Indien: Trinitarier planen die Eröffnung eines Aufnahmezentrums für verfolgte Christen

„Christen sind in der indischen Gesellschaft gut integriert“

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ROM, 11. Dezember 2008 (FIDES/ZENIT.org).– Der aus Indien stammende Pater José Narlaly OSST ist seit einem Jahr Generalminister der Ordensgemeinschaft der Trinitarier, die sich seit acht Jahrhunderten vor allem für verfolgte Christen einsetzt.

In Indien gibt es seit 2004 Niederlassungen des Ordens: Heute leben 12 Ordensleute, 23 Studenten und 2 Novizen in zwei Gemeinschaften. „Beim letzten Generalkapitel“, so Pater Narlaly im Gespräch mit dem Fidesdienst, „wurde ich als Inder zum Generalminister gewählt, nachdem der Orden bereits in den vergangenen Jahren diesem Land ein immer größeres Augenmerk widmete.“

In Indien leben rund 18 Millionen Christen (weniger als 2% der Gesamtbevölkerung), eine Minderheit, die vor allem in jüngster Zeit Zielscheibe von Gewalt wurde. Seit dem 24. August 2008 wurden in den ländlichen Gebieten des Unionsstaates Orissa insgesamt 61 Menschen getötet und über 18.000 verletzt. Über 55.000 mussten ihre Wohnungen verlassen und 4.000 Wohnungen von Christen wurden zerstört.

„In den vergangenen Jahrhunderten“, so Pater Narlaly, „herrschte in Indien stets große religiöse Toleranz. Die Christen sind wesentlicher Bestandteil der Religionsgeschichte in Indien.

In Kerala habe es sogar bereits zur Zeit der Apostel im 1. Jahrhundert Christen gegeben. Die Situation habe sich erst in den vergangenen Jahrhunderten zugespitzt, insbesondere seit der Unabhängigkeit im Jahr 1947.

Seit 30 Jahren fordere die Partei der hinduistischen Extremisten (BJP) eine religiöse Identität des Landes und nehme dabei auch eine aggressive Haltung gegenüber den religiösen Minderheiten der Buddhisten, Christen und Muslime ein. „Es handelt sich um eine kleine Partei auf nationaler Ebene", erklärt Pater Narlaly, „doch in einigen Staaten, wie zum Beispiel in Orissa, hat sie viele Anhänger. Hier kam es in den vergangenen Monaten auch zu gewaltsamen Ausschreitungen“.

„Christen sind in der indischen Gesellschaft gut integriert“, so Pater Narlaly weiter, „sie sind vor allem im karitativen Bereich, im Gesundheits- und Bildungswesen aktiv, was die Extremisten als Gefahr betrachten. Insbesondere durch Bildung können Massen über die eigene Würde und die eigenen Rechte aufgeklärt und befreit werden, die heute am Rand der Gesellschaft leben. Es handelt sich also um ein politisches und gesellschaftliches Problem. Das Christentum verändert etwas und die menschliche Entwicklung ist für die Extremisten unbequem“.

Die Trinitarier planten die Eröffnung eines Aufnahmezentrums für verfolgte Christen in Bhutan an der Grenze zu Nepal und wollten das Engagement im Bildungswesen intensivieren. „Trotz aller Schwierigkeiten“, so Pater Narlaly abschließend, „blicken wir, Trinitarier, hoffnungsvoll in die Zukunft und sind davon überzeugt, dass die Förderung der Bildung auch die Beziehungen verbessern und ein Bewusstsein der Rechte der Minderheiten vermitteln wird“.