Inthronisierungsmesse von Papst Franziskus
Die Welt zu Gast im Vatikan
Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 555 klicks
Am heutigen Dienstagvormittag wurde Papst Franziskus offiziell mit der „Inthronisierungsmesse“ in sein petrinisches Amt eingeführt. Mit dieser Messe übernimmt der neugewählte Papst die Kathedra Petri, als Symbol für die Inbesitznahme der Leitungsgewalt in der römisch-katholischen Kirche. Während der Zeremonie werden dem neuen Oberhaupt der katholischen Kirche seine Insignien, das Pallium und der Fischerring überreicht.
Hunderttausende Gläubige hatten sich bei strahlendem Sonnenschein auf dem Petersplatz und den angrenzenden Straßen versammelt, um mit ihrem neuen Oberhaupt die über zweistündige Messe zu feiern.
33 Delegationen mit rund 150 Vertretern anderer Kirchen und Religionsgemeinschaften waren nach Rom gereist. Erstmals seit fast 1.000 Jahren nahm mit Bartholomäus I. von Konstantinopel, dem Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, auch ein Ökumenischer Patriarch an der Amtseinführung eines Papstes teil. Ebenfalls vertreten war das armenische Kirchenoberhaupt Katholikos Karekin II.
Von jüdischer Seite kam zum Amtsantritt des Papstes eine 20 Mitglieder starke Delegation, unter ihnen der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni sowie die Führung der jüdischen Gemeinden Roms und Italiens. Das Jerusalemer Großrabbinat wurde durch dessen Generaldirektor Oded Wiener vertreten, das Internationale Jüdische Komitee für Interreligiöse Beratungen (IJCIC) durch seinen Präsidenten David Rosen.
Aus der Welt der Politik kamen 140 Delegationen, neben den italienischen Regierungsvertreten unter anderem US-Vizepräsident Joe Biden mit der Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, der Staatschef von Zimbabwe, Robert Mugabe, sowie die argentinische Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner, die bereits am Montag mit Papst Franziskus im Gästehaus Santa Martha zusammengetroffen war.
Aus Österreich kamen Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Werner Faymann sowie Vizekanzler Michael Spindelegger.
Aus Deutschland nahmen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundesratspräsident Winfried Kretschmann, Vizekanzler Philipp Rösler und Innenminister Hans-Peter Friedrich an der Amtseinführung teil.
Brasilien wurde von Präsidentin Dilma Rousseff und Mexiko von Präsident Enrique Pena Nieto vertreten. Aus Frankreich kam Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault.
Auch mehrere europäische Herrscherhäuser hatten ihre Teilnahme an der Messe auf dem Petersplatz angekündigt. Aus Großbritannien Thronfolger Prinz Charles, aus Spanien Königin Sofia und Thronfolger Prinz Filipe, der belgische König Albert II. und Königin Paola, begleitet von Ministerpräsident Elio Di Rupo, sowie Prinz Albert vonMonaco.
Erste Schätzungen gehen von einer viertel Million Menschen aus.
Vor der Eucharistiefeier fuhr Papst Franziskus im Papamobil rund eine halbe Stunde unter dem Jubel der Menge über den Petersplatz, segnete und küsste Kinder und brachte den Wagen zum Stehen, um einen Behinderten zu segnen.
Die liturgische Feier begann mit dem Einzug in den Petersdom, wo der Papst einige Minuten am Grab Petri, des ersten Papstes, im Gebet verharrte. Unter den Gesängen der „Laudes Regiae“ zog er dann mit den Kardinälen und Altardienern in langer Prozession auf den Petersplatz, wo er auf dem päpstlichen Thron Platz nahm.
Hier wurden dem 266. Papst der Kirchengeschichte die Insignien seines Amtes überreicht. Unter dem Gesang von Psalm 68 legte ihm Kardinalprotodiakon Jean-Louis Tauran das Pallium um, das Symbol seines Hirtendienstes an der Herde Christi nach den Worten: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe.“ Die ringförmige Stola ist in Erinnerung an die Wundmale Jesu Christi mit roten Kreuzen bestickt. Der Dekan des Kardinalkollegiums, Angelo Sodano, steckte dem 76 Jahre alten Franziskus anschließend den Fischerring an. Der Amtsring aus vergoldetem Silber zeigt eine Darstellung des Apostel Petrus mit den beiden Schlüsseln, ein Werk des italienischen Künstlers Enrico Manfrini.
Im dritten Teil der Zeremonie gelobte eine -diesmal nur kleine- Gruppe von Kardinälen dem Papst Gehorsam, darunter der Kölner Erzbischof Kardinal Meisner und Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone.
Nach den einführenden Riten begann die Feier der Heiligen Messe mit dem Confiteor, dem Schuldbekenntnis. Die erste Lesung war ein Abschnitt der Prophezeiung Natans aus dem zweiten Buch Samuel, die zweite Lesung ist dem Brief Paulus an die Römer entnommen.
Das Evangelium wurde traditionell von dem ostrituellen Diakon in griechischer Sprache verkündet. Die lateinische Fassung, die eigentlich ebenfalls vorgesehen ist, entfiel bei der heutigen Zeremonie.
Während der Predigt konzentrierte sich der neue Papst, nachdem er herzlich den Papst Emeritus, dessen Namenstag heute gefeiert wird, und die anwesenden Regierungsdelegationen gegrüßt hatte, auf die Gestalt des hl. Josef, dessen Hochfest heute gefeiert wird und dessen fürsorglichen und „zärtlichen“ Dienst er als Vorbild für sein Pontifikat ankündigte.
