Indien: Anti-Bekehrungsgesetz im Bundesstaat Rajhastan abgewiesen

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JAIPUR, 23. Mai 2006 (ZENIT.org).- Das am 7. April im indischen Bundesstaat Rajasthan beschlossene Anti-Bekehrungsgesetz wurde in diesen Tagen von der amtierenden Gouverneurin Pratibha Patil als "drakonisches Gesetz der Religionsfreiheit" zurückgewiesen. Die Regelung, die nach dem Papier die Zwangskonversion zum Christentum verhindern soll, sei übereilt beschlossen worden, erklärte die indische Politikerin nach einem Bericht der indischen Bischofskonferenz. Die Bischöfe zeigten sich über das Urteil erfreut. Allgemein wird befürchtet, dass das Antibekehrungsgesetz zum Anlass genommen werde, um gegen die christliche Minderheit gesetzlich vorzugehen.



Seit Bekanntgabe der Einführung des Gesetzes hatten die gewaltsamen Übergriffe gegen die Christen, die nur 0,11 Prozent der Bevölkerung von Rajasthan ausmachen, zugenommen. Öffentlich wurde dazu aufgerufen, ihnen feindselig zu begegnen. In Rajasthan leben rund 60 Millionen Menschen. 89 Prozent von ihnen sind Hindus, 8 Prozent Muslime.

Die indische Bischofskonferenz (CBCI) betonte im April, dass die neue gesetzliche Regelung eindeutig "gegen Minderheiten" gerichtet sei.

Das Gesetz mit dem Namen "Rajasthan Dharma Swatantraya 2006" gegen Zwangskonversion, das am 31. Oktober 2005 im indischen Bundesstaat Tamil Nadu in Kraft trat und nach und nach auch in anderen Bundesstaaten eingeführt wurde, bestraft jeden, der einen anderen zum Übertritt in eine andere Religion zwingt, mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Rupien (1.034 Dollar) sowie drei Jahren Gefängnis. Wenn die Konversion Frauen, Minderjährige, Mitglieder der niederen Kasten oder Stammesvölker betrifft, erhöht sich die Geldstrafe auf 100.000 Rupien und die Haftstrafe auf vier Jahre.

In Gesprächen mit dem indischen Premierminister Manmohan Sing hatten ranghohe Vertreter des Christentums in der jüngsten Vergangenheit ihre Sorge über die zunehmende Gewalttätigkeit gegen die Christen zum Ausdruck gebracht. Sie baten ihn, mit konkreten Maßnahmen ein Ende der Übergriffe herbeizuführen, und erinnerten ihn in diesem Zusammenhang an den großherzigen Einsatz der christlichen Gemeinden für die Entwicklung armer und ausgegrenzter Bevölkerungsgruppen.

Kardinal Telesphore Toppo, Erzbischof von Ranchi (Bundesstaat Bihar), zeigte sich vor einem Monat von der Einführung des neuen Gesetzes unbeeindruckt. "Rajasthan ist der sechste Bundesstaat, der nun ein solches Gesetz einführt. In den anderen fünf – Madhya Pradesh, Orissa, Tamil Nadu, Gujarat und Chhattisgarh – wurde unsere Missionstätigkeit deshalb nicht eingestellt. Unser Zeugnis ging weder zurück, noch hat es sich wesentlich verändert. Warum sollte das jetzt in Rajasthan anders sein?" Die Regierung könne noch "Hunderte von Gesetzen verabschieden, aber das wird unsere Sendung und unsere Berufung nur noch verstärken", bekräftigte der Kardinal (vgl. ZENIT vom 11. April).

John Dayal, Präsident der "All India Catholic Union" ("Verband der Katholiken ganz Indiens"), die in Indien 16 Millionen Katholiken vertritt, und zugleich Generalsekretär des ökumenischen Vereinigung "All India Christian Council" (Rat der Christen ganz Indiens), setzte ZENIT davon in Kenntnis, dass er der Gouverneurin Pratibha Patil für ihre Ablehnung des Anti-Bekehrungsgesetzes seinen Dank ausgesprochen habe. In einer Kopie des Briefes, die der Redaktionsleitung in diesen Tagen zuging, zeigt Dayal offen seine Freude über diesen Schritt.

Ein Hauptgrund für die Ablehnung ist die indische Verfassung selbst. Nach Worten Kardinal Toppos räumt sie jedem das Recht ein, "unseren Glauben und unsere Freiheit auszuüben. Wir sind Bürger eines großen Landes. Warum sollte ich mir da Sorgen machen? Die freie Wahl [der eigenen Religion, Anm. d. Red.] ist in unserer Verfassung grundgelegt. Das sichert uns den Sieg der Wahrheit."