In Polen wird das katholische Fernsehen diskriminiert

Msgr. Skubiś spricht von einer Bedrohung der Demokratie

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Von Don Mariusz Frukacz

ROM, 26. Januar 2012 (ZENIT.org). – „Der Beschluss der polnischen Aufsichtsbehörde für Radio und Fernsehen, den katholischen Sender ‚Trwam‘ vom Multiplex auszuschließen, ist undemokratisch“.

So äußerte sich Msgr. Ireneusz Skubiś, Chefredakteur des katholischen Wochenblatts „Niedzela“, in einem Interview mit ZENIT. Msgr. Ireneusz Skubiś ist Priester in der Erzdiözese Częstochowa (Tschenstochau) und leitet das katholische Wochenblatt „Niedzela“ seit 1981.

ZENIT: Wie beurteilen Sie den Beschluss der polnischen Aufsichtsbehörde für Radio und Fernsehen (KRRiT), dem Sender ‚TV Trwam‘ keinen Raum im digitalen Multiplex zu geben?

Msgr. Ireneusz Skubiś: Ich betrachte diesen Beschluss als völlig ungerecht und undemokratisch. In jedem modernen Land müssen die Regeln der Demokratie eingehalten werden, und die Gesetze müssen für alle Bürger gleichermaßen gelten. Jeder hat ein Recht auf Redefreiheit. Die Entscheidungen derer, die für den Staat verantwortlich sind, müssen gerecht und demokratisch sein. Polen ist ein demokratisches Land, und deshalb muss der polnische Staat die Rechte aller Bürger achten. Ich denke, dass der Beschluss, dem Sender ‚TV Trwam‘ keinen Raum im digitalen Multiplex zu geben, nicht nur ein Angriff auf die katholische Kirche in Polen, sondern auch  auf die Presse- und Sendefreiheit von Millionen polnischer Katholiken ist. Dieser Sender ist für viele einfache Bürger, die nur über wenig Geld verfügen, wichtig. Der digitale Multiplex garantiert diesen Menschen freien Zugang zu den Programmen des Senders.

ZENIT: Welche Folgen könnte dieser Beschluss für die Zukunft der Gesellschaft in Polen haben?

Msgr. Ireneusz Skubiś: Natürlich fühlen wir uns bedroht, denn diese Menschen könnten noch weitere, ähnlich ungerechte und undemokratische Entscheidungen treffen, die sich nicht nur gegen die Katholiken richten. Wir befürchten, dass der Beschluss der polnischen Aufsichtsbehörde für Radio und Fernsehen (KRRiT) den Charakter einer Diskriminierung hat. Wir wollen verhindern, dass Katholiken in Polen wieder diskriminiert werden. In einem demokratischen Land hat jeder Mensch ein Recht auf religiöse und zivile Freiheit.

ZENIT: Welche Rolle spielt „TV Trwam“ in der polnischen Gesellschaft?

Msgr. Ireneusz Skubiś: „TV Trwam“ spielt eine wichtige Rolle, nicht nur für die Verbreitung von Nachrichten, sondern auch im weiteren Sinne für jene Form der Bildung von Menschen, die wir Katholiken "Evangelisierung" nennen. „TV Trwam“ berichtet auf objektive Weise über das Leben in Kirche und Gesellschaft, unter wirtschaftlichen und kulturellen Gesichtspunkten. Der Sender überträgt auch heilige Messen und berichtet von wichtigen Ereignissen im Leben der Kirche, wie z.B. den Reisen des Papstes. Das sind Dinge, die vielen Menschen äußerst wichtig sind.

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]