Irak: Emeritierter chaldäischer Patriarch Emmanuel III. Delly gestorben

Patriarch Sako ehrt ihn als großen Hirten

Rom, (Fides) | 159 klicks

Der emeritierte chaldäische Patriarch, Kardinal Emmanuel III. Delly starb in den vergangenen Stunden im Alter von 87 Jahren in einem Krankenhaus in San Diego (Kalifornien). Dies teilt die chaldäische Kirche mit. „Kardinal Delly“, so der derzeitige chaldäische Patriarch Louis Raphael I. Sako, „diente der chaldäischen Kirche über 60 Jahre lang mit großer Hingabe, als Priester und später als Bischof und Patriarch. Er hat schwierige Zeiten erlebt, angefangen mit der Zeit nach der Revolution des Jahres 1958 bis hin zu den Kriegen der vergangenen Jahrzehnte mit der Verfolgung der Christen und der Invasion der USA. Doch er ist seinem Land und seinem Volk stets treu geblieben, er hat seine Herde nie allein gelassen und blieb bei seinen Gläubigen, um mit ihnen zu beten, ihnen zu helfen und sie zu ermutigen. Dies hat gezeigt, wie groß sein Herz als Hirte war“. 

In den kommenden Tagen wird ein Requiem für den verstorbenen Kardinal Delly in der St. Josephs-Kathedrale in Bagdad stattfinden. Der Kardinal wird voraussichtlich in den Vereinigten Staaten beigesetzt werden. Ein Großteil der nächsten Angehörigen des emeritierten Patriarchen leben in den Vereinigten Staaten in der Umgebung von Detroit.

Der emeritierte Patriarch Delly wurde am 27. September 1927 in Telkaif, in der chaldäischen Eparchie Mossul geboren. Er studierte Theologie an der Universität Urbaniana und Kirchenrecht an der Lateranuniversität und erwarb eine Lizenz im Fach Philosophie an der Universität Urbaniana. Am 21. Dezember 1952 wurde er von Kardinal Pietro Fumasoni Biondi in Rom in der Kirche des Päpstlichen „Collegio Urbano di Propaganda Fide“ zum Priester geweiht. Als Sekretär des Patriarchen kehrte er am 30. Dezember 1960 nach Bagdad zurück. Am 7. Dezember 1962 wurde er zum Weihbischof des Patriarchen Paul II. Cheikho ernannt und erhielt den Titularsitz Paleopoli di Asia. Am 19. April 1963 wurde er zum Bischof geweiht. Als Bischof wurde er auch Mitglied des Zweiten Vatikanischen Konzils, an dem er zuvor als Sachverständiger teilgenommen hatte. Im Oktober 2002 war er aus Altersgründen vom Amt des Patriarchen zurückgetreten, wurde jedoch ein Jahr später, am 3. Dezember 2003, von den Bischöfen zum chaldäischen Patriarchen ernannt, in einer für den Irak schweren historischen Zeit, nach dem militärischen Eingreifen unter Leitung der USA und dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein. „Unter politischen Gesichtspunkten wurden wir vom alten Regime befreit, de facto wurden wir besetzt. Und dem Volk, jedem Volk, gefällt dies nicht“, so der neu gewählte Patriarch in einem Interview vom Dezember 2003. Während seiner Zeit als Patriarch kam es im August 2004 auch zu blutigen Anschlägen auf die Kirchen in Bagdad und Mossul. (GV)

(Quelle: Fides 9/4/2014)