Internationaler Kongress über die Aktualität der Evolutionstheorie

Evolution - die Weise, wie Gott schafft

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ROM, 10. Februar 2009 (ZENIT.org).- Im Rahmen des Projekts STOQ (Science, Theology and the Ontological Quest - Wissenschaft, Theologie und die Frage nach dem Sein) der römischen päpstlichen Universitäten wird vom 3. bis 7. März der internationale Kongress „Biological Evolution: Facts and Theories. A critical appraisal 150 years after ‚The origin of species‘ - Biologische Evolution: Fakten und Theorien. Eine kritische Würdigung 150 Jahre nach ‚Die Entstehung der Arten‘" stattfinden. Die Tagung, die unter der Schirmherrschaft des Päpstlichen Rates für die Kultur steht, wird von der Päpstliche Universität Gregoriana in Zusammenarbeit mit der Notre Dame University (Indiana, USA) organisiert. Heute wurde sie im Rahmen einer Pressekonferenz im Vatikan vorgestellt.

Die Problematik der Evolutionstheorie umfasst unter anderem die Fragestellung, ob das Universum, die Erde und der Mensch Produkt des Zufalls oder Werk Gottes sind. Dieser auf den ersten Blick unversöhnliche Gegensatz zwischen dem Begriff der Evolution und der Schöpfung hatte sich ausgehend von der Veröffentlichung des bahnbrechenden Werkes „Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl" (1859) von Charles Darwin (1809-1882) in immer schärferer Form gestellt. Der 150. Jahrestag der Veröffentlichung des Werkes, der mit dem 200. Jahrestag der Geburt seines Autors zusammenfällt, bildet den Anlass für eine intensive Beschäftigung mit den Fakten und Theorien, die sich aus dem Evolutionsdenken ergeben. Diesen ist der kommende Kongress gewidmet.

Für P. Leclerc SJ, Professor für Naturphilosophie an der Päpstlichen Universität Gregoriana und Verantwortlicher der Tagung, wurde die Diskussion zwischen den beiden Weltsichten nicht nur deshalb verschärft, weil im Rahmen einer wissenschaftlichen Theorie immer einige Punkte zweifelhaft bleiben. Die „Neuheit des Paradigmas" der Evolution habe die Anhänger Darwins dazu veranlasst, die Grenzen der Wissenschaft immer mehr zu überschreiten und einige Elemente seiner Theorie oder der nachfolgenden Synthese zu einer „Philosophia Universalis" zu machen. Dies sei der Fall des historischen Materialismus, der in der Vergangenheit auch von den kommunistischen Ländern benutzt worden sei, um die Religion zu bekämpfen.

Eine ähnliche Verwischung der Wissensbereiche hätten jedoch auch die Gegner Darwins begangen, indem sie wissenschaftliche Theorie der Evolution mit einer allumfassenden Ideologie verwechselt hätten, um diese als Ganzes zurückzuweisen, insofern sie mit der religiösen Sichtweise der Wirklichkeit unvereinbar sei. So werde die Rückkehr so genannter „kreationstischer" Modelle eines „intelligent design" als alternative Theorie verstehbar. Für P. Leclerc sei man auf einer derartigen Ebene der Auseinadersetzung weit von einer wissenschaftlichen Diskussion entfernt.

Auch das „intelligent design" werde Gegenstand der Arbeiten der Tagung sein, jedoch nur in einer historisch-kritischen Perspektive. „Gott kommt nicht als Deus ex machina, um Lücken in der wissenschaftlichen Theorie zu füllen", so Leclerc. Die Ebenen der Reflexion dürften nicht miteinander vermischt werden.

Erzbischof Ravasi betonte seinerseits, dass es Anliegen der Tagung sei, der Notwendigkeit eines neuen Dialogs zwischen Wissenschaft und Glauben zu entsprechen. Keine dieser Dimensionen würde für sich allein genommen das Geheimnis vom Sein des Menschen und des Universums erschöpfen.

Giuseppe Tanzella-Nitti, Professor für Fundamentaltheologie an der Päpstlichen Universität Santa Croce, erklärte, dass es unter einem theologischen Gesichtspunkt eine einigermaßen gefestigte Tradition gebe, die fähig sei, den Begriff der Schöpfung mit dem einer sich entwickelnden Welt zu vereinbaren. In der Perspektive der christlichen Theologie würden sich Evolution und Schöpfung nicht ausschließen, so Tanzella-Nitti. Werde der Evolutionsbegriff in einem weiten Sinn und ohne Reduktion auf materielle Ursächlichkeiten verstanden, sondern als Prozess einer fortschreitenden Diversifikation und Organisation, so könne gesagt werden, dass „die Evolution die Weise ist, in der Gott schafft".

Für den Fundamentaltheologen ist eine biologische Evolution in einer materialistischen Welt ohne Information, Richtung und Plan unmöglich. In einer geschaffenen Welt sei es Aufgabe der Theologie, von der Natur und vom Sinn dieser Information, „dieses Logos", zu sprechen. Der Logos sei, einem Wort Benedikts XVI. folgend, die ungeschaffene Vernunft als Grundlage aller Dinge und der Geschichte.