Indien: Bischöfe rufen zur Beseitigung der großen sozialen Probleme auf

Armut, Hunger, Rechtlosigkeit

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NEU DEHLI, 13. Januar 2006 (Zenit.org).- Zum Auftakt des neuen Jahres legen die katholischen Bischöfe Indiens den Finger auf die offene Wunde der großen sozialen Nöte in ihrem Land. Auf ihrer gemeinsamen Homepage veröffentlichten die Mitglieder der Bischofskonferenz in dieser Woche eine Erklärung, in der das Ausmaß der zu beseitigenden Missstände ausführlich beschrieben wird.



\"In einem Land, in dem 70 Prozent der Gesamtbevölkerung von der Landwirtschaft leben, müssen 32 Millionen Menschen ohne Nahrung zu Bett gehen und täglich Zehntausende an den Folgen zugrunde gehen\", heißt es dort. Rund 90 Prozent der Adivasi-Familien in den Bundesstaaten Jharkhand und Rajasthan hätten im vergangenen Jahr andauernd Hunger leiden müssen, und in Yavatmal in der Region von Vidarbha (Bundesstaat Maharashtra) hätten 250 Bauern aus Verzweiflung Selbstmord begangen.

Straßenkinder fristeten ihr Dasein als Kinderarbeiter und Lumpensammler an Straßenkreuzungen und würden von der Polizei \"verfolgt, brutal behandelt und in schmutzige, unmenschliche Jugendheime gesteckt, ja mitunter sogar in Haftanstalten für Erwachsene\", kritisiert der Episkopat. \"Man lässt diese Kinder einfach sterben – und das in einem demokratischen Land, in dem Staatspräsident Kalam die Kinder als Zukunft der Nation bezeichnet. Welche Kinder? Welches Land?\"

Die katholischen Bischöfe nehmen in ihrer Erklärung auch zum Problem des Tötens von Mädchen Stellung, eine erschütternde Tatsache, die vor allem in den reicheren Landesteilen immer häufiger vorkomme. Sie stellen fest, dass der \"Wunsch nach einem männlichen Kind und die Verachtung für das Mädchen in Indien im letzten Jahrzehnt dramatisch zugenommen\" hätten und rufen diesbezüglich zu einer Trendumkehr auf.

Schließlich bringen die Bischöfe auch die Notlage vieler Arbeiter zur Sprache: Diese stellten zwar 90 Prozent der Arbeitskräfte in Indien, \"aber sie besitzen keine Gewerkschaften, keinerlei Rechte, kein soziales Netz, keine Altersvorsorge oder Altersrente, keine Arbeitsplatzsicherheit und weder Schulen noch Gesundheitseinrichtungen für ihre Kinder. Sie haben keine Zukunft und keine Hoffnung.\" Und viele mittellose Menschen \"finden nur auf Friedhöfen und Müllhalden, unter offenem Himmel, ein Dach über dem Kopf\".

Rund 1,6 Prozent der 1 Milliarde Einwohner Indiens sind Katholiken.