Indien: Steyler-Missionar entkommt dem Tod, 19-Jährige stirbt in Flammen

Übergriffe gehen weiter

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NEW DELHI, Indien 9. September 2008 (ZENIT.org).- „Pater, sie wollen mich verbrennen": Diese Worte bohrten sich in Pater Edward Sequeiras Herz. Der Steyler-Missionar arbeitet in einem Waisenhaus im Distrikt Bargarh. Fundamentalistische Hindus griffen das Heim an, und misshandelten den Priester schwer. Seine Mitarbeiterin kam in den Flammen ums Leben; die Angreifer hatten das Haus in Brand gesteckt. Von ihrem Tod erfuhr Pater Edward Sequeira SVD im Krankenhaus in Mombai, wo er derzeit behandelt wird, erst Tage später.

Zum wiederholten Mal kommt es gegenwärtig im indischen Orissa innerhalb weniger Wochen erneut zu blutigen Übergriffen militanter Hindus auf Christen. Steyler-Missionare, die in Nordindien tätig sind, erfahren die Ausschreitungen am eigenen Leib, wie P. Edwin Vas SVD, ein Mitbruder von P. Edward, gegenüber ZENIT berichtete.

Ursache der erneut aufkeimenden Gewalt ist die Ermordung eines führenden Vertreters des Welthindurates, Laxmanananda Saraswati. Militante Hindugruppen machen Christen für die Ermordung des 83-Jährigen verantwortlich.

„Ich bin jetzt ganz in Gottes Hand", erklärte P. Edward Sequeira SVD, der in seinem Pfarrhaus in Paddamur nur knapp dem Tod entkommen ist. Der Mob hatte das Zimmer schon mit Diesel übergossen und angezündet. Weil sie die Tür geschlossen hätten, habe P. Sequeira das Feuer unbemerkt löschen können, berichtet P. Vas über den Vorfall. Maihi, die junge Hindufrau, die Fr. Edward bei der Betreuung eines Kinderheimes unterstützte, wurde bei ihrem Fluchtversuch festgehalten und in die Flammen geworfen.

Bereits im vergangenen Dezember war es zu blutigen Übergriffen militanter Hindus auf christliche Pfarreien und Dorfgemeinden.

Die Geschichte von Pater Edward zeigt, dass der Glaube inmitten von Hass und Gewaltausbrüchen Menschen hilft, ihr Kreuz couragiert zu tragen. Wie P. Vas erfuhr, war sein Mitbruder beinahe vollkommen entmutigt und dem Zusammenbruch nah, eingesperrt in seinem brennenden Haus. Doch da bemerkte er plötzlich, dass er nicht alleine war. „Jesus war mit ihm. Er erlebte in diesem Augenblick eine enorme Stärke. Er erlebte Jesus nicht als jemanden außerhalb seiner selbst, sondern ‚er in mir, und ich in ihm'. Er erlebte die Leiden Jesu an sich selbst."

In diesem Bewusstsein habe er einen halbvollen Eimer Wasser geholt, „und ging in sein Zimmer, auf das brennende Bett zu - und das Feuer ging aus." Das sei gleichsam ein Wunder gewesen, bemerkte der Steyler Missionar.

„Er füllte erneut einen halben Eimer mit Wasser, und goss ihn in das Büro - mit dem gleichen Ergebnis. Das Feuer im Büro war gelöscht. Er hatte eine tiefe Gewissheit, dass Gott mit ihm war. Er ging zurück zum Bad, und schloss sich dort ein."

Während die Angreifer sich sicher waren, dass der Priester schon in Rauch und Flammen erstickt sei, war die junge Rajani Majhi beim Haus angekommen. Die 19-jährige Studentin war eine Helferin im Waisenhaus. Ehe Pater Sequeira das Bewusstsein verlor, hörte er die junge Frau rufen: „Pater, sie verbrennen mich!"

Der Priester sagte, die Bemühungen der beiden Ärzte, darunter ein Baptistenmissionar, hätten sein Leben gerettet. Sie hörten von dem Angriff, und fuhren schon mit einen Krankenwagen und der Feuerwehr zum Pfarrhaus, allerdings rund viereinhalb Stunden nach der Ankunft der Angreifer.

„Wenn Leute kommen und ihm sagen: ‚Wir beten für Sie', so sagt P. Edward: ‚Nicht für mich sollt ihr beten. Ich bin in den sicheren Händen Gottes. Geht hinaus und setzt euch für die Rechte der Minderheiten ein." P. Edward sei der Auffassung, dass Gott ihn auf wundersame Weise gerettet habe, weil er einen Plan mit ihm hat.

Selbst die stärkere Behördenpräsenz in den vergangenen Tagen konnte nicht verhindern, dass sich die Lage weiter verschärft. Auch in den Nachbardiözesen Rourkela und Sambalpur sind Christen mittlerweile von Übergriffen, Brandstiftungen und Misshandlungen betroffen.

Die militanten Gruppen werfen den rund 2,5 Prozent Christen in der indischen Bevölkerung vor, Taufen und Bekehrungen mit Bestechungsgeldern und Versprechen von Arbeitsplätzen zu erwirken. Gerade auch die missionarische Arbeit christlicher Gemeinschaften unter den vom indischen Kastensystem Ausgeschlossenen schürt den Hass dieser radikalen Hindugruppen.

Christliche Kirchen und Missionare stellten in jüngster Vergangenheit deutlich heraus, dass es keine Bekehrungen mit Zwang oder Bestechung gibt. Aus Protest gegen die Gewalt blieben in Indien in den vergangenen Tagen zehntausende christlich Schulen geschlossen.