Irak: Christen befürchten „religiöse Säuberung“

„Wir brauchen den Trost Ihrer Gebete. Durch das Gebet können wir einander Kraft schenken“

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BAGDAD, 10. Januar 2008 (ZENIT.org).- Nach den Terroranschlägen auf christliche Kirchen und Klöster in Bagdad und Mossul am vergangenen Sonntag explodierten am Mittwoch vor drei katholischen Kirchen in der nordirakischen Stadt Kirkuk drei Autobomben. Drei Personen wurden verletzt, berichtete die Polizei.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Ankawa.com richteten sich die Angriffe gegen die chaldäische Kathedrale in Kirkuk, die dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht ist, und gegen die Kirche vom heiligen Ephräm der syrisch-katholischen Gemeinde. Die Nachrichtenagentur AsiaNews berichtete von einem dritten Anschlag gegen eine weitere Kirche.

Der irakische Premierminister Nuri al-Maliki hatte bei einer Begegnung mit dem Apostolischen Nuntius Erzbischof Francis Assisi Chullikat am Dienstag bekräftigt, dass seine Regierung die Anschläge vom Sonntag verurteile und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen werde. Auch der sunnitische Vizepremierminister Tariq al-Hashemi verurteilte die Terroranschläge.

Die christliche Minderheit im Irak, die rund drei Prozent der Gesamtbevölkerung von 27 Millionen Menschen stellt, befürchtet eine „religiösen Säuberung“, berichtete heute, Donnerstag, das internationale pastorale Hilfswerk „Kirche in Not“.

Aussagen von Informanten des Hilfswerks vor Ort, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben wollen, lassen darauf schließen, dass die Christen verängstigt und zur Auswanderung bewegt werden sollen. „Ein weiteres Ziel sei es, bereits ausgewanderte irakische Christen, die darauf hofften, in ihre Heimat zurückkehren zu können, von diesen Plänen abzubringen.“

Erzbischof Louis Sako von Kirkuk erklärte gegenüber „Kirche in Not“, es handele sich bei den Anschlägen um eine „politische Botschaft“, um die christliche Gemeinde von Kirkuk, die bislang relativ wenig unter Gewalt und Einschüchterung zu leiden gehabt hätten, in Angst und Schrecken zu versetzen. Er habe alle Termine außerhalb seiner Diözese abgesagt, um bei den Betroffenen sein zu können.

Ein anderer Bischof aus dem Irak berichtet, die Menschen seien über die Anschläge besonders schockiert gewesen, da die Lage zwei Monate lang relativ ruhig gewesen sei. Es hatte sich bereits ein gewisser Optimismus ausgebreitet. Er danke jedoch Gott dafür, dass diejenigen, die die Anschläge ausgeführt hätten, niemanden töten wollten. Kurz nach den Bombenattentaten hätten er und andere führende Kirchenvertreter die Gläubigen besucht und sie moralisch unterstützt. „Das Wichtigste, was wir tun können, ist es, den Menschen beizustehen“, betonte er. Er habe in den vergangenen Tagen viele Familien getroffen, um ihnen Mut zuzusprechen.

Die Christen im Westen rief er vor allem dazu auf, für ihre irakischen Glaubensbrüder und -schwestern zu beten. „Wir brauchen den Trost Ihrer Gebete. Durch das Gebet können wir einander Kraft schenken“, fügte er hinzu.

„Kirche in Not“ unterstützt die Christen im Irak finanziell und durch Aufrufe zum Gebet und zur Solidarität. Marie-Ange Siebrecht, die Nahostexpertin des Hilfswerks, beklagt, dass man aus den meisten Nachrichten kaum etwas über die Lage der Christen im Irak erfahre, obgleich diese doch ein Teil der irakischen Gesellschaft seien und „Seite an Seite mit den Menschen, die einen anderen Glauben haben, leben“.

Die Zahl der noch im Irak verbliebenen Christen könne nicht exakt festgestellt werden, jedoch sollen Schätzungen zufolge mehr als die Hälfte bereits geflohen sein. Im Jahr 2003 haben im Irak noch 1,2 Millionen Christen gelebt.