Internationale Friedenskonferenz in München

Papst: Falsches Verhältnis zu Gott kann zur Zerstörung des Friedens beitragen

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MÜNCHEN, 12. September 2011 (ZENIT.org). - Der Auftakt zur Internationalen Friedenskonferenz mit dem Thema „Zusammen leben - unsere Bestimmung" der Gemeinschaft Sant’Egidio mit Repräsentanten der Kirchen und Religionen aus aller Welt fand am gestrigen Sonntag unter Anwesenheit von Bundespräsident Christian Wulff, des Münchener Kardinals Reinhard Marx und des Gründers der Gemeinschaft Sant’Egidio, Andrea Riccardi, auf dem Münchener Marstallplatz statt. Gleichzeitig bildete er eine Gedenkfeier zum 10. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September in New York.

Das Gedenken sei „ein Auftrag, eine Sendung, sich nicht der Logik der Rache, der Gewalt und der Feindschaft zu unterwerfen und sich nicht von ihr beherrschen zu lassen“, Kardinal Reinhard Marx zur Eröffnung der Feierstunde. Er beklagte ein „verlorenes Jahrzehnt“ seit „Nine Eleven“.

„Wir haben uns allzu sehr in Kriegsszenarien und Kampfrhetorik bewegt. Wir müssen neu lernen, dass unsere Welt nur zukunftsfähig sein kann in einer Ordnung der Gerechtigkeit und der Solidarität, mit Kräften der Versöhnung, des Friedens und des Miteinanders“, so der Kardinal.

Die Komponistin Konstantina Gourzi hatte für das Erzbistum München und Freising eine Gedenkmusik zur zehnjährigen Wiederkehr des Terrortages 11. September 2001 geschrieben, die vom Kinderchor des Gärtnerplatztheaters gesungen zu diesem Anlass ihre Uraufführung erlebte.

Im Herkulessaal der Münchener Residenz rief Bundespräsident Christian Wulff die Religionen zu noch mehr Einsatz für den Weltfrieden auf. Im Judentum, Christentum und Islam gebe Religion keine Lizenz zum Töten. Vielmehr sei sie „ein Weg, das Leben gottgefällig und menschenwürdig zu gestalten“. Den Christen dankte er für die Botschaft der Nächsten- und Feindesliebe und bedauerte, dass sie gerade deswegen weltweit unterdrückt, verfolgt, vertrieben und ermordet würden.

Andrea Riccardi betonte seinerseits, gerade die globale Wirtschaftskrise biete die Chance, einen Mentalitätswandel zu bewirken und die Gesellschaften menschlich und spirituell weiterzubringen.

Papst Benedikt XVI. hatte in seinem Grußwort zu dem Internationalen Friedenstreffen die Christen beschworen, „den Fernen und den Nahen“ im gleichen Geist des Friedens zu begegnen.

 „Dies müssen wir immer neu lernen“, schrieb er. „Wir müssen lernen, das Herz füreinander zu öffnen und die Mitmenschen an unseren Freuden, Hoffnungen und Sorgen Anteil nehmen zu lassen.“ Durch ein falsches Gottesbild könne Religion zur Zerstörung des Friedens beitragen.

(Vollständige Botschaft siehe Dokument)