Indien: Aufgebrachte Hindus bedrohten vier Ordensschwestern der "Missionarinnen der Nächstenliebe"

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HYDERABAD, 4. Juli 2006 (ZENIT.org).- Eine Schar von rund 50 Hindu-Fundamentalisten der Gruppe "Hindu Dharma Parirakshana Samithi" ("Vereinigung zum Schutz der Hindureligion") hat in der vergangenen Woche vier Missionarinnen der Nächstenliebe auf deren Routinebesuch im Krankenhaus von Tirupati im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh tätlich angegriffen.



Wie "AsiaNews" berichtete, sollte die Bezirkspolizei dazu veranlasst werden, die Ordensschwestern unter dem Vorwurf des Proselytismus unter den sterbenskranken Patienten des Krankenhauses festzunehmen. Der indische Episkopat hat die Behauptungen gegen die vier Missionarinnen, die sich im Krankenhaus um Aidspatienten kümmern, als absolut unzutreffend zurückgewiesen. Die Vorwürfe seien "vollkommen unbegründet und ungerecht", hieß es in einer öffentlichen Erklärung.

Am 25. Juni drang laut "AsiaNews" eine Schar von Hindus in das besagte Krankenhaus ein, um die Mutter-Teresa-Schwestern festzuhalten und daran zu hindern, mutmaßliche Zwangsbekehrungen durchzuführen. Die Gruppe der Angreifer wuchs nach und nach auf 300 Leute an. Die Ordensschwestern mussten bis 20.30 Uhr im Krankenhaus bleiben, ehe sie die Polizei hinauseskortierte.

Erzbischof Oswald Gracias von Agra, Präsident der bischöflichen Kommission für soziale Kommunikation, erklärte im Nachhinein: "Dieser tragische Übergriff (…) ist entsetzlich und muss aufs Nachdrücklichste verurteilt werden. Die Behauptungen über mögliche Zwangesbekehrungen sind vollkommen unbegründet und ungerecht." Nachdrücklich wies der Erzbischof darauf hin, dass keine religiöse Gemeinschaft mit Proselytismus einverstanden sei und dass außerdem die Schwestern der seligen Mutter Teresa dafür bekannt seien, "sich ausschließlich der Sozialarbeit zu widmen. Folglich ist dort absolut kein Raum für irgendein Missverständnis in dieser Beziehung", bekräftigte er.

Erzbischof Marampudi Joji von Hyderabad, der Hauptstadt des Bundesstaates Andhra Pradesh, erklärte gegenüber "AsiaNews": "Die Ordensschwestern besitzen die offizielle Erlaubnis der indischen Regierung, diese Bezirke besuchen zu dürfen, was sie in den vergangenen 20 Jahren jeden Sonntag getan haben. Sie haben diese Sterbenskranken in Übereinstimmung mit der Krankenhausleitung in ihren Häusern untergebracht, wo sie würdevoll und in Liebe sterben können."

Als der Erzbischof vom Vorfall erfuhr, rief er nach eigenen Angaben sofort den zuständigen Minister, Y. S. Rajasekhara Reddy, sowie den Polizeichef S. Sensor an, um die Befreiung der Ordensschwestern zu erwirken. Die Polizei begegnete den Forderungen der aufgebrachten Hindus mit der Erklärung, dass Frauen nicht zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang in Gewahrsam genommen werden dürften.

Der Erzbischof von Hyderabad erinnerte zudem daran, dass es in Andhra Pradesh kein Anti-Bekehrungsgesetz gebe und die indische Verfassung Religionsfreiheit garantiere.

"Als Christen müssen wir den Angreifern verzeihen, aber als Metropoliterzbischof habe ich die Pflicht, die Glaubenszeugen zu beschützen", fuhr er fort. "Deshalb habe ich unseren Ministerpräsidenten ersucht, Nachforschungen anzustellen und die Schuldigen festzunehmen."