In Rom wächst der Ordo Virginum

Die gottgeweihte Jungfräulichkeit: ein wertvoller Beitrag des weiblichen Genius für die Kirche

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Von Marianna Russo

ROM, 16. Januar 2012 (ZENIT.org). – Der „Ordo Virginum“ in Rom wird um ein weiteres Ja bereichert. Die Diözese bereitet sich auf die Feier der Jungfrauenweihe von Giuliana Savi vor, zelebriert von Msgr. Giuseppe Marciante, dem Weihbischof von Rom und Delegaten für den „Ordo Virginum“. Die Feier findet am Samstag, dem 21. Januar, in der Lateranbasilika statt.

„Es ist ein Grund zur Freude und Hoffnung zu sehen, dass heutzutage der alte Stand der geweihten Jungfrauen wächst, der bereits seit der apostolischen Zeit von den christlichen Gemeinschaften bezeugt ist“, schrieb der sel. Johannes Paul II. in seinem nachsynodalen Aufruf für das gottgeweihte Leben. Dieses alte Charisma geht auf die ersten Jahrhunderte des Christentums zurück und wurde vom Zweiten Vatikanischen Konzil wieder mit neuem Leben erfüllt. Heute ist es in Italien mit 450 geweihten Jungfrauen in rund 109 Diözesen lebendig; Frauen, die sich entschieden haben, Christus ihre ganze Existenz zu weihen und trotzdem in der Welt zu leben. Die erste Weihe in Italien wurde genau an dieser Stelle in Rom im Jahr 1973 gleich nach dem Wiederaufleben der „consecration virginum“ vorgenommen. Es ist ein Zeichen großen Vertrauens und der Hoffnung seitens der Frauen und ein wertvoller Beitrag des „weiblichen Genius“ für die Kirche und die ganze Welt. Seitdem wächst der Same des geweihten Leben sichtbar und zählt heute ungefähr 450 Geweihte und 15 Frauen in Ausbildung, unter der aufmerksamen und liebevollen Leitung der Kirche, die durch den Delegaten des Ordo Virginum, Msgr. Marciante, und den Direktor des Büros für das gottgeweihte Leben, P. Agostino Montan, wahrgenommen wird.

Was ist das „Geheimnis“ dieser Form des geweihten Lebens, das als wesentliche Bestandteile den Brautstand und die Tätigkeit in der Diözese hat?

Die überzeugendste Antwort gab der Heilige Vater Papst Benedikt XVI. selber, zum Anlass des Internationalen Treffens des „Ordo Virginum“, das am 15. Mai 2008 in Rom stattgefunden hat: „Euer Charisma muss die Intensität, aber auch die Frische der Ursprünge widerspiegeln“. Die geweihte Jungfräulichkeit sei die Prophetie der neuen Erde und des neuen Himmels schon hier auf der Erde, die unerhörte Neuheit der bräutlichen Hingabe an Christus, erklärte der Heilige Vater. Es handele sich um „ein in sich selbst genommen sehr hohes Ideal, das aber durch keinen äußeren Wandel gekennzeichnet wird. Normalerweise bleibt jede Geweihte in ihrem eigenen Lebensumfeld“, im Pulsschlag der Kirche verankert, und bemüht sich gleichzeitig, bei den Nöten und Tränen in der Gesellschaft „die Ärmel hochzukrempeln". Genauso wie Giuliana es tut, die nächste Geweihte in Rom, die ein sehr anstrengendes Leben hat, mit ihrer Arbeit als Apothekerin, in einem Krankenhaus und in der Gesellschaft katholischer Apotheker, nebenbei noch in der Pfarrei tätig ist und ein tägliches Gebetsleben führt, leidenschaftlich studiert und ihre Rolle als Tochter ihrer Eltern sehr ernst nimmt…

Ihr ist, nach einer Reihe von vorangegangenen Prüfungen ihrer Berufung und nach angemessener Bildung, die „geheimnisvolle Hochzeit mit Christus“ zugedacht (can. 604 des Codex des Kanonischen Rechts).

Wir fragen: „Warum hat sie gewählt, sich Christus zu weihen?" Sie antwortet mit einem Lächeln: „Das wäre, als würde man Eheleute fragen, warum sie verheiratet sind. Vielleicht, weil sie den ‚richtigen‘ Mann bzw. die richtige Frau gefunden haben und nun daran denken und davon träumen, mit ihm oder ihr das ganze Leben zu teilen. Weil niemand mehr als er dich besser kennt und sich dir in jedem Moment nahe weiß, schön oder furchtbar, wie er auch sein möge. Die Freuden verdoppeln sich, die Schmerzen halbieren sich. Er, der Herr, ist so: Du kannst nicht weniger tun, du kannst ihn nicht fernhalten“.

Alle Gläubigen sind dazu eingeladen, mit ihrer Anwesenheit und ihrem Gebet an diesem festlichen Moment teilzunehmen, der den Himmel und die Erde vereint, denn „jedes Mal, wenn jemand zum Herren Ja sagt, dann wird in die Welt ein Same eingepflanzt und das ganze Universum wartet mit Ungeduld auf die Blume, die daraus entspringen wird, sie wartet, die Frucht zu sehen und den Duft zu atmen. Jedes Mal, wenn ein bedingungsloses und ewiges Ja an den Herren ergeht, hat der Herr aller Zeiten neue Hände auf der Erde, ein neues Gesicht und ein neues Lächeln“ (aus dem Schriften von Ernesto Olivero).

*Marianna Russo, gelernte Anwältin, arbeitet im Arbeitsministerium und schreibt seit Jahren für die Veröffentlichung der Diözese von Salerno (Kampanien) „Agire“.

[Übersetzung des italienischen Originals von Jan Bentz]