Initiative gegen anhaltenden Terror in Kirkuk: Lasst uns Brücken bauen für den Frieden

Katholisch-chaldäischer Erzbischof von Kirkuk, Luis Sako, unterzeichnet Dokument

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KÖNIGSTEIN, 27. April 2012 (ZENIT.org). - Gegen Gewalt und Terror im nordirakischen Kirkuk haben sich der katholisch-chaldäische Erzbischof von Kirkuk, Luis Sako, sowie fünfzig Vertreter des sunnitischen Islam wie arabische Stammesführer und Vertreter der Lokalregierung ausgesprochen, wie „Kirche in Not" berichtet. Auf Initiative des Erzbischofs unterzeichneten sie ein Dokument mit dem Titel „Lasst uns Brücken bauen für den Frieden“ (Let us build bridges for peace), das gestern veröffentlicht wurde. Die Unterzeichner verpflichten sich, in der zwischen Kurden und der Bagdader Zentralregierung umstrittenen Stadt Kirkuk friedlich zusammenzuleben. Im Gespräch mit dem internationalen Hilfswerk „Kirche in Not“ begründete Erzbischof Sako sein jüngstes Engagement für einen dauerhaften Dialog mit den Worten: „Wir Christen haben einen Auftrag zu Frieden und Versöhnung, der für alle Menschen gilt, nicht nur für Christen."

Die erdölreiche Stadt im Nordirak verfügt über eine knappe kurdische Bevölkerungsmehrheit. Bereits für 2007 war ein Referendum vorgesehen, in dem über den Wechsel der Stadt zur Autonomen Region Kurdistan oder den Verbleib unter der Bagdader Zentralregierung abgestimmt werden sollte. Die Abstimmung war seither immer wieder verschoben worden. Kritiker werfen den Kurden vor, erst demografische Fakten durch Zuzug von Kurden und die Ansiedlung von Arabern schaffen zu wollen, um das Referendum in ihrem Sinne beeinflussen zu können. In diesem Zusammenhang kommt es in Kirkuk seit Jahren zu schweren Terrorangriffen. Erst am Donnerstag vergangener Woche detonierte vor einer Polizeiwache eine Autobombe, bei der vier Polizisten ums Leben kamen.

Die Unterzeichner des Dialogpapiers erteilen jeder Form von physischer und verbaler Gewalt eine klare Absage. „Gewalt wird die Situation nicht ändern und verbessern, sondern unsere Stadt im Gegenteil in einem See von Ungerechtigkeit, Benachteiligung und Unterentwicklung ertränken.“ Erzbischof Sako wird von den verfeindeten Parteien der Stadt wegen seiner persönlichen Integrität als Vermittler geschätzt. Sein Haus gilt als neutraler Ort der informellen Begegnung, weil die chaldäischen Katholiken aufgrund ihrer geringen Zahl nicht als politisch relevanter Faktor betrachtet werden. Ihre Zahl wird vom Erzbischof auf etwa 10.000 bis 12.000 Personen geschätzt, was vier Prozent der Bevölkerung Kirkuks entspricht.