Indien: Christlicher Friedhof geschändet und teilweise eingeebnet

Angriff vermutlich Werk radikaler hinduistischer Gruppen

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ROM, 2. Februar 2012 (ZENIT.org). - Ein historischer christlicher Friedhof in Sabarmati bei Ahmedabad (Hauptstadt des westindischen Unionstaats Gujarat) wurde am 26. Januar mit Planierraupen teilweise eingeebnet und geschändet, so berichtet der Fides-Dienst. Wie der „All India Christian Council“ (AICC) vermutet, der am heutigen 1. Februar in Ahmedabad zu einer Proteskundgebung gegen „das barbarische und respektlose Vorgehen“ aufruft, besteht ein begründeter Verdacht, dass der Angriff das Werk radikaler hinduistischer Gruppen ist, die im Staat sehr aktiv sind. Angesichts der Episode der Gewalt fordert der AICC den sofortigen Rücktritt des Premierministers von Gujarat, Narendra Modi, der als militanter Politiker der Baratiya Janata Party (BJP) bekannt ist und hinduistischen Extremisten nahe steht. Modi, so der AICC in einer Verlautbarung, die dem Fidesdienst vorliegt, „schützt die Christen im Staat nicht. Die Rechtsstaatlichkeit ist in Gujarat nicht gewährlesitet: die Menschen, aber auch die Toten, sind hier nicht sicher“. Der AICC fordert in diesem Zusammenhang auch den Rücktritt des Polizeichefs von Sabarmati, S.D. Patel, wegen Nichterfüllung seiner von der Verfassung vorgeschriebenen Pflichten.

Bei einem Besuch auf dem Friedhof konnten Vertreter des AICC feststellen, das Grabsteine und Kreuze verwüstet und aufgehäuft wurden und ein Teil des Friedhofs mit Bulldozern eingeebnet wurde, damit an der Stelle ein Parkplatz entstehen konnte. Der Friedhof in Sabarnati stammt aus der britischen Kolonialzeit. Das Gelände wurde vor 1947 den Gemeinschaften der verschiedenen christlichen Konfessionen in Ahmedabad zur Verfügung gestellt.

Samson Christian vom AICC verurteilt den Vorfall mit Nachdruck und betont in diesem Zusammenhang die Mitverantwortlichkeit der lokale Regierung des BJP. Dabei weist er auch darauf hin, dass „in Gujarat das religiöse Empfinden der Minderheiten nicht respektiert wird“. Der AICC erstattete unterdessen Anzeige bei der Polizei in Sabarmati gegen „asoziale Elemente“. Doch aufgrund der Untätigkeit der lokalen Behörden sah sich die Organisation gezwungen, die Anzeige am gestrigen 31. Januar zurückzunehmen und bei einer höhren Instanz um Ermittlungen zu bitten. Christen aller Konfessionen werden heute auf dem Vorplatz des Rathauses in Ahmedabad zu der Protestkundgebung erwartet, bei der sie Schutz und Rechte, Respekt und Religionsfreiheit fordern wollen.