Internationale Unterstützung für Benin nur im Fall von Geburtenkontrolle?

Interview mit Bischof Paul Kouassivi Vieira von Djougo

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ROM, 2. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Am Samstag, dem 22. September, beendeten die Bischöfe des westafrikanischen Benin ihren „Ad-limina“-Besuch in Rom. Am Vortag waren sie von Papst Benedikt XVI. im päpstlichen Sommersitz Castel Gandolfo empfangen worden.



Der Heilige Vater brachte unterschiedliche kirchliche und soziale Fragen zur Sprache, darunter die Erziehung und Bildung der Jugend, die Polygamie, den Synkretismus und die Korruption. Er rief die afrikanischen Bischöfe dazu auf, sich verstärkt für den Lebensschutz und die Familie einzusetzen, und betonte, dass es sich hierbei um einen „Dienst an der Gesellschaft“ handle.

Bischof Paul Kouassivi Vieira von Djougou kommentierte gegenüber ZENIT die Ansprache des Heiligen Vaters an die Bischöfe aus Benin.

ZENIT: Eure Exzellenz, welche Bedeutung hat dieser „Ad-limina“-Besuch für die Bischöfe des Benin?

Bischof Vieira: Für uns war er ein großes Geschenk des Herrn, eine besondere Gnade, um unsere Gemeinschaft mit dem Heiligen Vater auch konkret zu stärken.

Der Heilige Vater ist das Symbol der Liebe Jesu zur gesamten Weltkirche. Deshalb fühlen wir uns an Petri Seite noch stärker, und durch uns fühlen sich auch alle unsere Teilkirchen gestärkt. Ich denke, dass die Begegnung mit dem Heiligen Vater für jeden Bischof eine Erneuerung seiner bischöflichen Verpflichtung, seines apostolischen Amts darstellt – „mit Petrus und niemals ohne Petrus“.

Der Besuch war für uns eine Gelegenheit, um dem Heiligen Vater noch einmal zu beteuern, dass wir mit ein Herz und eine Seele sind, ein Verstand und ein Wille.

ZENIT: Gab es Punkte in der Ansprache des Papstes, die einen besonderen Eindruck auf Sie gemacht haben?

Bischof Vieira: An vorderster Stelle die Ermutigung des Papstes an uns Bischöfe. Das war wirklich notwendig, weil es heutzutage nicht einfach ist, Bischof zu sein. Es war niemals einfach. Einige Situationen machen das Bischofsamt heute jedoch noch anspruchsvoller.

Dann hat mich auch der Appell zur Gemeinschaft unter uns Bischöfen berührt. Aber das ist nicht alles. Papst Benedikt XVI. hat uns auch eingeladen, unseren Missionsauftrag in den Diözesen in Gemeinschaft mit den Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und Katecheten auszuüben. Das hat mir sehr gefallen, weil der Papst an alle gedacht hat.

Es war offensichtlich, dass er unsere Fünfjahresberichte, die wir ihm vor einigen Monaten zugesandt hatten, aufmerksam studiert hat. Auch in den Einzelgesprächen mit Papst Benedikt XVI. wurde uns bewusst, dass er jedem gezielt Fragen stellte und über die Lage in unserem Land sehr gut informiert war.

Schließlich war ich auch davon beeindruckt, dass der Papst uns eingeladen hat, den katholischen Glauben mutig allen anzubieten, selbst in Anbetracht von Schwierigkeiten. Das ist eine Aufforderung, das Evangelium in seiner Reinheit und seiner Echtheit zu verkünden.

ZENIT: Der Papst hat den Mut der Bischöfe Ihres Landes hervorgehoben, wenn es darum geht, „die Werte der Familie und den Lebensschutz zu verteidigen“. Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich diesbezüglich konfrontiert?

Bischof Vieira: In unserem Land stammen die Schwierigkeiten aus der „Vorortkultur“, die den wahren „Humus“ darstellt, auf dem der Mensch heranwächst. Ich beziehe mich hier auf die Tradition der Polygamie, die noch sehr verwurzelt ist, und auf die Art und Weise, wie die Frau behandelt wird.

Aber heutzutage müssen wir, die Bischöfe in Benin, auch Hindernisse überwinden, die aus dem Ausland kommen; Schwierigkeiten, die sich aus ausländischen Vorschlägen ergeben. Es handelt sich um Vorschläge von Menschen, die nicht an die Besonderheit des menschlichen Lebens glauben und Ideologien vertreten, die die Person bekämpfen, zum Beispiel durch Abtreibung und Verhütung.

