IOR: Papst Franziskus setzt eine Untersuchungskommission ein

Das Ziel: eine Verbesserung der Kontrolle und eine Erhöhung der Transparenz der Aktivitäten des vatikanischen Geldinstitutes

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Salvatore Cernuzio | 562 klicks

Einer jener Schritte, die nicht wenige von Papst Franziskus erwartet oder zumindest erhofft hatten, war eine Maßnahme in Zusammenhang mit dem IOR1. Die Meldung, wonach der Papst im Sinne einer verstärkten Kontrolle der Aktivitäten des Institutes persönlich eine päpstliche Untersuchungskommission darüber eingesetzt habe, erregte daher (bis zu einem gewissen Grad) Aufsehen.

Konkret steht in dem am 24. Juni 2013 veröffentlichten handschriftlichen Dokument Folgendes geschrieben: „Die Einsetzung einer Untersuchungskommission entsprang dem Wunsch des Heiligen Vaters, eine genauere Kenntnis der rechtlichen Stellung und der Aktivitäten des Institutes zu erlangen, mit dem Ziel einer besseren Harmonisierung des IOR mit dem Auftrag der Weltkirche und des Apostolischen Stuhls.“

Das Gremium unter der Leitung des emeritierten Präfektes der Vatikanischen Bibliothek, Kardinal Raffaele Farina, hat dieser Tage seine Arbeit aufgenommen. Folgende fünf Geistliche wurden als Mitglieder der Kommission berufen: Msgr. Juan Ignacio Arrieta als Koordinator, Peter Bryan Wells als Sekretär, die Präsidentin der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften Prof. Mary Ann Glendon, sowie Kardinal Jean Louis Tauran, der insofern einen positiven Beitrag zur Kommission beisteuert, als er aufgrund seiner Mitgliedschaft in der institutseigenen Aufsichtskommission von Kardinälen „eine umfassende und detaillierte Darstellung der Aktivitäten des IOR“ liefern kann, wie der Pressesprecher des Heiligen Stuhls Pater Federico Lombardi betont.

Dem handschriftlichen Dokument zufolge ist der Präsident der rechtliche Vertreter der Kommission. Der Koordinator verfüge hingegen über ordentliche Befugnisse als Delegierter und handle im Rahmen der Sammlung erforderlicher Dokumente, Daten und Informationen im Namen und auf Rechnung der Kommission. Diese Dokumente, Daten und Informationen würden anschließend dem Sekretär zur Verwahrung übergeben und dienten als „Hilfsmittel für die Mitglieder“. Die Mitgliederzahl von derzeit fünf könne erforderlichenfalls erweitert werden. Ebenso könne die Kommission auf die Mitarbeit Außenstehender zurückgreifen.

Wie aus dem Dokument hervorgeht, hat die Kommission den Auftrag, „Informationen über die Abläufe des Institutes zu sammeln“ und dem Papst „die Ergebnisse ihrer Arbeit“ sowie „ihr gesamtes Archiv nach Abschluss der Arbeiten rechtzeitig“ vorzulegen. Diese Kommission ist kein ständiges Organ (dazu ist bei Punkt neun Folgendes zu lesen: „Die Auflösung der Kommission wird bekannt gegeben“), sondern vielmehr ein Beratungsorgan, das „Teil des größeren Zusammenhanges der von den Hilfsinstitutionen des Apostolischen Stuhles umzusetzenden geeigneten Reformen“ ist.

Aus diesem Grund werden das Wesen des Institutes für die religiösen Werke und dessen „Modus operandi“ entsprechend der handschriftlichen Verfügung des seligen Johannes Paul II. vom 1. März 1990 beibehalten, sofern Papst Franziskus keine anderen Anweisungen erteile. Die Entscheidung des Heiligen Vaters ist daher ein Ausdruck des Wunsches, ein immer genaueres Bild von dem in Torrione Niccolò V in der Vatikanstadt ansässigen Geldinstitut zu bekommen, indem ein fixer interner Bezugspunkt geschaffen werde. Dieser werde laut Vatikansprecher Lombardi die Aktivitäten des Institutes in keiner Weise beeinflussen, sondern dem Papst lediglich „Bericht erstatten“ und „eigene Beobachtungen anstellen.“

Auch die Sonderrechte der Vatikanischen Finanzinformationsbehörde (AIF; Autorità di Informazione Finanziaria) werden von der Tätigkeit der Arbeitsgruppe unberührt bleiben; die Behörde wird das IOR weiterhin überwachen. Nichtsdestotrotz stehe es jedem frei, vor der päpstlichen Kommission zu sprechen. Neben der von Papst Franziskus gewünschten „beglückenden und fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen der Kommission und dem Institut“ sowie der erforderlichen „eifrigen Zusammenarbeit“ der Organe und Mitarbeiter des Institutes sei auch eine Unterstützung durch verschiedene Aufsichtsorgane, Mitarbeiter und Beamte der Dikasterien der römischen Kurie und der mit ihr verbundenen Einrichtungen sowie eine Mitarbeit „auf freiwilliger Basis oder auf Anfrage“ durch weitere Subjekte.

An späterer Stelle des Dokuments ist zu lesen: „Der Zugang der Kommission zu Dokumenten, Daten und Informationen werde durch das Amtsgeheimnis und weitere allfällige Beschränkungen weder verhindert, noch beschränkt vorbehaltlich der Vorschriften zum Schutz der Autonomie und Unabhängigkeit der beaufsichtigenden Behörden.“

Mit dieser Entscheidung entzieht sich Papst Franziskus zum wiederholten Mal der Logik des Vatikans. Es sei daran erinnert, dass vor zwei Wochen eine weitere Nachricht über das IOR verbreitet wurde: die Bestimmung von Msgr. Battista Ricca zum neuen vorläufigen Vorsteher des Institutes. Diese wurde offenbar von Papst Franziskus selbst vorgenommene Ernennung ist Ausdruck seines großen Vertrauens in den Leiter des päpstlichen Gästehauses, aber auch der seines Wunsches, selbst eine eingehendere Kenntnis des vatikanischen Geldinstitutes zu erlangen, bevor weitere entscheidende Schritte gesetzt werden.

Der Schlussteil des Dokuments enthält den Hinweis auf geplante umfassendere Finanzreformen im Vatikan. Voraussichtlich wird Papst Franziskus die Einladung von Benedikt XVI. Folge leisten und veranlassen, dass „auch die wirtschaftlichen und finanziellen Tätigkeiten“ des Heiligen Stuhles von den „Prinzipien des Evangeliums“ durchdrungen sind.

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FUSSNOTE

1 Istituto per le Opere di Religione (dt.: Institut für die religiösen Werke); bekannt als die Vatikanbank