Indien: Bischöfe apellieren an die Wähler

Respekt für die Minderheiten und Verteidigung der Demokratie

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ROM, 6. März 2009 (ZENIT.org).- Anlässlich der bevorstehenden Wahlen auf dem indischen Subkontinent (16. April bis 13. Mai 2009) haben die Bischöfe des Landes an die Bürger appelliert, für jene Parteien zu stimmen, die sich durch ihren Einsatz für die Demokratie auszeichnen und den religiösen Fundamentalismus ablehnen.

Am 2. März veröffentlichte die Indische Bischofskonferenz eine Erklärung, in der die Wähler „in diesem historischen Augenblick“ nach 60 Jahren Demokratie in Indien zu besonderem Verantwortungsbewusstsein aufgerufen werden: „Unser nationales Erben, vor allem unsere Verfassung, gründet auf dem ethnischen, rassischen, religiösen und kulturellen Pluralismus“, heißt es in dem Dokument, in dem die Bischöfe auf die Gefahren hinweisen, denen die Demokratie vor allem angesichts der Unterdrückung von Minderheiten ausgesetzt ist.

Die Bischöfe führen eine Reihe von Prinzipien an, unter anderem den Respekt vor der Verfassung und die Verteidigung der Menschenrechte. Ebenso wird die Sorge um Kinder, Frauen und ausgegrenzte Menschen betont.

Im Einzelnen wird gefordert, dass für Kandidaten abgestimmt werde, die gegen die Diskriminierung der Frauen, die Kinderarbeit und die Ausgrenzung der Christen ankämpfen, die aus für minderwertig erachteten Kasten stammen. Auch die Achtung des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod steht im Mittelpunkt der Erwägungen der Oberhirten.

Das Dokument der Bischofskonferenz wurde im Rahmen einer Pressekonferenz vom Generalsekretär der Bischofskonferenz, Stanslaus Fernandez, vorgestellt.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Varkey Vithayathil, brachte gegenüber der Agentur ASIANEWS seine Sorge um das Wahlergebnis zum Ausdruck, dies vor allem im aktuellen Kontext der Weltwirtschaftskrise, der sozialen Spannungen und der jüngsten Erfahrungen von Intoleranz. Es handle sich um eine kritische Zeit für das Land, so der Kardinal. Obwohl die Kirche keine politischen Parteien unterstütze, habe sie die moralische Pflicht sicherzustellen, dass das Volk für jene stimme, die die demokratische Souveränität gewährleisteten und die säkulare Ausrichtung des Staates aufrechterhielten.

Besondere Sorge brachte Kardinal Vithayathil gegenüber den „dalit“ (den kastenlosen Christen) zum Ausdruck, die in besonderer Weise Opfer der letzten Christenverfolgungen gewesen seien. Die Regierung Indiens solle dafür Sorge tragen, dass derartiges in Zukunft verhinderte werde.

„Ich habe schon an die Karmelitenklöster geschrieben, damit eindringlich für die Wahlen gebetet wird“, so der Kardinal. „Das Gebet ist die beste Waffe, die wir haben, um ein säkulares Indien aufzubauen. Eine besondere Gebetsmeinung wird dem Land auch zum Aufbau, zum Schutz und zur Verteidigung unseres säkularen Indiens vorgelegt werden, um die verfassungsmäßigen Rechte der Ausgegrenzten und der Minderheiten im Land sicherzustellen“.

Die Erklärung der Bischöfe kann auf der Webseite der indischen Bischofskonferenz eingesehen werden.