Irak: Immer mehr Katholiken verlieren die Hoffnung

Katholischer Geistlicher berichtet von „Völkermord auf Raten“

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ROM/BAGDAD, 2. März 2007 (ZENIT.org).- Ein Geistlicher der chaldäisch-katholischen Kirche sieht die Hoffnung der irakischen Gläubigen angesichts der verheerenden Lage immer mehr schwinden.



P. Philip Najim, Prokurator des Heiligen Stuhles für den Patriarchen von Babylon, sprach mit ZENIT über die Situation der Katholiken im Irak und betonte dabei, dass die „einzige Waffe, mit der wir Frieden schaffen müssen“, das Gebet sei.

Zusätzlich zum traditionellen Fastenopfer müssten sich die irakischen Katholiken darum bemühen, „in ihrem Verhalten und in ihrer Einstellung zu Zeugen des Friedens Christi zu werden“. Ihre Stärke müssten sie von Gott beziehen.

Der Priester definierte den Alltag im Irak als eine Form von „Völkermord auf Raten“. Und er fuhr fort: „Die tägliche Plage mit Entführungen, Todesfällen, Bombardierungen, Furcht und Instabilität, verbunden mit den kumulativen Effekten des von der UNO auferlegten Handelsembargos, das 12 Jahre lang dauerte, haben eine Kultur zerstört, die tief in der vorchristlichen Geschichte verwurzelt ist.“

Er äußerte die Hoffnung, dass die Christen im Irak wieder neuen Mut schöpfen könnten, wenn sie sich in dieser Fastenzeit erneut zu Gott bekehrten: „Wenn wir uns in sehr schwierigen Situationen befinden, erkennen wir häufig die Grenzen unserer menschlichen Natur und können dann wieder Kraft finden in Gott, unserem Schöpfer.“

Nach P. Najim geht die Präsenz der Christen im Irak auf das erste Jahrhundert zurück. Die mit Rom unierte chaldäische Kirche verfüge über einen Patriarchen mit Sitz und Bagdad und bewahre eine eigenständige theologische, liturgische und kanonische Tradition.

Allein in der irakischen Hauptstadt habe es vor dem Krieg 35 blühende Gemeinden gegeben. Heute seien viele Kirchen zerstört, der priesterliche Dienst erliege aufgrund der gegenwärtigen Umstände erheblicher Einschränkungen, vielfach könne die Liturgie nur an Sonntagen gefeiert werden.

Der Priester berichtete zudem, dass die chaldäische Kirche in Europa mehr als 80.000 Gläubige zähle. Viele von ihnen bildeten eine „Diapsora“-Gemeinde, da sie den Irak aus Furcht vor Übergriffen verlassen hätten. In den USA gibt es nach Angaben von P. Najim zwei chaldäische Diözesen, in denen ebenfalls viele Iraker angesiedelt seien.

Auch wenn die Katholiken im Irak eine Minderheit seien, spielten sie eine wichtige Rolle, unterstrich der Priester. „Durch ihre Haltung und ihre Lebensart geben Christen ein machtvolles Zeugnis.“ Die Christen hätten ihre Kulturen und Traditionen, Familien, Freundschaften und ihren Glauben aufgebaut und seien immer Freunde ihrer irakischen Brüder und Schwestern gewesen.

In diesem Zusammenhang wies der Geistliche darauf hin, dass die Hirten im Irak alle Menschen guten Willens aufgefordert hätten, während der Fastenzeit um Frieden und Einheit zu beten. „Die Freiheit und die Würde der Person stehen in unserem katholischen Glauben an erster Stelle, und sie sind die Grundlage für den Frieden. Es kann keine Demokratie geben, es sei denn, sie kommt von innen; und es kann keine Demokratie ohne Freiheit geben.“