Interreligiöser Dialog ist Teil der Neuevangelisierung

Béchara Boutros Rai, OMM, Maronitischer Patriarch von Antiochien, Vorsitzender des Synods der maronitischen Kirche (Libanon)

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VATIKANSTADT, 17. Oktober 2012 (ZENIT.org). - Im Folgen veröffentlichen wir den zusammengefassten Redebeitrag bei der 14. Generalkongregation vom 15. Oktober 2012 von Béchara Boutros Rai, OMM, Maronitischer Patriarch von Antiochien, Vorsitzender des Synods der maronitischen Kirche (Libanon), in einer Arbeitsübersetzung des Heiligen Stuhls.

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Gemäß Instrumentum laboris Nr. 56 - 57 gehört der interreligiöse Dialog ganz in den Bereich der neuen Evangelisierung. Ich möchte mich hier auf den Dialog mit dem Islam in den arabischen Ländern beschränken, einen Dialog, der zu den neuen Faktoren im Bereich von Wirtschaft, Politik und Religion auf der Weltbühne gezählt wird.

Es handelt sich um einen besonderen Dialog, wie im Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Ecclesia in Medio Oriente beschrieben wird, das der Heilige Vater am 15. September bei seinem Besuch im Libanon unterzeichnet hat: „Dieser Dialog basiert im Nahen Osten auf den geistlichen und historischen Beziehungen, welche die Christen […] mit den Muslimen verbinden. Dieser Dialog, der in erster Linie nicht von pragmatischen Erwägungen politischer oder gesellschaftlicher Art bestimmt ist, beruht vor allem auf theologischen Fundamenten, die den Glauben anfragen. […] Sie sind in der Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, Nostra aetate, klar definiert“ (Nr. 19).

In den arabischen Ländern wird die Evangelisierung auf indirekte Weise betrieben: in den katholischen Schulen, Universitäten, Krankenhäusern, in Einrichtungen, die zu den Diözesen und den Orden gehören und die sowohl Christen als auch Muslimen zugänglich sind. Die indirekte Evangelisierung wird vor allem mit den sozialen Kommunikationsmitteln betrieben, besonders den katholischen, die die liturgischen Feiern und verschiedene religiöse Programme ausstrahlen. Wir können feststellen, dass es unter den Muslimen zu heimlichen Konversionen zum Christentum kommt.

Die Ansprachen, die der Heilige Vater im Libanon gehalten hat, sowie das Nachsynodale Apostolische Schreiben Ecclesia in Medio Oriente begünstigen den Anbruch eines „christlichen Frühlings“, der – dank der Gnade Gottes und dank einer erleuchteten neuen Evangelisierung – zu einem wahren „arabischen Frühling“ der Demokratie, der Freiheit, der Gerechtigkeit, des Friedens und der Verteidigung der Würde eines jeden Menschen gegen alle Formen von Gewalt und Rechtsverletzung führen wird.