Interreligiöser Dialog

Papst Franziskus appelliert an Aufrichtigkeit im Umgang miteinander

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 534 klicks

Gestern hielt Papst Franziskus vor den Teilnehmern der Vollversammlung des Päpstlichen Rats für den interreligiösen Dialog eine Ansprache und sagte, die Zukunft der Menschheit bestehe im respektvollen Zusammenleben der Unterschiede. Die Religionsfreiheit müsse in allen ihren Dimensionen respektiert werden. In einer Welt, die immer „kleiner“ werde, seien der Dialog und die Freundschaft zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen von oberster Priorität. Der interreligiöse Dialog sei eine Realität und eine Herausforderung, die an das Gewissen eines jeden Christen appelliere. Es gebe ausreichende Kontexte, in denen sich das Zusammenleben als schwierig gestalte.

„Oft überlagern politische oder wirtschaftliche Motive die kulturellen und religiösen Differenzen, was Anreiz zu Missverständnissen gibt und Fehler aus der Vergangenheit heraufbeschwört: All das erzeugt Misstrauen und Angst. Es gibt nur einen Weg, diese Angst zu überwinden, und das ist der Dialog, die Begegnung in Freundschaft und Respekt.“

Papst Franziskus betonte, dass es bei einem Dialog nicht darum gehe, die eigene Identität zu verneinen, ebenso wenig wie Kompromisse bezüglich des Glaubens oder bezüglich der christlichen Moral einzugehen.

„Und aus diesem Grund schließen sich interreligiöser Dialog und Evangelisierung nicht aus, sondern sie nähren sich gegenseitig. Wir zwingen zu nichts; wir benutzen keine hinterhältige Taktik um Gläubige anzulocken, sondern wir bezeugen mit Freude, mit Einfachheit, woran wir glauben und was wir sind. Eine Begegnung, in der jeder zur Seite legen soll, woran er glaubt, täuscht vor, auf das zu verzichten, was uns am liebsten ist, es wäre keine authentische Verbindung. In einem solchen Fall könnte man von einer vorgetäuschten Brüderlichkeit sprechen.“

Alle Christen seien dazu aufgerufen, die Angst zu überwinden und immer bereit zu sein, den ersten Schritt zu tun. Wenn der interreligiöse Dialog konstruktiv sei, nütze er, Ängste gegenüber anderen religiösen Traditionen zu überwinden.

„Die Religion wird als etwas unnötiges oder gar gefährliches angesehen; manchmal erwartet man, dass die Christen auf ihre eigenen religiösen und moralischen Überzeugungen aus beruflichen Gründen verzichten.“

Papst Franziskus sagte, es herrsche die Meinung, man könne nur zu stabilen Beziehungen gelangen, wenn man die eigene Religion zurücknehme, um sich auf einem neutralen Gebiet zu begegne. Ein Ansatz, den er grundsätzlich für falsch halte, da so keine authentische Basis geschaffen werden könne.

„Es ist nicht möglich, an eine Brüderlichkeit aus dem Labor zu denken. Natürlich ist es notwendig, dass alles im Respekt mit den Gebräuchen des anderen geschieht, auch demjenigen, der nicht glaubt, aber wir müssen den Mut und die Geduld haben, aufeinander zuzugehen, als das was wir sind. Die Zukunft besteht im respektvollen Zusammenleben der Unterschiede, nicht in der Anerkennung eines einzigen, theoretisch neutralen Gedankens. Aus diesem  Grund wird es unausweichlich das Gesetz der Religionsfreiheit anzuerkennen, in all seinen Dimensionen.“