Irak: Erzbischof Sako schildert dramatische Situation der Christen und warnt vor Teilung

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KIRKUK/ROM, 27. September 2007 (ZENIT.org).-Gewalt, Isolation und Auswanderung bestimmen die gegenwärtige Situation der Christen im Irak, einem Land, dass auseinanderzubrechen droht. Auf diese Gefahr hat vor kurzem der Kirkuker Erzbischof Louis Sako aufmerksam gemacht.



„Die Gewalt nimmt immer mehr zu; die Konflikte zwischen den verschiedenen Teilgruppen sind ernst und gehen weiter. Dasselbe gilt für die Entführungen, die mit Lösegeldforderungen einhergehen“, erklärte der Erzbischof der nordirakischen Diözese am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur „Sir“ der italienischen Bischofskonferenz.

Der Oberhirte der chaldäischen Katholiken schilderte die Lage eines Landes, in dem die Bevölkerung auch an den Folgen des Trinkwasser- und Elektrizitätsmangels zu leiden hat, Preise in die Höhe schnellen, das Problem der Arbeitslosigkeit immer akuter wird und die Cholera um sich greift.

„Der Irak geht auf eine Teilung zu: Die Kurden haben bereits ihre Autonomie, die Schiiten organisieren sich gerade, und dasselbe tun auch die arabischen Sunniten.“ Wie der Erzbischof berichtete, ist der Plan von der Aufteilung des Iraks sogar schon im US-Kongress besprochen worden.

Während die Christen psychologisch und praktisch isoliert würden, „ geht die Auswanderung wie blind und ohne jede Perspektive weiter“, beklagte Erzbischof Sako. „In Bagdad und Mossul registriert man stetig Verfolgungen und Entführungen“; in Kirkuk „wandern viele Christen in den Norden oder nach Syrien ab. Sie fürchten sich vor der Zukunft.“ Auch immer mehr Priester versuchten, in den Westen zu kommen.

Der Hirte erklärte, dass die die christlichen Parteien untereinander uneins seien und dass die besorgten religiösen Hirten auf ein Wunder hofften. Der Kirche falle gegenwärtig aber dennoch eine „entscheidende Brückenfunktion“ zu, aber sie müsse ihr Selbstvertrauen stärken.

Nach Angaben des Flüchtlingshockkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) vom 21. September stieg die Zahl neuer Asylanträge von Irakern in Industriestaaten im ersten Halbjahr 2007 gegenüber dem zweiten Halbjahr 2006 um 45 Prozent. Rund 19.800 Anträge in den ersten sechs Monaten standen 13.600 Ansuchen in den letzten sechs Monaten 2006 gegenüber. Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2006 (8.500 Asylanträge) stellt dies mehr als eine Verdoppelung dar. Setzt sich der Trend fort, ist in diesem Jahr mit über 40.000 Anträgen von Irakern zu rechnen, dem höchsten Wert seit 2002.

Rund 2,2 Millionen Männer, Frauen und Kinder sollen den Irak verlassen haben, um in Syrien und Jordanien Zuflucht zu finden. Diese Irak-Flüchtlinge in den Nachbarländern sind von der Asylstatistik für 36 Industriestaaten nicht erfasst.

Hinter den Anträgen von Irakerinnen und Irakern folgen in der UNHCR-Statistik Asylanträge von Chinesen (8.600), Pakistanis (7.300), Ansuchen von Menschen aus Serbien und Montenegro (7.200) sowie aus der Russischen Föderation (6.500).