Indien: Fasten des hinduistischen Regierungschefs ist „reine Zurschaustellung“

Jesuit: Für ein harmonisches Zusammenleben ist Gerechtigkeit notwendig

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AHMEDABAD, 20. September 2011 (ZENIT.org/Fidesdienst). – Der hinduistische Regierungschef der Baratiya Janata Party in Gujarat, Marendra Modi, fastet seit drei Tagen öffentlich, um damit „sein Engagement für das harmonische Zusammenleben der Gemeinschaften in Gujarat“ zu unterstreichen. Politiker, Bürgerinitiativen und Vertreter christlicher und muslimischer Minderheiten hegen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aktion.

„Es ist reine Zurschaustellung“, so der Jesuitenpater und Leiter des in Ahmedabad angesiedelten Zentrums für Menschenrechte, Gerechtigkeit und Frieden „Prashant“, P. Cedric Prakash SJ, zum Fidesdienst. „Narendra Modi ist für die Menschenrechtsverstöße im Jahr 2002 mitverantwortlich“, so der Ordensmann, „Als Christen möchten wir ihn darauf hinweisen, dass es der Gerechtigkeit für die Opfer bedarf, wenn man echte Harmonie schaffen möchte. Wenn wir zehn Jahre nach den Massakern immer noch um Gerechtigkeit bitten müssen, wenn christliche und muslimische Minderheiten in allen Bereichen und insbesondere bei der Bildung und am Arbeitsplatz weiterhin ausgegrenzt und diskriminiert werden, um welche Harmonie geht es dann? Harmonie entsteht durch Fakten, nicht durch Worte“.

Auf die Fastenaktion des hinduistischen Regierungschefs antwortete der Oppositionsführer der Region, Shankershing Vaghela, ebenfalls mit einer Fastenaktion, so dass es zu einem einzigartigen „Fasten-Duell“ kam. Auslöser war der Beschluss des Obersten Gerichts des, den Regierungschef aus der Liste der Angeklagten im Zusammenhang mit den Unruhen zwischen Hindus und Muslimen im Jahr 2002 zu streichen. Modi wollte sich mit seiner Aktion vom Makel der „Komplizenschaft bei den Massakern“ befreien. Der Vertreter der Kongresspartei, Shankershing Vaghela, fastet aus dem entgegengesetzten Grund: er will damit die „korrupte Politik“ des Regierungschefs anprangern.

Im Juli dieses Jahres hatte die Regierung des westindischen Staates Gujarat bekannt gegeben, dass alle Beweise im Zusammenhang mit dem Massakern des Jahres 2002, bei denen rund 2.000 Muslime starben, vernichtet wurden. Dagegen protestierten die Verteidiger der Opfer und Vertreter der Zivilgesellschaft insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass viele Verfahren gegen die Verantwortlichen der Massaker noch nicht abgeschlossen sind.