mann und Frau ausgehöhlt werden sollen:

„Gemeinsam mit den Bischöfen wird es ihnen am Herzen liegen, aufmerksam die Gesetzesentwürfe zu verfolgen, die den Schutz der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, den Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum Tod und die rechte Ausrichtung der Bioethik in der Treue zu den Dokumenten des Lehramts beeinträchtigen könnten. Es ist notwendiger denn je, dass zahlreiche Christen den Weg des Dienstes am Gemeinwohl einschlagen und dabei vor allem die Soziallehre der Kirche vertiefen“, so der Papst wörtlich.

Weitere prominente Unterstützer der Proteste kommen aus allen politischen Richtungen, so die Ehefrau des ehemaligen sozialistischen Premierministers und Protestanten Lionel Jospin, Sylviane Agacinski, eine feministische Philosophin.

Neben anderen hat auch der Prior der „Ritter Unserer Lieben Frau vom Priorat Frankreich“ dem in verschiedenen Medien heftig angegriffenen Kardinal in einem Grußschreiben am 8. November seine Unterstützung im Widerstand gegen dieses „verderbliche Projekt" zugesichert:

„Eminenz, auf der letzten Vollversammlung der Bischöfe Frankreichs  Anfang November in Lourdes haben Sie Ihre Ablehnung des Gesetzentwurfs für die von der Regierung geplante „Ehe für alle“ zum Ausdruck gebracht. Seither lassen die Presse (vor allem eine unwürdige Wochenzeitung) und zahlreiche Persönlichkeiten nicht nach, Sie zu attackieren, und greifen die Kirche an, der Sie mit Hingabe dienen. Wir legen Wert darauf, Ihnen unsere Unterstützung und Bestärkung zukommen zu lassen. Sie haben die katholischen Laien eingeladen, sich an dieser Debatte zu beteiligen. Ich bestätige Ihnen hiermit, dass alle Mitglieder des Priorats Frankreich der Ritter Unserer Lieben Frau, gleich von welchem Stand ihrer Gelübde und ihrer Verpflichtungen, sich mobilisieren und nach ihren Möglichkeiten aktiv werden, um – unter Beachtung der Disziplin der Kirche, mit der Gnade Gottes und der Hilfe Unserer Lieben Frau – dieses verderbliche Projekt zu Fall zu bringen. Seien Sie, Eminenz, unserer Ergebenheit und unserer Gebete in allen Ihren Anliegen versichert.“

Am Vortag der französischen Demonstrationen hatte der Präses der Evangelischen Kirche in Westfalen, Annette Kurschus, bei der Synode zu dem Thema „Familie heute - Impulse zu Fragen der Familie“ für eine „Vielfalt der Lebensformen statt Verengung des Familienbegriffs“ geworben. Das Angebot ihrer Kirche spiegle einen verengten Familienbegriff wider. Familie sei an keine bestimmte Form gebunden, sondern bejahe die Vielfalt der Lebensformen. Aus der Bibel lasse sich nicht die Frage beantworten, ob man gleichgeschlechtliche Paare trauen sollte, und: „Wenn es der Wunsch eines gleichgeschlechtlichen Paares ist, dass Nachkommen bei ihnen aufwachsen, dann mag das auch gut so sein“, so Kurschus.

Auch die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), will nach eigenen Angaben die „Homo-Ehe” nach Deutschland holen und nimmt Frankreich als Vorbild: „In Frankreich wird die richtige Homo-Ehe eingeführt. Hoffentlich ist Deutschland auch bald so weit wie unsere Nachbarn…” Ihre Parteikollegin Claudia Roth hatte bei der Bundesdelegiertenversammlung in Hannover die „Würde der gleichgeschlechtlichen Liebe“ als unantastbar bezeichnet, diese sei im Grundgesetz festgeschrieben. [jb]