Wir sind ein armes Land, und diese Vorschläge, die Ideologien unterstehen, die sich gegen das Leben und die Würde der Person richten, werden uns als „soziale Güter“ angeboten. Früher ist Benin gegen Abtreibung gewesen. Die Republik weigerte sich, Programme zur Geburtenkontrolle einzuführen, und widersetzte sich jenen Projekten, die durch Abtreibung, Sterilisation und Verhütung den Relativismus des menschlichen Lebens feilboten. Seitdem wird unsere Nation für ein Land gehalten, das um jeden Preis überzeugt werden muss. Jemand hat entschieden, uns nicht mehr finanziell zu unterstützen, solange wir uns diesen Ideologien nicht beugen. Deshalb müssen wir wachsam sein und unsere Bevölkerung angesichts dieser Gefahren in Alarmbereitschaft halten.

ZENIT: Finanzielle Unterstützung wird also manchmal von der Annahme gewisser Ideologien abhängig gemacht?

Bischof Vieira: Genau. Das ist heute das größte Problem – nicht nur für die Kirche im Benin, sondern auch für das ganze Land. Bedauerlicherweise kommt die Regierung diesen Ideologien entgegen, weil sie zum Wohl des Volkes beitragen will. Das Wohl, das sie im Auge hat, ist jedoch lediglich materieller Natur. Es ist aber nun einmal nicht die Materie, die den Menschen ausmacht.

ZENIT: Seit der politischen Erneuerung ihres Landes im Jahr 1990 erhofft sich die Bevölkerung eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Wie kann die Kirche diesen Prozess fördern?

Bischof Vieira: Die Kirche engagiert sich beim Entwicklungsprozess unseres Landes sehr, nicht nur durch ihre sozialen Werke, sondern auch durch klare Vorschläge, die wir der Regierung und der gesamten Bevölkerung in unseren Hirtenbriefen unterbreiten, die viel Beifall ernten. Und wenn wir uns nicht äußern, wird sogar nach unserer Meinung gefragt. Der frühere Staatspräsident Mathieu Kérékou hat einmal gesagt: „Wenn ich den Bischöfen des Benin begegne, bin ich mir sicher, dass es ihnen um das Wohl des Landes geht. Deshalb komme ich gern mit ihnen zusammen.“

ZENIT: In ihrer Diözese ist der Islam sehr verbreitet, was die Evangelisierung manchmal schwer macht. Papst Benedikt XVI. hat diesbezüglich zu einem „aufrichtigen Dialog“ aufgerufen. Ist er im Benin möglich?

Bischof Vieira: Wir müssen dem Papst immer dafür dankbar sein, dass er uns klare Richtlinien für unser Hirtenamt schenkt. Was Papst Benedikt XVI über den interreligiösen Dialog denkt und sagt, gibt die Richtung vor, der wir folgen sollen. Denn als Christen ist der Dialog unsere Stärke; er ist unser Weg.

Wir müssen allerdings dennoch unterstreichen, dass nicht alle am Dialog interessiert sind. Es gibt leider muslimische Brüder, die nicht an die Religionsfreiheit glauben. Wie können wir uns da einbilden, dass sie sich für den Dialog öffnen werden? Daher ist der Dialog mit ihnen sehr schwierig.

Sicherlich stimmt es, dass man da unterscheiden muss: Die muslimische Bevölkerung sieht das Gute, das in der christlichen Gemeinschaft vorhanden ist, und weiß es zu schätzen. Ihre Leiter scheinen jedoch, verschlossen zu sein. Und wir müssen alles daransetzen, um ihnen zu vermitteln, dass der Mensch ein Recht auf Religionsfreiheit hat.

In meiner Diözese stellt sich der Dialog mit den Muslimen als äußerst schwierig dar. Ich sage nicht, dass er unmöglich ist, weil ich Christ bin und an das Wirken des Heiligen Geistes glaube und auch daran, dass die Kirche, da sie klar und entschieden zu ihrem Glauben steht, langsam aber sicher die Dinge ändern können wird. Das wird natürlich nicht heute oder morgen geschehen, aber der Tag wird kommen, an dem sich alle für die Religionsfreiheit einsetzen werden und dem Volk das Recht der Wahlfreiheit gewährt wird. Das ist in meiner Diözese jedoch noch nicht möglich.

ZENIT: Was werden Sie von diesem „Ad-limina“-Besuch in ihre Diözese mitbringen?

Bischof Vieira: Mich selbst als Bischof, der erneuert und in seinem Sendungsauftrag gestärkt worden ist. Ich werde mit meinen christlichen Brüdern und Schwestern und mit der gesamten Diözese teilen können, was ich aus der Begegnung mit dem Papst geschöpft habe – einen stärkeren Glauben, eine größere Hoffnung und einen tieferen Wunsch, Jesus Christus zu bezeugen.