Irak: Weitere Attentate bei der Wahl

Erneute Kritik des Patriarchen Sako an der westlichen Politik

Rom, (Fides) | 329 klicks

Im Vorfeld der Wahl, die im Irak am heutigen 30. April stattfinden, kam es zu zahlreichen terroristischen Anschlägen. Auch am Wahltag selbst kam es bereits zu Übergriffen, obschon die Wahllokale von der Polizei im Rahmen strenger Sicherheitsmaßnahmen beschützt werden. In Bagdad wurde für den heutigen Tag ein Fahrverbot verhängt. Doch in verschiedenen Teilen des Landes kam es nach ersten Berichten zu weiteren Attentaten auch in der Nähe von Wahllokalen, bei denen bereits 10 Menschen getötet und 20 verletzt wurden. 

Insgesamt sind 22 Millionen Iraker wahlberechtigt. Der scheidende irakische Premierminister, der Schiit Nuri al-Maliki, erklärte unterdessen vor der Wahl, er sei sich „sicher“, dass seine schiitische „Rechsstaat“-Koalition die Wahl gewinnen werde.

Insgesamt 9 Listen mit 85 Kandidaten bewerben sich um die 5 Sitze (von insgesamt 328), die das geltende Wahlsystem den christlichen Kandidaten vorbehält. Die 5 Sitze sind verteilt auf die Städte Bagdad, Kirkuk, Ninive, Arbil und Dahuk. 

Wenige Tage vor der Wahl hatte der chaldäische Patriarch Louis Raphael I. Sako unterdessen erneut vor dem Verschwinden der einheimischen christlichen Gemeinden im Irak gewarnt. „Vor einigen Tagen“, so der Patriarch in einer Verlautbarung, „habe ich die Stadt Hilla besucht, in der in den neunziger Jahren 287 christliche Familien lebten. Heute sind es noch 21. In Bagdad gibt es 21 chaldäische Pfarreien, viele wurden geschlossen oder zusammengelegt. Zur Himmelfahrts-Pfarrei in al-Mashtal gehörten vor dem Sturz des Regimes 5.000 Familien und jedes Jahr kamen rund 250 Kinder zur Erstkommunion. Am 25. April waren es nur noch 13 Mädchen und Jungen, für die ich den Gottesdienst ihrer Erstkommunion zelebrierte“.

Für die Auswanderung der Christen aus dem Irak macht der Patriarch die Kriege und die Verschlechterung der Sicherheitsbedingungen, die Verbreitung sektiererischer Gewalt, die Beschlagnahme von Eigentum, Arbeitslosigkeit und das Gefühl der Christen verantwortlich, dass ihre Position in der Gesellschaft dieser Region sich zunehmend verschlechtert. Die Wurzel der Massenauswanderung der Christen aus dem Irak sieht der Patriarch letztendlich in der Nahostpolitik der westlichen Länder: „Demokratie und Wandel“, so Patriarch Sako „entstehen durch Bildung und nicht durch Konflikte. Das westliche Eingreifen in der Region hat die Probleme nicht gelöst, sondern vielmehr weitere Konflikte und Chaos hervorgerufen. In Wirklichkeit konnten 1400 Jahre Islam uns nicht aus unserer Heimat und aus unseren Kirchen vertreiben, währen die Politik des Westens, dazu geführt hat, dass wir heute in der ganzen Welt verteilt sind“. (GV)

(Quelle: Fides 30/4/2014)