Irak: Christliche Religion als Prüfungsfach an öffentlichen Schulen

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TURIN/ROM, 23. November 2007 (ZENIT.org).- In einem Interview mit einem Mitarbeiter der Erzdiözese Turin hat der irakische Weihbischof Jacques Ishaq, der in der Diözese Nisibi wirkt, darauf hingewiesen, dass der irakische Staatspräsident Jalal Talabani dem in der irakischen Hauptstadt Bagdad residierenden Patriarchen von Babylon und der Chaldäer, Emmanuel III. Delly, zugesagt habe, dass sich christliche Schüler in öffentlichen Schulen im Fach Christliche Religion prüfen lassen können.



Der Weihbischof erläuterte, dass sich dadurch der Notendurchschnitt der christlichen Schüler deutlich verbessern werde, denn bei der Notenvergabe in seinem Land gibt es eine Besonderheit: Zur Ermittlung der Zeugnisendnote wird die Summe der Noten der jeweiligen Fächer durch Zehn dividiert.

Die muslimischen Schüler hätten sich dank dieses Systems mit gutem Kenntnissen im Unterrichtsfach Islam eine proportional bessere Abschlussnote sichern können, so der Würdenträger. Diese Möglichkeit sei jetzt auch für christliche Schüler in einem Land gesichert, das traditionell stets großen Wert auf gute Bildung gelegt habe.

In der Vergangenheit haben weniger als 25 Prozent aller christlichen Schüler im Irak die Gelegenheit bekommen, eine öffentliche Schule zu besuchen. Diese Quote war 1972 festgelegt worden, durch ein Gesetz, das das Ende aller christlichen Privatschulen bedeutete und während der Regierungszeit von Saddam Hussein in Kraft war. Seit damals sind christliche Lehranstalten, die vormals zu den besten des Landes zählten, dem irakischen Kultusministerium unterstellt.

Bischof Jacques Ishaq ist auch Rektor der „Theologischen Hochschule für Religionswissenschaften“, dem katholischen „Babel College“, das 1991 gegründet wurde und seit 1997 an die Päpstliche Universität Urbaniana in Rom angeschlossen ist. Außerdem ist er im Patriarchat von Babylon und der Chaldäer für kulturelle Fragen zuständig.

Der Weihbischof berichtete, dass im „Babel College“ neben der Theologischen Hochschule auch ein Institut für Philosophie eingerichtet worden sei. Heute gebe es 63 eingeschriebene Studenten: Chaldäer, syrische Katholiken, Assyrer und Mitglieder der Armenisch-Orthodoxen Kirche.

Das „Babel College“ kämpfte jahrelang mit dem Problem, gut ausgebildete Lehrkräfte zu finden. Mittlerweile verfügt es über 35 Hochschullehrer. Sechs von ihnen sind Muslime und unterrichten Philosophie. Aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen und Unruhen wurde es im Januar 2007 nach Ankawa in Kurdistan verlegt.

Dass Christen einen wesentlichen Beitrag zum Frieden leisten können und wollen, werde in seinem Land tagtäglich besser verstanden, schloss Weihbischof Jacques Ishaq.