"Interreligiöser Dialog ist eine Überlebensfrage"

Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz und Missio Aachen beenden Reise nach Pakistan

Bonn, (DBK PM) | 319 klicks

Die bedrängende Sicherheitslage des Landes und die schwierige Situation der christlichen Minderheit waren die zentralen Themen der heute zu Ende gehenden gemeinsamen Delegationsreise der Deutschen Bischofskonferenz und Missio Aachen nach Pakistan. Die Reise, an der unter anderem der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), und Missio-Präsident Prälat Dr. Klaus Krämer teilnahmen, führte nach Karachi, Lahore und Islamabad. 

Die häufigen Angriffe der Taliban auf öffentliche Einrichtungen und die fortschreitende Islamisierung des gesellschaftlichen Lebens werden von den meisten Pakistani, besonders aber von den Minderheiten, als schwerwiegende Bedrohung wahrgenommen. „Die pakistanischen Bischöfe haben uns berichtet, dass die Kirche zwar nicht unmittelbar im Fokus der Terroristen steht, aber angesichts der Gewalttaten und eines radikaler werdenden Islam in ständiger Unsicherheit lebt. Besonders bedrängend erleben die Christen erzwungene Konversionen zum Islam, aber auch Entführungen und Zwangsverheiratungen junger Frauen“, erklärte Erzbischof Schick. 

Nachdrücklich beklagten die Bischöfe aus Pakistan, dass die Blasphemie-Gesetze des Landes häufig dazu missbraucht werden, um gegen Christen und Angehörige anderer Minderheiten vorzugehen, weil sie angeblich den Propheten Mohammed beleidigt oder den Koran verunglimpft haben sollen. Oft kommt es zu Verurteilungen oder zu Lynch-Morden. „Deshalb setzt sich Missio für die Abschaffung der Blasphemie-Gesetze ein. Dies ist auch ein Schwerpunkt unserer Gespräche mit Vertretern der Politik in Deutschland“, so Prälat Krämer. 

Trotz aller Schwierigkeiten tritt die Kirche in Pakistan mit beeindruckendem Freimut auf. „Mich haben die Selbstverständlichkeit und die Freude überrascht, mit denen Christen hier ihren Glauben leben und Zeugnis geben. Gerade mit ihren zahlreichen Schulen wendet sich die Kirche an die ganze Gesellschaft, an Christen und Muslime gleichermaßen. Schulen sind ein Ort der Begegnung, an dem ein friedliches Zusammenleben eingeübt werden kann“, sagte Erzbischof Schick. Für die pakistanischen Bischöfe ist das Schulwesen ein herausragendes Merkmal der kirchlichen Identität und zentrales Instrument, um die Werte des Evangeliums in die Gesellschaft einzubringen. 

Die Delegation begegnete während der siebentägigen Reise (29. April bis 5. Mai 2014) auch Vertretern der anderen christlichen Konfessionen und hochrangigen Repräsentanten des Islam, darunter dem Großimam der Badshahi-Moschee in Lahore. „Der interreligiöse Dialog ist eine Überlebensfrage für die Christen in diesem Land“, unterstrich der Präsident der Pakistanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Joseph Coutts aus Karachi. Wie die Delegation bei mehreren Besuchen feststellen konnte, wird der Dialog auf allen Ebenen geführt, so zum Beispiel in Pfarreien, Fortbildungseinrichtungen und eigens dafür eingerichteten Kommissionen.