Internationaler Kongress über die bleibende Aktualität von Viktor E. Frankl in Rom

Fachtagung vom 26. bis zum 28. Oktober an der Päpstlichen Universität Salesiana

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ROM, 16. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Zum zehnten Todestag (2. September 1997) des österreichischen Neurologen und Psychiaters Viktor E. Frankl, Gründer der Schule für Logotherapie und Existenzanalyse, veranstaltet die Päpstliche Universität Salesiana vom 26. bis zum 28. Oktober einen internationalen Kongress. Die Arbeiten werden das Problem der Lebensqualität und der Sinnsuche behandeln, das in besonderer und augenfälliger Weise den Anfang des 21. Jahrhunderts betrifft.



Mit den Begriffen Logotherapie und Existenzanalyse, die synonym verwandt werden können, wird neben der Psychoanalyse Sigmund Freuds und der Individualpsychologie Alfred Adlers die „dritte Wiener Schule der Psychotherapie“ bestimmt. Frankl stellte die ursprüngliche Ausrichtung des Menschen auf Sinn in den Mittelpunkt seiner Methode. Das Ziel der von ihm entwickelten Methode ist es, dem Menschen zu einem emotional und geistig freien Erleben, zu authentischen Stellungnahmen, zu einem eigenverantwortlichem Umgang mit sich selbst und seiner Umwelt Welt zu verhelfen. Die existenzanalytische Psychotherapie hat es zum Ziel, den Menschen zu einem Leben zu führen, das durch eine innere Zustimmung zum eigenen Handeln und Dasein bestimmt ist.

Nicht sinnerfülltes Leben kann für Frankl zum einen zu psychischen Krankheiten führen; gleichzeitig stellt Frankl fest, dass psychische Erkrankungen von einem eingeschränkten individuellen Sinnbezug begleitet werden. Die Logotherapie ist als eigenständiges Psychotherapieverfahren anerkannt.

ZENIT sprach mit dem Salesianer und Professor für Psychologie an der Päpstlichen Universität Salesiana und der Universität von Rom „La Sapienza“, Eugenio Fizzotti, um die komplexe Thematik des Kongresses näher zu beleuchten.

Fizzotti beschäftigt sich vor allem mit der Logotherapie, zu deren Kenntnis in Italien er einen wesentlichen Beitrag geleistet hat. Er ist gleichzeitig Herausgeber der meisten Werke Frankls in italienischer Sprache und Präsident der „Vereinigung für Logotherapie und Existenzanalyse“. Fizzotti ist Ehrenmitglied der österreichischen Ärztegesellschaft für Psychotherapie.

Don Fizzotti hob hervor, dass sich die Lehre Frankls insbesondere in der Anerkenntnis der Rolle von Freiheit und Verantwortung als spezifisch menschliche Fähigkeiten auszeichne; dabei gehe es um die Fähigkeit der „Selbsttranszendierung“, das heißt die Fähigkeit, sich Zielen zuzuwenden, die außerhalb des eigenen Ichs sind, und der „Abstandnahme von sich selbst“, das heißt von den Krankheitssymptomen Abstand zu nehmen.

Die Botschaft, die Frankl auf der Grundlage seiner jahrzehntelangen akademischen und klinischen Tätigkeit lancierte, entspricht für Fizzotti der aktuellen existenziellen Situation des Menschen, „der sich verloren und innerlich entleert fühlt, insofern er von widersprüchlichen Botschaften und attraktiven Vorschlägen bombardiert wird, die nicht mit den Werten, sondern nur mit einer krampfhaften Suche nach Lust und billigem Erfolg zu tun haben“.

Der Kongress beabsichtige, den Kern der Lehre Frankls ins Licht zu heben: „Der Mensch ist ständig auf der Suche nach dem Sinn seines Lebens“, fasste Fizzotti zusammen, „und diese seine unermüdliche Suche kann nur in dem Maß Erfolg haben, in dem er nicht passiv auf sich selbst schaut, sondern sich den Horizonten der Werte, der Solidarität, des Engagements, der zwischenmenschlichen Beziehungen öffnet, die nicht den anderen ausbeuten, sondern ihn in seinem Potential und seinen Fähigkeiten fördert.“

Der wesentliche Beitrag Frankls zur Erkenntnis des Menschen und dessen Aktualität lassen sich für Fizzotti im Begriff der „Sinnsuche“ zusammenfassen. Frankl habe die Anerkennung der zentralen Dynamik der Struktur des Menschen begünstigt, was bedauerlicherweise von anderen Spezialisten der menschlichen Psyche nur allzu oft vernachlässigt werde. Frankls Lehre beziehe sich auf einen Weg der Erziehung und des globalen Wachstums. Diese Methode sei gerade heute von besonderer Bedeutung, um im Menschen die Reifung des Verantwortungsbewusstseins gegenüber den Aufgaben des Lebens, der Gesellschaft und seines soziokulturellen Umfelds zu fördern. Das Verantwortungsbewusstsein begünstige im Menschen eine Atmosphäre der dialektischen Auseinandersetzung, wodurch der Kreis der Einsamkeit und des Egozentrismus aufgebrochen werde.

Die Tatsache, dass der Gedenkkongress an einer päpstlichen Universität stattfindet, ist nach Worten von Don Fizzotti ein Zeugnis der Offenheit, die zwischen einer ernsthaften wissenschaftlichen Forschung und der Glaubensentscheidung besteht. Was an Frankl interessiert, sei ein Doppeltes: zum einen eine Sicht des Menschen, die die radikale Freiheit und Verantwortlichkeit anerkennt und respektiert. Andererseits sei an die Tatsache zu erinnern, dass Frankl die Salesianer-Universität oft besucht und dabei sehr gut besuchte Konferenzen gehalten habe. Frankl sei der Schirmherr der italienischen Vereinigung für Logotherapie gewesen. Gleichzeitig habe er es geschätzt, mit Fizzotti als Salesianer zu tun zu haben, den er gefördert und dessen Lehrtätigkeit er geschätzt habe. Darin bestehe auch der geschichtliche Hintergrund des kommenden Kongresses.