Irak: Auf der Suche nach einer Zukunft

„Pessimistische“ irakische Christen sehen kein Ende der Gewalt

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Von John Newton und John Pontifex

ERBIL, Mittwoch, 8. Juni 2011 (ZENIT.org/Kirche in Not). - Christen im Irak glauben, dass es für sie dort „keine Zukunft gibt“, wie ein führender irakischer Bischof berichtet. Wegen der politischen Unsicherheit und Krise in den Nachbarländern hätten sie aber Angst, ins Ausland zu fliehen.

Bashar Warda, chaldäischer Erzbischof von Erbil im kurdischen Norden des Iraks, sprach mit "Kirche in Not" von dem Schrecken der Menschen, nachdem der orthodoxe Christ Arakan Yacob, ein Vater von vier Kindern, am 31. Mai in der nahe gelegenen Stadt Mossul erschossen worden war.

Die Ermordung von Arakan Yacob ist der jüngste Angriff aus einer Reihe weiterer Anschläge.

Laut Erzbischof Warda seien seit 2002 mehr als 570 Christen aufgrund religiös und politisch motivierter Gewalt getötet worden.

In einem Interview mit dem katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ sagte Erzbischof Warda, seit dem Tod von Yacob hätten eine Reihe von Gläubigen den Wunsch nach Auswanderung geäußert.

Aber die Auswanderung sei wegen der politischen Krise und Unsicherheit in den Nachbarländern Syrien und der Türkei schwierig, so der Erzbischof.

Beide Länder seien bereits Zufluchtsort für viele tausende von Christen, die vor den Verfolgungen seit 2003 geflohen seien, als die religiöse Gewalt nach dem Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein plötzlich eskaliert sei.

Von Erbil aus äußerte Erzbischof Warda gegenüber „Kirche in Not“: „Der jüngste Mord fügt zu der pessimistischen Sicht hinzu, dass es keine Zukunft gibt. Wie man auch versucht, die Menschen davon zu überzeugen, dass die Dinge besser werden, sie sagen: Schau dir doch an, was passiert.“

Der Erzbischof erklärte, dass unter den irakischen Christen nun die Rede von Auswanderung wieder zunähme und fügte hinzu: „Auch die Situation im Nachbarland Türkei ist nicht so gut. Durch das, was im Moment in Syrien geschieht, hat eine Familie, die über Auswanderung nachdenkt, nur begrenzte Möglichkeiten.“

Der Erzbischof wehrte sich aber gegen jede Niedergeschlagenheit: „Die Botschaft der Hoffnung gilt immer. Das Leben sollte weitergehen - das ist die Botschaft.“

Erzbischof Warda machte dennoch keinen Hehl aus dem Leiden der Menschen.

Bei einem Besuch in Großbritannien und Irland im März bei „Kirche in Not“ legte er Statistiken vor, nach denen die Zahl der Christen im Irak seit den 80-er Jahren von 1,4 Millionen auf 150.000 gesunken sei.

Nach den Berichten über die Flucht von hunderttausenden irakischer Christen aus dem Land ergänzte der Erzbischof, dass zwischen 2006 und 2010 siebzehn irakische Priester und zwei irakische Bischöfe verschleppt und entweder von ihren Entführern geschlagen und gefoltert oder aber getötet worden seien, nämlich ein Bischof, vier Priester und drei Subdiakone.

Ohne ein Anzeichen für ein Ende der Gewalt habe sich nun herausgestellt, dass man schon zweimal versucht hatte, Arakan Yacob zu entführen, den Christen aus Mossul, der letzte Woche ermordet worden war.

Sein Tod ereignete sich drei Wochen nachdem der Körper des neunundzwanzigjährigen Assur Yacob Issa, dem Opfer einer Entführung, am 16. Mai, gefunden worden war. Die Familie von Issa gab an, dass sie nicht in der Lage gewesen sei, das von den Entführern verlangte Lösegeld von 61.500 Pfund (70.000 Euro) zu zahlen.

Als Ausdruck der katholischen Nächstenliebe für verfolgte und andere leidende Christen gibt „Kirche in Not“ Hilfen für den Irak den Vorzug. Dies geschieht im Einklang mit einer Richtlinie von Papst Benedikt XVI. aus dem Jahr 2007 über die Hilfe für die Kirche im Nahen Osten, wo er unterstreicht, dass „sie sehr in ihrer Existenz bedroht ist.“

„Kirche in Not“ hat Soforthilfe für Flüchtlinge im Irak, Jordanien und der Türkei zur Verfügung gestellt, Lebensmittelpakete für vertriebene Christen im Nord-Irak, Messstipendien für arme und unterdrückte Priester, Unterstützung von Ordensfrauen und Hilfe für Priesterseminare, die in den Norden des Landes verlegt wurden.

Erzbischof Warda dankte „Kirche in Not“ und versicherte: „Es ist beruhigend zu wissen, dass Menschen für uns beten.“