Der hl. Josef habe vom Engel die Aufgabe bekommen, „custos“, Hüter von Maria und Jesus zu sein. Ausgezeichnet habe ihn seine ständige Aufmerksamkeit gegenüber Gott, seine Offenheit für dessen Zeichen, seine Verfügbarkeit für dessen Plan, dem er den eigenen untergeordnet habe. Josef sei „Hüter", weil er auf Gott zu hören verstehe und sich von seinem Willen leiten lasse. Er habe diese Hüter-Tätigkeit mit Rücksicht, Demut und absoluter Treue ausgeführt. Gott sei es dann selber, der sein Haus aus lebendigen Steinen baue.
Das Hüten beziehe sich aber nicht nur auf Maria und Jesus und über diese beiden hinaus auf die ganze Kirche, sondern auf die ganze Menschheit. Sie bestehe darin, die ganze Schöpfung zu bewahren, Achtung zu haben vor jedem Geschöpf Gottes und vor der Umwelt, in der wir leben. Jeden einzelnen Menschen zu hüten, in der Ehe, in der Familie, die an den Rand gedrängten Schwachen, in den Freundschaften als ein „Einander-Behüten in Vertrautheit, gegenseitiger Achtung und im Guten“. „Im Grunde ist alles der Obhut des Menschen anvertraut, und das ist eine Verantwortung, die alle betrifft. Seid Hüter der Gaben Gottes!“, rief der Papst den Gläubigen zu.
Wenn der Mensch seiner Verantwortung nicht nachkomme, dann gewinne Zerstörung Raum, „das Herz verdorrt.“ In jeder Epoche der Geschichte gebe es leider solche „Herodes", die Pläne des Todes schmiedeten, das Antlitz des Menschen zerstörten und entstellten.
Der Papst rief die Verantwortungsträger der Wirtschaft, der Politik und der Gesellschaft dazu auf, Hüter des in die Natur hineingelegten Planes Gottes zu sein. „Erinnern wir uns daran, dass Hass, Neid und Hochmut das Leben verunreinigen!“, so Franziskus. Es sei besonders notwendig, über sein Herz zu wachen.
Das Hüten zeichne sich durch Stärke, Mut und Fleiß aus, wie in der Gestalt des hl. Josef deutlich werde, aber auch durch dessen Zärtlichkeit. Die Zärtlichkeit sei keine Tugend des Schwachen, sie deute vielmehr auf Seelenstärke hin. „Wir dürfen uns nicht fürchten vor Güte, vor Zärtlichkeit!“
Danach erinnerte der Papst an die Aufgabe, die Jesus Petrus anvertraut hatte: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe.“ Petrus sei auch Macht übertragen worden, aber eine Macht, die sich im Dienst ausdrücke, einem Dienst, der im Kreuz seinen Höhepunkt finde. Auch der Papst müsse, um seine Macht auszuüben, immer mehr in jenen Dienst eintreten, in den demütigen, konkreten, von Glauben erfüllten Dienst des heiligen Josef. Wie Josef müsse er die Arme ausbreiten, um das ganze Volk Gottes zu hüten und mit Liebe und Zärtlichkeit die gesamte Menschheit anzunehmen. „Hüten wir mit Liebe, was Gott uns geschenkt hat!“
Zum Abschluss bat er den hl. Josef, die Heiligen Petrus und Paulus, den hl. Franziskus und die Gottesmutter Maria um ihre Fürsprache für seinen Dienst.
„Betet für mich!“, schloss er seine Predigt.
Nach dem Credo wurden die anschließenden Fürbitten für die Kirche, den Papst, die Regierenden, die Armen und Kranken sowie für die versammelte Gemeinde auf Russisch, Französisch, Arabisch, Suaheli und Mandarin vorgetragen. Die bisher gewohnte Gabenprozession entfiel.
Gebetet wurde heute das erste römische Hochgebet. Die liturgische Gestaltung lag, wie es bei solchen Anlässen Tradition ist, in den Händen der päpstlichen Capella Sistina, ganz abgestimmt auf die lateinische Liturgie mit der gregorianischen „Missa de Angelis“, dem „Tu es pastor ovium“, den Psalmengesängen bei der Kommunion und dem großen Te Deum nach der hl. Messe mit der lokalen, römischen Melodie. Die „anführende Stimme der Gemeinde“ war die Choralschola des „Pontificio Istituto Musica Sacra“. Leiter ist Prof. Franz Karl Praßl, der als Gastprofessor aus der Universität Graz das Fach Gregorianik unterrichtet. Er hatte im Vorfeld dieses feierlichen Gottesdienstes die lateinische Sprache als ein praktisches Zeichen der Katholizität bezeichnet, hier an einem Ort, wo die katholische Identität besonders spürbar werde.
Papst Franziskus spendete entgegen dem bisherigen Brauch persönlich keine Kommunion. Hunderte Priester zogen unter den gelb-weißen Schirmen aus, um an die Gläubigen die Kommunion auszuteilen.
Zum „Salve Regina" nach der hl. Messe ging Franziskus zu dem zum ersten Mal zu der Zeremonie neben dem Altar platzierten Gnadenbild der Muttergottes, ein Geschenk an Paul VI., wo er während der Dauer des Marienhymnus verweilte.
Nach der hl. Messe begab sich Papst Franziskus in den Petersbasilika, um dort die Leiter der angereisten offiziellen Delegationen zu begrüßen


Kommentiere