Indien: Angriffe in Orissa gehen weiter

Christen weiter Opfer von Verfolgung und Schikanen

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Von John Newton

LONDON, 29. August 2011 (ZENIT.org/Kirche in Not). - Christen in Orissa, die in der heutigen Zeit die schlimmste Verfolgung in Indien erleiden, sollen den neuesten Berichten zufolge im Jahr 2011weiterhin eine Zielscheibe für Gewalt und Verfolgungen darstellen.

Drei Jahre nach der Serie von Angriffen auf Christen im August 2008 – bei der 18.000 Menschen verletzt, 50.000 vertrieben und bis zu 500 getötet wurden; 4104 Häuser wurden in Brand gesteckt – erhielt das Hilfswerk Kirche in Not einen ausführlichen Bericht über die anhaltende Diskriminierung und Angriffe gegen Christen im Bundesstaat Orissa.

In dem Bericht an die Hilfsorganisation berichtete der christliche Rechtsanwalt K. J. Markose über die Ermordung von christlichen Geistlichen und die Behinderung der Aufbauarbeiten der zerstörten Häuser.

Er erklärte, Baptistenpastor Minoketan (bekannt als Michael) Nayak aus dem Dorf Midiakia-Kutipada in Baliguda im südwestlichen Teil von Orissa sei am Abend des 26. Juli 2011 getötet worden.

Pastor Nayak soll zwei Männer, Belasano und Lobo Mallick, ins Dorf Dompadar mitgenommen haben. Nachdem er Midiakia-Kutipada auf seinem Motorrad um etwa 20.30 Uhr verlassen habe, sei der Pastor nicht wieder nach Hause zurückgekehrt.

Am nächsten Morgen um etwa 9 Uhr habe das Ratsmitglied Pramod Mallik, gewählter Dorfvorsteher von Rebingia Panchayat, den Bruder von Pastor Nayak darüber informiert, dass der Pastor einen Unfall erlitten habe.

Surendra Nayak, des Pastors ältester Bruder, erklärte: „[Sein] Leichnam lag in einer Grube, aus einer Loch-ähnlichen Wunde unter seinem Ohr sickerte Blut hervor. Der Körper hatte keine andere Prellungen oder Schnitte.“

„Dieser Fall war sicherlich kein Unfall, sondern Mord.“

Der Augenzeuge Nilambar Digal erklärte, dass am 26. Juli um etwa 9 Uhr ein Motorrad im Dorf Balakia angehalten habe und Lobo Mallik - einer der Männer, den der Pastor mitgenommen hatte - eine Fackel und andere Vorräte gekauft habe, bevor sie das Dorf auf dem Motorrad in Richtung Midiakia wieder verlassen hätten.

Nach den Aussagen von Herrn Markose habe die Polizei in Kandhamal den Mord als Unfalltod behandelt und weitere Untersuchungen verweigert.

Er erinnerte daran, dass im Januar 2011 ein anderer Pastor, Saula Pradhan, mit zwei Hindu- stämmigen Freunden seine Heimat verlassen habe und am nächsten Tag tot aufgefunden worden sei. Nach den Angaben der Polizei sei er durch Kälteeinwirkung in betrunkenem Zustand gestorben.

Herr Markose fügte hinzu: „Die Polizei steht auf der Seite der RSS Verschwörung [Rashtriya Swayamsevak Sangh - der politischen Hindutva Partei], um die christlichen Führer von Kandhamal zu beseitigen.“

Des Weiteren erklärte er, dass der Staatspolitiker Manoj Pradhan, der zweifach des Mordes an Christen während der Angriffe 2008 überführt worden sei, Menschen dazu ermuntert habe, christliche Führer zu töten, während er gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden war.

Ferner beschrieb der Anwalt, auf welche Art im Sundargarh Bezirk im nordwestlichen Orissa die Reparatur und der Wiederaufbau von zerstörten oder beschädigten Häusern von Christen verhindert wurden.

Im Jahre 2009 seien zwei Lieferungsversuche von Baumaterial für die Reparatur der beschädigten Häuser in Bondamunda, Rourkela City, durch Hindutva-Fanatiker blockiert worden, die angeordnet hatten, den Sand stattdessen beim lokalen Hindu-Tempel abzuladen.

Der Traktor, der das Material lieferte, sei beschlagnahmt und seine Besitzer gezwungen worden, eine Geldbuße zu zahlen, bevor das Fahrzeug freigegeben wurde.

Am 14. März dieses Jahres hatte die Gemeinde einen erneuten Versuch unternommen, die Häuser zu reparieren und zwei Ladungen Sand seien ohne Schwierigkeiten transportiert worden.

Doch am nächsten Tag sei der Traktorfahrer Ishak Digal nach der Lieferung zweier weiterer Ladungen am Rande des Dorfes von einer 12-köpfigen Bande um etwa 14.30 Uhr gestoppt worden.

Ihr Anführer, Birendra Pradhan, habe den Fahrer beschuldigt, das Verbot der Lieferung von Baumaterial für Christen zu brechen und habe erklärt, dass sie seinen Traktor nur nach Zahlung einer Geldstrafe von 2.500 Rupien zurückgeben würden. Ein Bericht über den Vorfall sei bei der Polizei eingereicht worden.

Der Bericht „Verfolgt und vergessen?“ von Kirche in Not beschrieb mehrere Fälle von Unterdrückung von Christen im Staat Orissa im Jahre 2010, darunter einen Angriff auf Christen in Dörfern in der Nähe von Malkangiri durch etwa 250 Hindutva- Extremisten im November letzten Jahres.

[ZENIT-Übersetzung des englischen Originals]