Irak: Bischöfe fordern Verfassungsänderung

Die Rechte der Minderheiten müssen eindeutig geschützt werden

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BAGDAD, 22. September 2005 (ZENIT.org).- Bei einem Treffen mit dem Staatspräsidenten und dem Premierminister des Irak hat der chaldäisch-katholische Patriarch von Bagdad, Emmanuel III. Delly, im Namen aller 12 Bischöfe des Landes eine Änderung des Verfassungsentwurfs beantragt, um die religiösen Rechte der Minderheiten sicherzustellen.



In der Erklärung, die der Erzbischof am 18. September den bedeutendsten Politikern seines Landes vorlegte, wird der Sorge um die Zukunft der Christen im Irak Ausdruck verliehen. Artikel 2.1 (b) und 2.2, in denen die Religionsfreiheit und die religiösen Rechte verteidigt werden, begrüßen die katholischen Oberhirten ausdrücklich. Beunruhigt sind sie vielmehr über Artikel 2.1 (a). Dort heißt es, dass kein Gesetz verabschiedet werden darf, das dem Islam widerspricht. Diese Bestimmung "erlaubt das Verabschieden von Gesetzen, die für Nicht-Moslems ungerecht sind", kommentieren die irakischen Bischöfe, die deshalb darauf bestehen, "dass diese Regelung entweder geändert oder eliminiert wird".

Weihbischof Andreas Abouna von Bagdad, der die Erklärung der Bischöfe der in Königstein angesiedelten internationalen Hilfsorganisation "Kirche in Not" zukommen ließ, erklärte, man habe nichts gegen die Tatsache, dass der Islam im Irak zur Staatsreligion werde. "Wir wissen, dass die Mehrheit im Irak muslimisch ist." Problematisch sei vielmehr, dass der vorliegende Verfassungsentwurf die Frage der Religionsfreiheit für Minderheiten wie die Christen nicht eindeutig regle. Man fürchte sich nicht vor der unmittelbaren Zukunft, denn man sei sich durchaus bewusst, dass die gegenwärtige Regierung guten Willen besitze. Aber das könnte sich ändern, wenn eines Tages eine weniger tolerantere Regierung an die Macht käme. Werde der Verfassungsentwurf ohne Änderungen von der irakischen Bevölkerung am 15. Oktober angenommen, dann wären die Rechte der Christen nicht ausreichend geschützt.