Indien: Engagement für die Schwachen kann das Leben kosten

Christen dürfen sich dennoch nicht einschüchtern lassen

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DUMKA, 22. November 2011 (ZENIT.org). – Der Einsatz für Angehörige indigner Völker, die für Wirtschaftsprojekte vertrieben und dezimiert werden, kann lebensgefährlich sein. Die 53-jährige indische Ordensfrau Schwester Schwester Valsa John von den „Sisters of Charity of Jesus and Maria“, die bei der Vermittlung zwischen den indignen Völkern und dem  Bergbauunternehmen Panem Limited eine wichtige Rolle gespielt hatte, war seit 20 Jahren vor allem unter Armen und Ausgegrenzten und den indigenen Völkern im Distrikt Pakur in der Diözese Dumka tätig. Sie war durch ihre Arbeit zwischen die Fronten, auch innerhalb ihres Dorfes, geraten.

In einer Verlautbarung des „Global Council of Indian Christians“ (GCIC), heißt es: „Die Schwester wurde mehrmals von Kriminellen bedroht, die sie davon abhalten wollten, sich Großunternehmen, darunter Panem Limited, entgegenzustellen. Auch die zuständigen Behörden wussten von diesen Drohungen.“

Die staatlichen Behörden, die unter dem Einfluss hinduistischer Parteien stehen, seien ihrer Bitte um Hilfe nicht nachgekommen und hätten sie allein und ohne Schutz sich selbst überlassen.

Die Schwester wurde am 15. November in ihrer Wohnung in Pakur ermordet aufgefunden. Nach der neusten Aussage von Arun Oraon, dem Generalinspektor der örtlichen Polizei, war der Mord die Tat „angeblicher Maoisten, die zusammen mit Einwohnern des Dorfes handelten, die von den Gewinnen der Bergbauunternehmen profitiert hätten“.

Jetzt sind sieben Personen von der Polizei im indischen Staat Jharkhand festgenommen worden.

 „Was die Arbeit der Ermittler anbelangt, sind wir zuversichtlich, dass es Gerechtigkeit geben wird. Wir wissen, dass die Schwester eine wichtige Rolle bei den Vermittlungen zwischen den indigenen Völkern und dem Bergbauunternehmen Panem Limited gespielt hat. Leider waren nicht alle mit diesen Vereinbarungen einverstanden“, äußerte der Provinzobere der Jesuiten in Dumka, P. Nirmal Raj, gegenüber dem Fidesdienst.

Die Jesuiten hätten bei der Pastoralarbeit in der Region eng mit Schwester Valsa zusammengearbeitet und müssten nun nach dem Tod der Schwester „die Pastoralarbeit unter den indigenen Völkern neu organisieren“.

In einer Verlautbarung des katholischen Generalsekretärs des ökumenischen „All India Christian Council“ (AICC), John Dayal, dessen Rat sich für den Schutz der Menschenrechte und Religionsfreiheit einsetzt, heißt es: „Der Staat ist zwar selbst Partner des Bergbauunternehmens, doch er sollte dafür sorgen, dass die Schuldigen festgenommen werden und dass Menschenrechtsaktivisten geschützt werden“.

Für die Kirche und die christliche Glaubensgemeinschaft gehe es bei dem Mord auch um „einen kritischen Aspekt der Mission“.

 „Die Kirche“, so der Generalsekretär des AICC, „darf sich nicht zurückziehen oder sich vom wachsenden Druck einschüchtern lassen, wenn man von ihr fordert, sich auf Glaubensfragen zu konzentrieren und das Engagement im Sozialwesen einzustellen. Das leuchtende Vorbild von Schwester Valsa wird der Kirche Mut machen, so dass sie nach den Prinzipien der Wahrheit und der Liebe auch künftig auf der Grundlage der kirchlichen Soziallehre handelt“. [jb]